Sonntag, 15. September 2019

Starinvestor Jim Rogers "Amerika schießt sich selbst in den Fuß"

FDV / wikipedia

US-Starinvestor Jim Rogers hat den amerikanischen Präsidenten Donald Trump bereits kritisiert, da war dieser noch nicht einmal ins Weiße Haus eingezogen. "Wenn Herr Trump tut, was er angekündigt hat", so Rogers beispielsweise in einem Interview im Sommer 2016 während des US-Präsidentschaftswahlkampfes, "dann bedeutet das Bankrott und Krieg. Ich meine Handelskrieg." Seither hat der Investor wiederholt vor den Folgen der Trumpschen Handelspolitik gewarnt. "Es wird schlimmer als ein Desaster", prophezeite Rogers etwa im Frühjahr dieses Jahres in Moskau.

Die Äußerungen, die Rogers (76) in einem Conference-Call mit Investoren aus aller Welt am Donnerstag machte, passen insofern gut ins Bild - und sie zeigen zugleich auf, wie Geldanleger womöglich von den Spannungen zwischen den USA und Ländern wie China oder Russland profitieren können.

Rogers, der bereits 1970 gemeinsam mit George Soros den berühmten Quantum-Hedgefonds gründete und sich seither weltweit einen Namen vor allem als Rohstoffexperte gemacht hat, machte insbesondere auf den Sektor der Agrarrohstoffe aufmerksam. Diese haben seinen Angaben zufolge in den vergangenen 20 Jahren einen regelrechten Niedergang erlebt und schnitten Indexvergleichen zufolge schlechter ab als alle anderen Bereiche des Rohstoff-Universums, inklusive beispielsweise der Felder Energie oder Metalle.

Sollten, wie sich derzeit abzeichnet, die Aktienmärkte nach ihrem Boom der vergangenen Jahre nun in eine Schwächephase eintreten, so erwartet Investor Rogers ein Umschichten von Investorengeldern zum Beispiel in den Rohstoffbereich. Insbesondere der Agrarsektor, so seine Ansicht, könnte dann ein Comeback erleben.

Den Link zur Politik Donald Trumps findet Rogers in dem Zusammenhang beim Blick auf Russland. In Anspielung auf Trumps Slogan "Make America Great Again" sagte der Investor im von den Finanzhäusern China Post Global und NTree organisierten Investoren-Call, der US-Präsident mache mit seinen Russland-Sanktionen die dortige Landwirtschaft wieder stark ("great again"). Denn weil Russland die Einfuhr vieler Agrarerzeugnisse verwehrt sei, sei das Land auf die Eigenproduktion angewiesen, so Rogers. Die Landwirtschaft dort laufe also wieder auf Hochtouren, und die Verantwortlichen in den russischen Landwirtschaftsbetrieben dankten Trump dafür täglich, sagte der Investor.

Ebenso stärke die Isolation Russlands vom Westen die Bande des Landes mit China. Man sehe derzeit so viele Chinesen in Moskau wie nie zuvor, sagte Rogers, der aus Singapur zugeschaltet an der Telefonkonferenz teilnahm. Der Handel zwischen beiden Ländern habe in den vergangenen Jahren enorm zugenommen.

Der Knackpunkt laut Rogers: Diese Entwicklungen werden sich seiner Ansicht nach kaum zurückschrauben lassen, sollten die Russland-Sanktionen oder der US-chinesische Handelskrieg einmal enden. "Die russischen Bauern werden sich dann nicht an den Strand legen und nichts tun", so der Investment-Altmeister. "Sie werden weitermachen und Geld verdienen."

"Amerika", so Rogers wörtlich, "schießt sich mit seiner Politik daher selbst in den Fuß."

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