Emissionshaus plant Megatransaktion 18.000 Schiffsfonds-Anleger sollen zu Lloyd-Fonds-Aktionären werden

Riesenvorhaben bei Lloyd Fonds: Mit einer Kapitalerhöhung um 500 Prozent will das Hamburger Emissionshaus 18.000 Anleger von Schiffsfonds zu Aktionären machen und deren Frachter übernehmen. Vor der Entscheidung müssen sich die Investoren vor allem zwei Fragen stellen. 
Angeschlagenes Containerschiff am JadeWeserPort in Wilhelmshaven: Viele Schiffsfonds befinden sich in Schieflage - Lloyd Fonds bietet eine ungewöhnliche Ausstiegsmöglichkeit

Angeschlagenes Containerschiff am JadeWeserPort in Wilhelmshaven: Viele Schiffsfonds befinden sich in Schieflage - Lloyd Fonds bietet eine ungewöhnliche Ausstiegsmöglichkeit

Foto: DPA

Hamburg - Das börsennotierte Fonds-Emissionshaus Lloyd Fonds  mit Sitz in Hamburg plant Mitten in der Krise der Schiffsfonds eine ungewöhnliche Großtransaktion: Etwa 18.000 Anleger von zusammen elf Schiffsfonds aus dem Hause sollen in den kommenden Wochen darüber entscheiden, ob sie ihre Fondsanteile in Lloyd-Fonds-Aktien tauschen wollen. Sollten alle Investoren mitziehen, hätte die Transaktion ein Gesamtvolumen von rund 162 Millionen Euro. Weitere Anleger der derzeit noch 60 laufenden Schiffsfonds von Lloyd Fonds sollen zudem in nächster Zeit ähnliche Angebote erhalten.

Aus dem Emissionshaus würde auf diese Weise ein börsennotiertes Schifffahrtsunternehmen, teilt Lloyd Fonds mit. Beteiligungsangebote insbesondere im Schifffahrtsbereich sollen allerdings auch künftig auf den Markt gebracht werden, so Lloyd-Fonds-Chef Torsten Teichert im Gespräch mit manager magazin online.

Nach Angaben Teicherts entstand die Idee zu dem Projekt bereits vor drei Jahren. Die konkrete Vorbereitung habe vor etwa einem Jahr begonnen, so der Vorstandschef.

Geplant ist nun eine umfangreiche Kapitalerhöhung, über die die bisherigen Fondsanleger zu Aktionären werden sollen. Um dies zu ermöglichen wurde zunächst die Lloyd Fonds AG durch eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft bewertet. Ergebnis: Das Unternehmen sei gegenwärtig insgesamt 32,4 Millionen Euro wert. Dabei wurden für die nächsten Jahre Umsätze zwischen 9,8 Millionen Euro und 15,1 Millionen Euro angenommen, sowie Gewinne zwischen 0,7 Millionen Euro und 3,5 Millionen Euro.

Elf Fonds haben einen Gesamtwert von 325 Millionen Euro

Zum Vergleich: 2014 hat Lloyd Fonds eigenen Angaben zufolge ein Ergebnis von 0,7 Millionen Euro erzielt. Der Umsatz lag nach Angaben Teicherts bei zehn bis zwölf Millionen Euro.

Gleichzeitig wurden auf der anderen Seite die elf Schiffsfonds, die an dem Deal teilnehmen sollen, bewertet. Sechs der Beteiligungsgesellschaften haben in Containerschiffe investiert und fünf in Tanker. Laut Teichert handelt es sich zum großen Teil um Fonds, die gemessen an der schwierigen Gesamtlage, in der sich die Schifffahrt seit einigen Jahren befindet, vergleichsweise gut dastehen.

Entsprechend hätten sich Bewertungen für die Fondsanteile ergeben, die vielfach bei 70, 80 oder auch 100 Prozent des ursprünglichen Nominalwertes lägen. Lediglich in einem Fall betrage der Wert 20 Prozent, so Teichert. In einem anderen seien allerdings auch 140 Prozent kalkuliert worden.

Insgesamt kommen die Fonds nach diesen Bewertungen auf ein Volumen von rund 325 Millionen Euro, so Teichert. Abzüglich der noch bestehenden Bankschulden, die im Falle der Zustimmung der Kommanditisten zum Tausch ebenfalls von der Lloyd Fonds AG übernommen werden sollen, ergebe sich der Eigenkapitalwert von rund 162 Millionen Euro. In diesem Volumen könnten den Investoren also Aktien von Lloyd Fonds zugeteilt werden, sofern sie es wollten.

Anleger müssen sich vor allem zwei Fragen stellen

Der Unternehmenswert Lloyd Fonds' von 32,4 Millionen Euro führt bei rund 9,2 Millionen existierenden Aktien zu einem rechnerischen Wert je Aktie von 3,54 Euro. Bei Fondswerten von 162 Millionen Euro werden also im Falle der vollständigen Zustimmung rund 45 Millionen neue Aktien an die bisherigen Fondsanleger ausgegeben (162 geteilt durch 3,54). Sprich: Die Kapitalerhöhung müsste dann ein Volumen von rund 45 Millionen Euro haben (bei einem Nominalwert von einem Euro je Aktie).

Die Anzahl der Aktien von Lloyd Fonds würde sich damit von derzeit 9,2 Millionen um etwa 500 Prozent auf etwa 55 Millionen erhöhen, ebenso wie das Eigenkapital der Gesellschaft. So hätten die Fondsanleger schlagartig einen Anteil von 83 Prozent am Unternehmen. Die bisherigen Aktionäre würden auf 17 Prozent zurückgedrängt.

Aus diesem Grunde soll den Altanlegern eine Barkapitalerhöhung angeboten werden. So sollen sie die Möglichkeit erhalten, eine Verwässerung ihrer Anteile zu vermeiden. Insgesamt könnten im Zuge dieser Barkapitalerhöhung weitere rund 35 Millionen Aktien à ein Euro in Umlauf kommen, sodass die Kapitalerhöhung dann zusammen auf 80 Millionen Euro anwachsen würde.

Nach Angaben des Firmenchefs haben die Hauptaktionäre des Unternehmens allerdings bereits signalisiert, auf die Teilnahme an der Kapitalerhöhung vermutlich zu verzichten. Wichtigster Anteilseigner ist mit derzeit etwa 50 Prozent der US-Fonds ACP Fund V LLC. Vorstand Teichert verfügt nach eigenen Angaben über einen Anteil von 3 bis 4 Prozent an den Lloyd-Fonds-Aktien.

Aktie springt um 30 Prozent

Alles in allem ergibt sich eine Riesentransaktion, die auf Anhieb schwer zu überblicken ist. Das dürfte auch vielen der 18.000 Anleger so gehen, die davon betroffen sind. Laut Teichert werden die Investoren demnächst sehr detailliertes Informationsmaterial bekommen, um alles nachvollziehen zu können.

Wichtig erscheinen aus Anlegersicht dabei zwei Fragen:

  • Wurde mein Fondsanteil in der Kalkulation korrekt bewertet?
  • Ist der Aktienwert von 3,54 Euro angemessen?

Die erste Frage ist besonders schwer zu beantworten. Jedes Schiff befindet sich in einer anderen Situation. Entscheidend sind vor allem die Aussichten auf künftige Einnahmen, die wiederum wesentlich von der Entwicklung der Schifffahrtsmärkte abhängen. Diese war in vielen Bereichen zumindest in den vergangenen Jahren nicht erfreulich. Aber was sagt das über die Zukunft aus?

Bei Frage zwei wiederum hilft vielleicht ein Blick an die Börse. Dort sprang die Lloyd-Fonds-Aktie am Freitag nach Bekanntwerden der Pläne um 30 Prozent in die Höhe. Mit 1,75 Euro wird für das Papier allerdings immer noch lediglich halb so viel bezahlt, wie von den Wirtschaftsprüfern berechnet.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.