Sonntag, 16. Juni 2019

Solvency-II-Test Lebensversicherern fehlen 15 Milliarden Euro

Die Lebensversicherer müssen wegen der Niedrigzinsen künftig mehr Eigenmittel aufweisen

Einige Lebensversicherer haben offenbar ernsthafte Probleme, die neuen Kapitalanforderungen zu erfüllen. Träten die Regeln heute in Kraft, fehlte sogar jedem vierten Anbieter das Geld dazu, zeigt ein Test der Finanzaufsicht.

Hamburg - Die neuen Kapitalanforderungen unter dem Aufsichtsregime Solvency II bereiten den Lebensversicherern in Deutschland offenbar mehr Probleme als gedacht. Ohne die großzügigen Übergangsregeln hätte ein Viertel der Anbieter die Eigenmittelanforderungen zum Ende des vergangen Jahres nicht erfüllt. Diese Lebensversicherer stehen für ungefähr zehn Prozent Marktanteil.

Die Finanzaufsicht Bafin hat 87 Lebensversicherer zu ihrer Kapitallage unter Anwendung der neuen Regeln befragt und die Kernergebnisse am Mittwoch auf ihrer Internetseite veröffentlicht. Das Regelwerk, das den Kapitalbedarf der Versicherer stärker an die Risiken in ihrem Policenbestand ausrichtet, tritt 2016 in Kraft. Die Unternehmen haben aber Zeit bis zum Jahr 2032, das nötige zusätzliche Kapital aufzutreiben.

Das Problem: Kleinere Versicherer haben kaum Zugang zum Kapitalmarkt. Ihre Möglichkeiten, die Situation zu verbessern, sind auch begrenzt. Zum einen werden die Zinsen wohl noch lange niedrig bleiben. Gehen sie zum anderen größere Risiken in der Kapitalanlage ein, um mehr Erträge zu erwirtschaften und ihre Kapitaldecke aufzupolstern, müssen sie dafür eben mehr Eigenmittel zurücklegen.

Die Aufsicht erwartet, dass wegen der seit Ende 2013 weiter gefallenen Zinsen weitere Anbieter die schärferen Kapitalregeln zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht erfüllen können. Sie schätzt, dass den deutschen Lebensversicherern unter aktuellen Kapitalmarktbedingungen ohne die Übergangsfrist rund 15 Milliarden Euro an Eigenmitteln fehlen.

Die Behörde verweist aber zugleich darauf, dass dies eben auch nur eine Momentaufnahme ist. Gleichwohl mahnt Felix Hufeld, Chef der Versicherungsaufsicht: "Dauert die Niedrigzinsphase an, müssen die Lebensversicherer in der 16-jährigen Übergangsphase erhebliche Anstrengungen unternehmen, um ihre Kapitalbasis zu stärken." Den allermeisten Lebensversicherer traut die Bafin das offenbar zu.

Allerdings konnten "wenige Unternehmen" bereits eingedenk der großzügigen Übergangsregeln die Anforderungen nicht erfüllen, teilte die Bafin weiter mit. Ihren Marktanteil gibt die Finanzaufsicht mit etwa 1 Prozent an. Die Bafin werde mit diesen Anbietern "umgehend die nötigen Schritte" einleiten.

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