Mittwoch, 24. Juli 2019

Kunstberater Erst Albrecht, dann Boehringer: Achenbach räumt krumme Geschäfte ein

Helge Achenbach: Der Kunstberater muss sich vor dem Landgericht Essen verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Millionenbetrug vor

Manipulierte Rechnungen, verdeckte Aufschläge: Der wegen Betruges angeklagte Kunstberater Helge Achenbach hat vor dem Essener Landgericht krumme Geschäfte eingeräumt. Diese betrafen den Aldi-Erben Berthold Albrecht ebenso wie den Pharma-Unternehmer Christian Boehringer.

Essen - Schon zu Beginn des Prozesses im Dezember hatte der 62-Jährige Achenbach eine Reihe nachträglich verteuerter Kunst- und Oldtimerverkäufe an den 2012 verstorbenen Aldi-Erben Berthold Albrecht zugegeben. Am Montag räumte Achenbach nun auch Geschäfte in ungerechtfertigter Höhe mit dem Pharma-Unternehmer Christian Boehringer ein.

"Ich stehe zu meiner Verantwortung", sagte er. "Ich wusste immer, dass ich das nicht hätte tun dürfen."

Die Geschäfte mit Boehringer wurden über die 2011 gegründete Beratungsfirma Berenberg Art Advice getätigt, deren Geschäftsführer Achenbach war. Nach seinen Angaben hatten sich die wirtschaftlichen Planungen der Firma von Anfang an als viel zu optimistisch erwiesen. Daher habe er sich irgendwann dazu entschlossen, bei Kunstverkäufen an Boehringer nicht nur, wie vereinbart, den Einkaufspreis zuzüglich einer Provision, sondern höhere Beträge in Rechnung zu stellen.

Mitgeschäftsführer weist Fehlverhalten von sich

Mit stockender Stimme versuchte der seit über sechs Monaten in Untersuchungshaft sitzende Angeklagte sein Verhalten zu erklären: "Ich kann schlecht Nein sagen. Ich tendiere dazu, es vielen recht zu machen. Das hat mich auf den falschen Weg gebracht." Christian Boehringer habe den zu viel gezahlten Betrag von etwas mehr als einer Million Euro allerdings inzwischen wieder zurückbekommen.

Während Achenbach die Vorwürfe im Zusammenhang mit der Firma Berenberg Art Advice einräumte, beteuerte sein ebenfalls angeklagter damaliger Mitgeschäftsführer Stefan H. seine Unschuld. Der 49-Jährige will von den zu Unrecht verteuerten Rechnungen erst später erfahren haben. Er habe "zu keiner Zeit mit Herrn Achenbach gemeinsam rechtswidrig gehandelt".

Achenbach schilderte dagegen, sein früherer Mitgeschäftsführer sei an den durch die verdeckten Aufschläge erzielten Mehreinnahmen sogar beteiligt worden. "Ich schlug vor, zu teilen. Er hat sich nicht dagegen gestellt", sagte der prominente Kunstberater. Stefan H. konterte jedoch: "Diese Aussage ist nicht richtig. Da trügt ihn seine Erinnerung."

la/dpa

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