Freitag, 6. Dezember 2019

Analyse zu "Kickback"-Zahlungen So schaden verdeckte Provisionen der Fonds-Rendite

Investmentziel Börse: Wer auch auf die Kosten achtet, erzielt oft bessere Anlageergebnisse.

Das Ergebnis dieser Analyse ist zwar nicht überraschend, aber dennoch eindrucksvoll: Investmentfonds aus Ländern, in denen es keine verdeckten Vertriebsprovisionen (sogenannte Kickbacks) gibt, performen besser als der Durchschnitt. Das hat die Ratingagentur Morningstar herausgefunden.

Morningstar hat das gesamte von ihr beobachtete Fondsuniversum mit Blick auf die Länder, in denen die Investmentprodukte aufgelegt wurden, analysiert. Ergebnis: Die besten Fonds nach Morningstar-Rating kommen aus den Niederlanden, Finnland, der Schweiz, Dänemark und Schweden. Am unteren Ende des Rankings dagegen rangieren Portugal, Spanien und Liechtenstein.

Für Morningstar ist der Grund für das gute Abschneiden der Schweiz, der Niederlande sowie der nordischen Länder klar: In diesen Ländern spielen Kickbacks im Fondsvertrieb keine oder nur eine untergeordnete Rolle, heißt es auf der Website der Ratingagentur. In den Niederlanden sind die unauffälligen Rückvergütungen, die Investmentgesellschaften an Vertriebspartner wie Banken, Sparkassen oder andere Finanzdienstleister zahlen, sogar komplett verboten. Auch in der Schweiz sind Kickbacks kaum noch vorzufinden, so Morningstar.

Christoph Rottwilm auf Twitter

Hintergrund: Bei Kickbacks handelt es sich um Vertriebsprovisionen, die gegenüber dem Investor nicht deutlich als solche ausgewiesen werden. Die Gelder verbergen sich vielmehr im eigentlichen Anlagebetrag und werden erst später von der Fondsgesellschaft an deren Vertriebspartner zurücküberwiesen. Weil diese Vergütungspraxis intransparent ist - der Investor hat in der Regel keine Kenntnis von den Zahlungen - haben sich damit bereits Gerichte beschäftigt. Laut Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs müssen Finanzinstitute wie beispielsweise Banken in Deutschland Kickback-Zahlungen gegenüber Anlegern offenlegen. Unterbleibt dies, haben Investoren die Chance auf Schadensersatz, so das oberste Gericht.

Für die Experten von Morningstar liegt der Fall klar: Werden Vertriebskosten von den Produktkosten getrennt, dann schneiden die fraglichen Investmentprodukte besser ab als die "mit Kickbacks belasteten Fonds", heißt es auf der Website. Die Folge sei eine überdurchschnittliche Performance.

Die fehlenden Kickbacks sind allerdings nicht der einzige Vorteil der besagten Länder. Laut Morningstar gibt es dort zugleich eine ausgeprägte Indexfonds-Tradition. Weil Indexfonds ebenfalls über günstige Kostenstrukturen verfügen, verhilft auch dies den Niederlanden oder der Schweiz zu einem guten Abschneiden, so die Ratingagentur.

Länder mit teuren Fonds und ohne Indexfonds-Tradition dagegen schneiden schwächer ab. Dabei handelt es sich zum Beispiel um die genannten Ranking-Schlusslichter Portugal und Spanien sowie Österreich oder Italien, so die Experten.

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