Montag, 22. April 2019

AfD-Chef Lucke "Schleunigst ein Austrittsrecht verankern"

Bernd Lucke: Wahlkampf in Aschaffenburg. Im Mai will er sich ins Europaparlament wählen lassen

Bernd Lucke ist Chef und Vordenker der Alternative für Deutschland (AfD). Ein Gespräch über die Zukunft des Euro, die Briten und Südeuropa.

mm: Professor Lucke, schaut man auf die Börsenkurse oder die Spread-Entwicklungen, also den Abstand der Staatsanleihen aus Südeuropa auf die aus Deutschland, ist alles ruhig. Sind Sie dadurch beruhigt?

Lucke: Nein, in keiner Weise. Die Risiken sind ja vermutlich sogar gestiegen, denn die Krisenstaaten sind heute höher verschuldet als je zuvor. Dass die Zinsen sinken, liegt nur daran, dass die Eurozone klargemacht hat, dass sie im Zweifel alle Risiken übernimmt. Auch die Wettbewerbsfähigkeit der Länder Südeuropas hat sich nicht verbessert, denn die Exportpreise sind nach wie vor nicht gesunken. Die Verbesserung in den Handelsbilanzen ist zum Teil rezessionsbedingt, zum Teil auf die deutlich verbesserte Weltkonjunktur zurückzuführen. Aber angebotsseitig ist die Wettbewerbsfähigkeit nach wie vor schlecht.

mm: Erst 2015 soll es besser werden.

Lucke: Das behaupten EU und Bundesregierung. Sie haben auch mal behauptet, dass Griechenland nur drei Jahre lang Hilfe braucht.

mm: Ihr Petitum bleibt also erhalten - bestimmte Länder müssen aus der Eurozone austreten?

Lucke: Ja. Und wenn man mal nach Recht und Gesetz vorgehen wollte, sollte man schleunigst ein Austrittsrecht in den Europäischen Verträgen verankern.

mm: So wie aus einem x-beliebigen Fitnessclub?

Lucke: Der Austritt ist der aussichtsreichste Weg, um in Südeuropa wieder zu Wachstum und Wohlstand zu gelangen.

mm: Der was bewirken soll?

Lucke: Da es offenbar zu schwierig ist, durch innere Abwertung - also das Senken von Löhnen und Gehältern - die Wettbewerbsfähigkeit wieder herzustellen, bleibt nur die klassische Abwertung. Da die nur über eine eigene Währung erfolgen kann, muss das betreffende Land aus der Eurozone austreten.

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