Aufstiegs-Playoff zur Premier League Das 300-Millionen-Spiel

Es ist nur ein Aufstiegsspiel zur Premier League, doch für Huddersfield Town mit seinem deutschen Trainer David Wagner geht es um weit mehr: Knapp 300 Millionen Pfund könnte das Team im besten Falle bei einem Sieg verdienen.
Huddersfield-Coach David Wagner

Huddersfield-Coach David Wagner

Foto: Andrew Boyers/ REUTERS

Mit einem Sieg um knapp 300 Millionen Pfund reicher werden, wo kann man das erreichen? Im Champions-League-Finale? Im Endspiel des DFB-Pokal? Weit gefehlt! Solch hohe Summen können Fußballklubs in einem ganz anderen Spiel verdienen, abseits des hochklassigen Spitzenfußballs: Im Playoff-Finale um den Aufstieg in die Premier League.

Der britische "Telegraph" hat jüngst errechnet, dass sich der Aufsteiger in die höchste englische Spielklasse über bis zu 200 Millionen Pfund (237,5 Millionen Euro) freuen könnte, auch wenn der Klub direkt wieder absteigen sollte. Der "Independent" kam bei seinen Berechnungen sogar auf 290 Millionen Pfund  für die nächsten drei Jahre - sollte der Verein die erste Saison in der ersten Liga überstehen.

Die Summen errechnen sich vor allem aus den lukrativen Fernsehgeldern für die kommenden Jahre, die in der Premier League ausgeschüttet werden. Und im Falle eines Abstiegs bekäme der Klub sogenannte "Fallschirm-Zahlungen", also Geld, um die Folgen des Absturzes aus dem hochbezahlten Oberhaus zu mildern. Englische Medien bezeichnen das Spiel als "richest game in football".

"Wir sind nicht völlig blind"

Um den Aufstieg - und die Millionen - kämpfen in diesem Jahr die Zweitligisten Huddersfield Town und der FC Reading, Spielort dieser bedeutenden Partie ist das Wembley-Stadion. Trainer von Reading ist ein alter Bekannter: Jaap Stam, früherer niederländischer Nationalspieler und Star bei Manchester United.

Auch die Trainerbank bei Huddersfield ist interessant besetzt: Dort coacht seit 2015 der Deutschamerikaner David Wagner, der mit den fünf deutschen Profis in seinem Team, Christopher Schindler, Michael Hefele, Chris Löwe, Elias Kachunga und Collin Quaner, vor allem mit der Rolle als "Underdog" kokettiert, aber auch sagt: "Wir sind nicht völlig blind, sondern aus gutem Grund dabei."

Der ehemalige U23-Coach von Borussia Dortmund ist ein guter Freund von Jürgen Klopp. Wagner war Zimmerkollege des heutigen Liverpool-Trainers zu dessen Mainzer Profizeit und ist sein Trauzeuge, Klopp Taufpate einer von Wagners Töchtern. Beide sollen ähnlich über Fußball denken, auch im Auftreten gibt es Parallelen: Wagner coacht ähnlich aktiv und jubelt fast so ausgelassen. Er verstehe die Vergleiche,sagte Wagner dem "Kicker" : "Nichtsdestotrotz bin ich und bleibe ich mein eigener Typ und glaube, dass es sich irgendwann auch abnutzen wird."

In Huddersfield hat er mit Hilfe des Eigners Dean Hoyle, eines Grußkarten-Multimillionärs, eine Mannschaft aufgebaut, die mit dem sechstkleinsten Etat der Liga (16 Millionen Euro) als Fünfter in die Playoffs einzog. Für seinen Erfolg wird er in der 160.000-Einwohner-Stadt gefeiert, von der "Wagner Revolution" ist die Rede. Im Playoff-Halbfinale setzte sich Huddersfield im Elfmeterschießen gegen Sheffield Wednesday durch . Das Finale wird das 54. Pflichtspiel der Saison für das Team sein.

45 Jahre ist es her, dass Huddersfield in der höchsten englischen Spielklasse unterwegs war, dreimal war das Team bereits Meister (1924-1926). Im Wembleystadion soll nun am Montag (Anpfiff: 16 Uhr) die Rückkehr gelingen. "Wembley ist nach dem Maracanã in Rio vielleicht der größte Fußballtempel der Welt. Das Spiel wird nahezu ausverkauft werden", sagt Wagner dem Wiesbadener Tagblatt . Kein Wunder, bei solch einem Millionen-Spiel.

bka/sid
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