Donnerstag, 9. April 2020

Rekord-Lebensversicherung 200-Millionen-Dollar-Mann gesucht

Aussichten strahlend blau: Die kalifornische Investmentberatung SG ist auf eine besonders vermögende Klientel spezialisiert - und hat jetzt eine Rekordpolice abgeschlossen

In den USA wurde eine Lebensversicherung mit der Weltrekordsumme von 201 Millionen Dollar abgeschlossen. Aber wer ist der Milliardär, der sein Leben so hoch versichert, dass zwei Dutzend Gesellschaften gemeinsam den Vertrag stemmen müssen?

Hamburg - Dovi Frances betreibt eigentlich ein diskretes Geschäft, aber zurzeit ist er ein gefragter Mann. Der Chef des Finanzdienstleisters SG in Santa Barbara, Kalifornien, ist darauf spezialisiert, einer besonders betuchten Klientel in Finanzfragen zur Seite zu stehen. Immobilien, alternative Investments, Flugzeuge, Yachten - alles eben, was Spaß macht, wenn der Kontostand mehr als sechs oder sieben Stellen aufweist.

Und natürlich Versicherungen. In dem Bereich hat Frances zuletzt einen besonders dicken Fisch an Land gezogen. Eine Lebensversicherung, die SG für einen der vermögenenden Kunden arrangiert hat, weist die Rekordsumme von 201 Millionen Dollar, also rund 145 Millionen Euro auf. Das ist Weltrekord. Zuvor belief sich die Höchstsumme einer solchen Police auf 100 Millionen Dollar, abgeschlossen von Hollywood-Milliardär David Geffen schon in den neunziger Jahren.

Der neue Vertrag aber spielt auch in anderer Hinsicht in einer eigenen Liga. Medienberichten zufolge hat Finanzberater Frances mit seinem Kunden mehrere Monate lang daran gebastelt. Insgesamt seien mehr als zwei Dutzend Assekuranzgesellschaften an dem Werk beteiligt, zitiert die US-Site "Business Insider" den SG-Chef. Denn ein Versicherer alleine könne eine solche Summe unmöglich stemmen.

Eine Frage jedoch beantwortet der Nobel-Versicherungsverkäufer nicht: Wer ist der Mann, der künftig jährlich einen einstelligen Millionen-Dollar-Betrag als Prämie zahlen wird?

Ist es Musk? Ist es Ellison? Ist es Zuckerberg?

Die Identität seines Kunden müsse geheim bleiben, wird Frances zitiert. Einerseits, um die Privatsphäre zu schützen, andererseits, um die Begünstigten der Police nicht auf falsche Ideen zu bringen. Nur so viel werde verraten, berichtet "Forbes": Eines der Motive für den Abschluss der gigantischen Police war offenbar der Wunsch, mögliche enorme Steuerzahlungen zu umgehen. Zudem handele es sich bei dem mysteriösen Milliardär um einen "allgemein bekannten Tech-Investor aus Kalifornien".

Das US-Magazin stellt allerdings auch fest: Damit ist der Kreis der Kandidaten nicht wirklich eingegrenzt. Allein 111 Milliardäre kennt dasfür seine Reichstenlisten bekannte Blatt in Kalifornien. 20 davon seien in San Francisco ansässig, dem Einzugsgebiet des weltbekannten Tech-Mekkas Silicon Valley.

Ist es also Oracle-Gründer Larry Ellison? Ist es Multi-Visionär und Tesla-Chef Elon Musk? Ist es Facebook-Frontmann Mark Zuckerberg?

In US-Medien wird fleißig spekuliert. Zum Beispiel in den "San Jose Mercury News", die schon aufgrund der lokalen Nähe zum Geschehen offenbar besonders wissbegierig zu Werke gehen.

Viel Erfolg hatte das Blatt dabei bislang allerdings auch nicht. SG-Chef Frances wolle nicht einmal das Alter des gesuchten Klienten preisgeben, heißt es in einem Bericht. Nur so viel: SG arbeite mit dem geheimnisvollen Unbekannten bereits seit vier oder fünf Jahren zusammen.

Milliardäre öffnen Massenmails

Also hat die Zeitung einige Recherchen angestellt, ins Blaue hinein, sozusagen. Der russische Milliardär und Facebook-Förderer Juri Milner, bekannt auch für die 100-Millionen-Dollar-Villa, die er sich 2011 in Los Altos Hills zulegte? Kein Kommentar von SG-Chef Frances.

Google-Chef Eric Schmidt, laut "Forbes" immerhin ebenfalls mehrere Milliarden Dollar schwer? Oder Palantir-Technologies-Mitgründer Joe Lonsdale? Ein Eintrag auf der LinkedIn-Seite von SG könnte in diese Richtung deuten - Frances reagiert aber ebenfalls zurückhaltend.

Keine Stellungnahme gab es zudem auf Anfragen von Elon Musk sowie Larry Ellison.

Wenn sich die Gretchenfrage also nicht beantworten lässt, rücken ansonsten nebensächliche Details in den Fokus. SG habe den Milliardenkunden einst über eine gewöhnliche Mailanfrage gewonnen, schreiben die "San Jose Mercury News". Und fragen sich: Wer hätte gedacht, dass kalifornische Tech-Milliardäre Massenmails öffnen?

cr

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