Mittwoch, 13. November 2019

Private-Equity-Firma mit Rekordfonds Viel Spielgeld für KKR - und Ex-Springer-Manager Wiele

Schriftzug an KKR-Niederlassung: Die Private-Equity-Firma bleibt in Europa auf Einkaufstour.

Der Private-Equity-Investor KKR bleibt auf Einkaufstour in Europa - mit prall gefüllter Kasse: Wie die "Financial Times" berichtet, schließt KKR gegenwärtig seinen bisher größten Fonds für Investments auf dem Kontinent. Das Investmentvehikel komme auf ein Gesamtvolumen von 5,8 Milliarden Euro, so die Zeitung. Geplant waren ursprünglich fünf Milliarden. Die Geschwindigkeit, mit der Investoren ihr Geld zur Verfügung stellten, dokumentiere den Appetit der Branche auf Deals in Europa, schreibt die "FT".

"KKR investiert seit über zwanzig Jahren in Europa und unsere Position ist heute stärker als jemals zuvor", sagt dazu Johannes Huth, Partner und EMEA-Chef von KKR. "Auch bei unserem fünften Europa-Fonds werden wir unserem differenzierten Ansatz treu bleiben: Wir bringen unsere lokale Expertise mit den Erfahrungen unserer Branchenteams zusammen, um Investitionsmöglichkeiten zu identifizieren und dabei flexibel auf die Kapitalbedürfnisse der Unternehmen eingehen zu können."

Gute Nachrichten dürften das auch für Andreas Wiele sein, den langjährigen Manager beim Medienkonzern Axel Springer. Wiele kehrt dem Medienhaus nach fast 20 Jahren den Rücken und will künftig unter anderem KKR beraten. Der 57-Jährige werde Mitglied im weltweiten KKR Senior Advisory Board, so eine Mitteilung vor wenigen Tagen. Demnach wird Wiele den US-Finanzinvestor in Zukunft in der Technologie-, Medien- und Telekommunikationsbranche global sowie branchenübergreifend in Deutschland unterstützen. Zudem wolle er sich als Unternehmensgründer und Investor etablieren.

KKR steigt gegenwärtig mit rund 2,9 Milliarden Euro bei Axel Springer ein - Geld, das laut "FT" zumindest zum Teil bereits aus dem neuen Rekordfonds des Hauses stammt. 30 Prozent der gesamten Fondsgelder sind dem Bericht zufolge bereits für Transaktionen verplant. Darunter befinden sich neben dem Axel-Springer-Einstieg der Kauf des Zahlungsdienstleisters Heidelpay für mehr als 600 Millionen Euro sowie ein 50-Prozent-Anteil an der Finanzfirma Söderberg & Partners, den KKR bereits Anfang des Jahres unter Dach und Fach brachte.

Generell zielt der neue KKR-Fonds auf Unternehmen in Westeuropa mit einem Wert zwischen 500 Millionen und zwei Milliarden Euro ab, so die "FT". Dabei stehen die Branchen Gesundheit, Finanzdienstleistungen und Einzelhandel im Fokus. KKR sei sowohl an Mehrheits- als auch an Minderheitsbeteiligungen interessiert, heißt es weiter.

Dabei steht Deutschland offenbar in besonderem Fokus. "KKR hat in seiner 43-jährigen Geschichte weltweit mehr als 360 Private-Equity-Transaktionen erfolgreich umgesetzt und dabei 88 Milliarden Dollar investiert", so Christian Ollig, Managing Director und Deutschlandchef von KKR. "Deutschland war dabei eines der wichtigsten Länder für KKR - und genau das planen wir auch für die Zukunft."

Der Zeitpunkt des Fundraisings kommt indes womöglich nicht von ungefähr. Die Aktienmärkte boomen, die Unternehmensbewertungen befinden sich auf einem hohen Niveau. Sollte der Wind an den Märkten in nächster Zeit drehen, wollen Private-Equity-Investoren zum Zugriff bereit sein. KKR-Wettbewerber Carlyle beispielsweise schloss kürzlich einen Fonds mit einem Volumen von 6,4 Milliarden Euro. Das war eine Milliarde mehr als ursprünglich geplant.

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