Donnerstag, 27. Juni 2019

Renditen für Anleihen schnellen hoch - Italiens Schuldendienst wird teurer "Der schnellste Richter über Italiens Haushalt ist die Börse"

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Bild: REUTERS

Die jüngste Zuspitzung im Haushaltsstreit Italiens mit der Europäischen Union (EU) hat die Finanzmärkte des Landes am Mittwoch unter Druck gesetzt. Sowohl bei Staatsanleihen als auch bei italienischen Aktien gab es im frühen Handel deutliche Kursverluste. Auch die anderen europäischen Indizes gaben nach, der Dax Börsen-Chart zeigen verlor im frühen Handel rund 1 Prozent an Wert.

Während es mit den Kursen italienischer Staatspapiere nach unten ging, legten die Renditen im Gegenzug kräftig zu. Das heißt, Investoren stoßen die Staatspapiere ab, der italienische Staat wiederum muss höhere Zinsen an Anleger zahlen. Der Schuldendienst Italiens verteuert sich damit.

"Der schnellste Richter über den italienischen Haushalt ist nicht die EU, sondern die Börse. An den Kreditaufschlägen für Italien ist abzulesen, was die Anleger vom Vorgehen Roms halten", kommentierte dies Portfoliomanager Thomas Altmann von QC Partners.

Rendite für italienische Staatsanleihen steigt auf 3,5 Prozent

In Erklärungsnot: Luigi Di Maio, stellvertretender Ministerpräsident von Italien

Bei einer Laufzeit von zehn Jahren stieg die Rendite im Vormittagshandel um 0,08 Prozentpunkte auf 3,52 Prozent. Sie näherte sich wieder dem höchsten Stand seit 2014, der Mitte Oktober bei 3,8 Prozent erreicht worden war.

Nach Ansicht von Ökonomen kann sich Italien bei Renditen von 4 Prozent den Schuldendienst nicht mehr leisten - dann droht der Staatsbankrott.

Zum Vergleich: Deutsche Titel mit ähnlicher Laufzeit rentierten am Mittwoch mit 0,38 Prozent. Damit stieg auch der Risikoaufschlag für italienische Anleihen (Spread) zu deutschen Bundesanleihen. Er lag zuletzt bei 3,14 Punkten. Hier kommt der im Oktober erreichte Höchststand seit dem Jahr 2013 von 3,26 Punkten ebenfalls in Reichweite.

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Italiens Innenminister Matteo Salvini hatte sich am Morgen unbeeindruckt von möglichen Strafmaßnahmen durch die EU gezeigt. Zuvor hatte Vize-Premierminister Luigi Di Maio nach einer Kabinettssitzung erklärt, dass die Haushaltspläne der Regierung nicht geändert werden.

Die EU-Kommission hatte in einem historisch einmaligen Vorgang den Haushaltsentwurf der Regierung in Rom abgelehnt und um Überarbeitung gebeten.

Die Entwicklung sorgte auch an der Aktienbörse in Mailand für eine nervöse Stimmung. Der italienische Leitindex FTSE MIB verlor am Mittwochvormittag 1,83 Prozent. Zu den Verlieren zählten dabei unter anderem italienische Banken.

la/dpa/reuters

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