Gabelstaplerhersteller Kions holpriger Börsenstart lässt chinesischen Investor kalt

Der holprige Börsenstart des Gabelstaplerherstellers Kion bringt den chinesischen Großinvestor Weichai Power nicht aus der Ruhe. Dagegen muss sich die Wohnungsgesellschaft Deutsche Annington, die in wenigen Tagen ebenfalls an die Börse will, auf ein nervöses Umfeld einstellen.
Gabelstapler der Kion-Gruppe: Der neue chinesische Großaktionär Weichai Power hat im Zuge des Börsengangs seinen Anteil aufgestockt

Gabelstapler der Kion-Gruppe: Der neue chinesische Großaktionär Weichai Power hat im Zuge des Börsengangs seinen Anteil aufgestockt

Foto: DPA/ Kion Group

Frankfurt am Main - Mit der Aktie des größten europäischen Gabelstaplerherstellers Kion  war zur Börsenpremiere kein schneller Euro zu verdienen. Das Papier startete am Freitag mit 24,19 Euro zwar leicht über dem Ausgabepreis von 24 Euro, der Kurs bröckelte dann aber schnell bis auf 23,70 Euro ab. Dabei hatte der Ausgabepreis schon am unteren Ende der Preisspanne gelegen.

"Wir hätten uns keine schlechtere Woche in diesem Jahr aussuchen können", sagte Johannes Huth, der Deutschland-Chef des Kion-Miteigentümers KKR, mit Blick auf die Marktturbulenzen, die in die Zeichnungsfrist für die Aktie fielen. Bei Kion-Chef Gordon Riske, der die Börsenglocke auf dem Frankfurter Parkett läuterte, überwog dagegen die Erleichterung: "Es ist passiert. Der Start ist gelungen."

Die Finanzinvestoren KKR  und Goldman Sachs  konnten die Kursentwicklung gelassen sehen. Sie haben beim Börsengang kaum Aktien verkauft und halten immer noch 50 Prozent der Anteile. In den kommenden sechs Monaten dürfen sie keine Aktien verkaufen.

Großaktionär Weichai Power stockt Anteil an Kion auf

Der neue chinesische Großaktionär Weichai Power hat seinen Anteil sogar für 328 Millionen Euro auf 30 Prozent aufgestockt. KKR-Chef Huth hofft auf Kurssteigerungen: "Die Aktie ist mit 24 Euro drastisch unterbewertet", sagte er Reuters. Das Papier sei damit niedriger bewertet als der deutlich kleinere Rivale Jungheinrich .

Kion-Vorstandschef Riske kletterte auf einen roten Linde-Gabelstapler, der auf dem Börsenparkett parkte. "Es ist eine neue Zeit", sagte er. "Wir haben mit der neuen Kapitalstruktur viel mehr Freiheit." Das Wiesbadener Unternehmen selbst nimmt - einschließlich der Aufstockung durch Weichai - 732 Millionen Euro ein, die zum Schuldenabbau verwendet werden sollen.

Die starken Ausschläge an den Börsen hatten Bankern zufolge vor allem Hedgefonds nervös gemacht, die zuletzt bis zur Hälfte des Volumens von Neuemissionen aufgesogen hatten. Bei Kion seien zwei Drittel der Aktien an langfristige Anleger gegangen, sagte ein in den Börsengang involvierter Banker. Insgesamt sei die Emission mehr als zweifach überzeichnet gewesen. Deutlich mehr Aktien als gewöhnlich gingen an deutsche Investoren - mehr als ein Drittel. Bei jüngsten Börsengängen waren teilweise weniger als zehn Prozent der Aktien im Inland geblieben.

Zweites öffentliches IPO nach LEG Immobilien

Kion ist in diesem Jahr erst der zweite Börsengang in Deutschland nach LEG Immobilien, bei dem Aktien öffentlich platziert werden. Der Chemiekonzern Evonik  hatte seine Anteile nur an einen ausgewählten Kreis von Großinvestoren ausgegeben.

Der Medienkonzern Bertelsmann platzierte 17 Prozent seiner Fernsehtochter RTL in einem börsengangs-ähnlichen Verfahren. Siemens  verschenkt 81 Prozent an seiner Tochter Osram an die eigenen Aktionäre, die Aktie soll am 8. Juli ihr Börsendebüt feiern.

Gelassenheit bei Deutscher Annington

Schon am kommenden Mittwoch will der Wohnimmobilienkonzern Deutsche Annington den Sprung an die Börse schaffen. Noch warten Investoren auf das Signal, dass das Buch wenigstens einmal gefüllt ist. "Wenn das nicht bald kommt, wird es schwer", sagte ein Banker. Erfolgreiche Börsengänge setzen in der Regel eine zweifache Überzeichnung voraus.

Der Annington-Eigentümer Terra Firma gibt sich gelassen: Angesichts der Resonanz möglicher Investoren gebe es keinen Grund, über eine Senkung der Preisspanne nachzudenken, hieß es im Umfeld des Finanzinvestors. Die Aktien können noch bis Dienstag in einer Spanne von 18 bis 21 Euro gezeichnet werden.

la/reuters