400 Millionen Euro Anlagevolumen Dresdener Finanzfirmen sollen 25.000 Anleger betrogen haben

Die Graumarkt-Razzia am Dienstag war offenbar größer als gedacht: Mehr als 400 Beamte durchsuchten in Deutschland und Österreich 30 Firmen. Sechs Personen wurden festgenommen. Der Vorwurf lautet auf Betrug von möglicherweise 25.000 Anlegern. Die Beschuldigten weisen das zurück.

Dresden - Die Bilder gleichen sich: Vornehme Häuser, davor Polizeiwagen sowie Beamte in Uniform und drinnen Durchsuchungen, Beschlagnahmungen und Festnahmen. So war es im Februar in Frankfurt, als die Behörden im Rahmen einer Großrazzia die Immobiliengruppe S&K hochnahmen, so ähnlich war es kürzlich in Hamburg beim Fondshaus Wölbern Invest, und so sah die Szenerie am gestrigen Dienstag auch in Dresden aus.

Dort knöpften sich Ermittler erneut ein Unternehmenskonglomerat des grauen Kapitalmarktes vor. Inzwischen hat die Staatsanwaltschaft Dresden genauere Angaben zu der Aktion gemacht - demnach handelt es sich offenbar um einen weitaus größeren Fall, als bislang angenommen.

Laut Mitteilung durchsuchten Beamte der Staatsanwaltschaft Dresden und des Landeskriminalamtes Sachsen am Dienstag in Dresden, Stuttgart, in der Nähe von Köln, Frankfurt, Traunstein sowie in Salzburg/Österreich die Geschäftsräume von rund 30 Firmen sowie die Privaträume der insgesamt acht Beschuldigten im Alter von 35 bis 55 Jahren. Sechs Beschuldigte sind deutscher, zwei Beschuldigte österreichischer Nationalität, so die Behörde.

Wie die Staatsanwaltschaft weiter mitteilt, wurden die sechs deutschen Beschuldigten im Alter von 44 bis 52 Jahren aufgrund bestehender Haftbefehle festgenommen.

25.000 Anleger und 400 Millionen Euro Anlagevolumen betroffen

Gegen die Beschuldigten werde als Verantwortliche einer in Dresden ansässigen Firmengruppe, welche sich mit dem Vertrieb von Finanzprodukten befasst, wegen Verdachts des Betruges zum Nachteil einer Vielzahl von Anlegern ermittelt. Medienberichten zufolge handelt es sich dabei um die Infinus-Gruppe sowie um die Future Business KG, die laut Firmenorganigramm als Mutter von Infinus fungiert.

Den Beschuldigten wirft die Staatsanwaltschaft vor, bei der Ausgabe von Orderschuldverschreibungen in Verkaufsprospekten unrichtige Angaben zur Vermögens- und Ertragslage der Emittenten gemacht zu haben. "Derzeit sollen ca. 25.000 Personen mit einem Anlagevolumen von insgesamt rund 400.000.000 Euro betroffen sein", schreiben die Staatsanwälte in ihrer Mitteilung.

Wie die Behörde weiter mitteilt, wurden bei den Durchsuchungen umfangreiche Unterlagen und Speichermedien sichergestellt, die nun ausgewertet werden müssen. Bei dem Einsatz waren insgesamt mehr als 400 Beamte im Einsatz.

Zuvor hatten Medien bereits über die Razzia berichtet. Vor einer Infinus-Villa am Vogesenweg im vornehmen Dresdener Stadtteil Blasewitz etwa blockierten gleich acht Abschleppwagen den Verkehr, schrieb die "Sächsische Zeitung" (SZ). Mehrere Firmenfahrzeuge seien beschlagnahmt und Kartons, Aktenordner und Computer sichergestellt worden.

Infinus gibt sich überrascht

Infinus hat die Vorwürfe bereits in einer Mitteilung zurückgewiesen. Eine Sprecherin der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) wollte auf Anfrage keinen Kommentar abgeben. Die Bafin soll ebenfalls an der Aktion beteiligt gewesen sein. Eine der Infinus Töchter, das Infinus AG Finanzdienstleistungsinstitut, verfügt laut Bafin über verschiedene Zulassungen der Behörde.

Zum Hintergrund: Eigenen Angaben zufolge hat die Infinus-Gruppe seit ihrer Gründung im Jahr 2002 mehr als 800 Millionen Euro bei Privatinvestoren eingesammelt. Medienberichten zufolge zählt das Unternehmen bereits bis zu 30.000 Anleger zu seinen Kunden.

Zum Vergleich: Bei der Frankfurter S&K-Gruppe, deren Fall seit der Razzia im Februar publik ist, liegen insgesamt rund 105 Millionen Euro von Privatanlegern im Feuer. Im Falle Wölbern Invest wird dem Ende September verhafteten Firmeninhaber und Chef Heinrich Maria Schulte vorgeworfen, insgesamt 137 Millionen Euro aus Immobilienfonds des Hauses zweckentfremdet zu haben, was Schulte allerdings abstreitet.

Infinus vertreibt offenbar vor allem Orderschuldverschreibungen, Genussrechte und geschlossene Fonds. Ein Großteil der Gelder dürfte in die Future Business KG geflossen sein, die auf ihrer Website ein Anlagevermögen von rund 630 Millionen Euro angibt sowie einen Bestand an Orderschuldverschreibungen sowie Genussrechten im Volumen von rund 600 Millionen Euro. Marktbeobachtern zufolge geht es bei den Vorwürfen der Staatsanwälte um eben diese Oderschuldverschreibungen und Genussrechte, die Infinus für Future Business vertreibt. Laut Future Business wird das Geld vor allem in Sachwerte wie Immobilien, Beteiligungen oder Edelmetalle gesteckt.

Der Mitteilung zufolge, die Infinus inzwischen verschickt hat, waren die Mitarbeiter dort "völlig überrascht", als Dienstag um zehn Uhr morgens an allen Standorten des Finanzdienstleisters Polizei und Staatsanwaltschaft vor der Tür standen. "Wir stehen diesen angeblichen Vorwürfen mehr als ratlos gegenüber", wird Vorstandsmitglied Kewan Kadkhodai zitiert. "Aus unserer Sicht sind die Vorwürfe haltlos und durch nichts zu begründen."

Laut Kadkhodai will das Unternehmen zu einer schnellen Aufklärung beitragen und mit den entsprechenden Stellen zusammenarbeiten. Ziel sei es, "sobald wie möglich wieder unsere normale Geschäftstätigkeit aufnehmen" zu können, sagt der Infinus-Vorstand.

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