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Fragiles Fundament: Diese sechs Unternehmen stützen die Kurse - noch

Foto: Spencer Platt/ Getty Images

Warnsignal an den Märkten Die letzten Säulen des Börsenaufschwungs wanken

In den USA naht die erste Zinserhöhung seit neun Jahren. Zugleich wanken die Kurse der wenigen Börsenstars, die den Kursaufschwung überhaupt noch tragen. Das ist ein schlechtes Zeichen.
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Fragiles Fundament: Diese sechs Unternehmen stützen die Kurse - noch

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Kaufen, was jeder kauft: Die Strategie ist wenig originell, war aber zuletzt sehr erfolgreich. Wer zu Jahresbeginn auf Börsen-Allstars gesetzt hat, die seit langem in aller Munde sind, hat die marktbreiten Indizes weit hinter sich gelassen. Seit Anfang Januar haben die Schwergewichte Amazon (plus 70 Prozent), Google (plus 27 Prozent), Facebook (plus 22 Prozent), Apple (plus 4 Prozent), Walt Disney (plus 15 Prozent) und der Pharmariese Gilead Science (plus 22 Prozent) deutlich stärker zugelegt als der marktbreite US-Index S&P 500 (plus 1,2 Prozent). Doch so erfreulich die Entwicklung dieser 6 Börsenchampions auch ist, so gefährlich ist sie auch.

Ein Blick auf diese 6 Börsenstars offenbart eine höchst ungesunde Mischung am Aktienmarkt. Nach Berechnungen des US-Handelshauses Jones Trading haben allein diese sechs Unternehmen seit Jahresbeginn mehr als 200 Milliarden Dollar an Marktkapitalisierung gewonnen. Das ist mehr als die gesamten Zugewinne im S&P 500 Index, wie das Wall Street Journal berichtet .

Mit anderen Worten: Der jüngste Börsenaufschwung in den USA wurde ausschließlich von den 6 Säulen Amazon, Google, Facebook, Apple, Walt Disney und Gilead getragen - während die übrigen 496 Unternehmen im S&P 500 zusammengenommen an Wert verloren haben.

Das bedeutet: Während die sechs Säulenheiligen noch glänzend dastehen, ist der breite Markt bereits auf Abwärtskurs. Nur noch sechs Unternehmen schaffen es, die Hoffnungen der Anleger auf immer neue Kurssteigerungen zu erfüllen. Und selbst bei den sechs Säulen zeigen sich erste Risse, wie die Ereignisse dieser Woche zeigen.

Apple, Disney, Amazon - Erinnerungen an 2007


• Beispiel Apple  : Der Anlegerliebling Nummer 1 ist in dieser Woche um rund 8 Prozent eingebrochen. Probleme in China und Zweifel an der künftigen Innovationskraft des iPhone-Konzerns lassen bei Investoren Zweifel aufkommen, ob die Aktie ihren jüngsten Rekordlauf fortsetzen kann. Erstmals seit 2013 sendete die Aktie in dieser Woche auch ein charttechnisches Verkaufssignal.

• Beispiel Disney : Das Papier des Medienriesen brach auf Wochensicht (Stand Freitag Nachmittag) um knapp 9 Prozent ein. Disney hatte nach einem Rekordergebnis die Erwartungen für seine Kabelnetz-Sparte zurückgeschraubt. Der Hinweis auf sinkende Abonnentenzahlen beim US-Sport-Bezahlsender ESPN sorgte für eine Verkaufswelle.

• Beispiel Amazon : Die Aktie des weltgrößten Online-Kaufhauses hat seit Mitte Juli rund 25 Prozent zugelegt und ein Rekordhoch von 537 Dollar erreicht - doch der Triumphator Jeff Bezos macht Kasse. Just in dieser Woche verkündete der Amazon-Chef, er habe für eine halbe Milliarde Dollar Aktien verkauft. Zwar sei dies Teil eines "langfristigen Verkaufsplans", doch kommen Verkäufe des Topmanagements bei Anlegern selten gut an. Am Donnerstag verlor die Amazon-Aktie fast zwei Prozent.

Auch Gilead , Facebook  und Google  verzeichneten an diesem Donnerstag Rücksetzer - an dem Tag, als der US-Leitindex Dow Jones auf ein Sechsmonatstief fiel. Solche Tagesverluste gehören zum Börsengeschäft - doch zumindest die Wochenbilanz von Apple und Disney zeigt, dass einige der wenigen verbleibenden Säulen ins Wanken geraten und Investoren zunehmend nervös werden.

Ein ähnliches Szenario gab es bereits im Herbst 2007: Nur noch wenige Schwergewichte trugen die Indizes auf immer neue Rekordstände, berichtet das Wall Street Journal . Dann folgte der Absturz, in den USA wie in Europa.

Für den Dax  bedeutet das turbulente Zeiten, denn der deutsche Leitindex orientiert sich stark an der Entwicklung der US-Börsen. Derzeit diskutieren Börsianer in Europa und USA vor allem darüber, ob die erste Zinserhöhung in den USA seit Juni 2006 nun wie erwartet im September oder doch erst etwas später kommt. Die vergleichsweise robusten Daten vom US-Arbeitsmarkt in dieser Woche deuten eher auf eine Zinserhöhung bereits im September hin.

Das Ende des extrem billigen Geldes könnte die Kurse belasten, heißt es. Und während alle Welt auf die erste Zinserhöhung wartet, beginnen auch die Kurse der wenigen verbleibenden Börsen-Superstars zu bröckeln. Der Herbst dürfte rau werden.

Übersicht: Diese sechs Unternehmen stützen die Kurse - noch

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