Dienstag, 23. April 2019

Vermögensverwaltung Fondsmanager vergeigen ihre privaten Finanzen

Börsianer an der New York Stock Exchange: Finanzprofis sind nicht unbedingt die besseren privaten Investoren

Manager von Investmentfonds haben es schwer: Dauernd wird ihnen vorgehalten, sie könnten ihre Vergleichsindizes nicht schlagen, seien also ihr Geld nicht wert. Jetzt zeigt eine Studie über schwedische Fondsmanager auch noch: Privat sind die Investmentprofis in Gelddingen auch nicht sehr erfolgreich.

Hamburg - Die Frage, ob Manager von Investmentfonds ihr Geld wert sind, wird seit langem heiß diskutiert. Schließlich konkurrieren sie immer stärker mit passiv agierenden Indexfonds, die für Anleger deutlich kostengünstiger zu haben sind.

Nicht nur die geringeren Kosten sprechen für die passiven Exchange Traded Funds (ETFs): Auch die Performance der meisten aktiv gemanagten Investmentvehikel nach Kosten lässt zu wünschen übrig. Es gibt reihenweise Studien, die zeigen, dass nur wenige Manager in der Lage sind, ihren Vergleichindex zu schlagen. Das Gros bleibt hinter dem Markt zurück - hinkt also auch nach Renditegesichtspunkten hinter den passiv gemanagten Fonds her.

Als wäre das noch nicht genug, lässt eine neue Studie die Fondsmanager zusätzlich alt aussehen. Erstellt wurde sie von zwei Wissenschaftlern der Universität von Notre Dame sowie der Michigan State Universität, beide in den USA.

Die Frage, der die beiden nachgingen, lautet: Wie steht es eigentlich um die privaten Finanzen der Fondsmanager? Wenn die Investmentprofis schon kaum in der Lage sind, ihr Dienstportfolio in Schuss zu halten, gelingt ihnen das dann zumindest mit ihrem eigenen Geld?

"Nur sehr wenige Manager, die talentiert sind"

Das Ergebnis fiel aus Sicht der Fondsmanager ernüchternd aus: "Wir finden keinen Hinweis, dass Finanzexperten bessere Investmententscheidungen treffen als andere Anleger", schreiben die Autoren der Studie in ihrer Zusammenfassung. Demnach gelingt den Fondsmanagern im Privatleben keine Outperformance. Sie streuen ihre Risiken auch nicht besser als andere. Und sie machen die gleichen psychologischen Fehler wie der Rest der Geld anlegenden Bevölkerung.

Das Fazit der Studienautoren fällt daher ernüchternd aus: Die Ergebnisse, so schreiben sie, legen den Schluss nahe, dass der Wert finanzieller Expertise bei Investments begrenzt ist.

Beispiel Schweden - Ergebnisse dürften anderswo ähnlich ausfallen

Die Studie ist nach Angaben der US-Zeitschrift "The Atlantic" die erste dieser Art. Die Fähigkeiten von Investmentprofis, das private Aktiendepot, die eigenen Immobilienanlagen sowie sonstige persönliche Vermögensfragen zu managen, wurde zuvor noch nicht wissenschaftlich beleuchtet, schreibt die Zeitschrift. Zwar wurden für die genannte Untersuchung 84 Fondsmanager ausschließlich in Schweden beobachtet. Es dürfte jedoch nichts dagegen sprechen, die Ergebnisse auf andere Regionen zu übertragen.

"Ich bestreite nicht, dass es eine sehr kleine Zahl an Managern gibt, die sehr talentiert sind", zitiert "The Atlantic" einen der Studienautoren. "Aber es gibt nur sehr, sehr wenige dieser Superstars, und der durchschnittliche Anleger kann es sich vermutlich gar nicht leisten, mit ihnen zu investieren."

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