Sonntag, 21. April 2019

Aufstieg und Fall der HSH Nordbank "Wir waren besoffen vom Erfolg"

HSH Nordbank: Die Banker aus Hamburg und Schleswig Holstein wollten auch einmal das ganz große Rad drehen - inzwischen kann der "weltgrößte Schiffsfinanzierer" nur noch mit Milliardenhilfen überleben. Die EU hat nun entschieden: Findet sich kein Käufer, muss die Bank abgewickelt werden
HSH Nordbank
HSH Nordbank: Die Banker aus Hamburg und Schleswig Holstein wollten auch einmal das ganz große Rad drehen - inzwischen kann der "weltgrößte Schiffsfinanzierer" nur noch mit Milliardenhilfen überleben. Die EU hat nun entschieden: Findet sich kein Käufer, muss die Bank abgewickelt werden

"Wir waren besoffen vom Erfolg", sagte Schleswig-Holsteins frühere Ministerpräsidentin Heide Simonis (SPD, 1993-2005) einmal selbstkritisch im Rückblick auf die unrühmliche Geschichte der HSH Nordbank, die 2003 aus der Fusion der Landesbanken Hamburgs und Schleswig-Holsteins entstand. Über viele Jahre hatten die öffentlich-rechtlichen Geldinstitute unspektakulär, aber solide gewirtschaftet. Allein Schleswig-Holstein erhielt nach Angaben des Finanzministeriums seit den 1970er Jahren jedes Jahr einstellige Millionenzahlungen aus den Gewinnen für den Landeshaushalt.

Als private Aktiengesellschaft sollte die HSH Nordbank mit Dependancen etwa in London, Hongkong, Luxemburg und New York auf den internationalen Finanzmärkten kräftig mitmischen und deutlich ihre Gewinne erhöhen. Das klappte bis 2008 auch recht gut, allein in den Jahren 2006 bis 2008 flossen aus den Gewinnen insgesamt mehr als 100 Millionen Euro in den Landeshaushalt.

Nach der Pleite der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers 2008 geriet im Zuge der internationalen Finanzkrise und der Schifffahrtskrise aber auch die HSH Nordbank immer mehr unter Druck. Schließlich war die HSH Nordbank der größte Schiffsfinanzierer der Welt, wie das Unternehmen früher noch stolz hervorhob.

Weltgrößter Schiffsfinanzierer kann nur mit Milliardenhilfen überleben

Nur mit mehreren Milliarden Euro Finanzspritzen und zehn Milliarden Euro Bürgschaften der Hauptanteilseigner Hamburg und Schleswig-Holstein konnte die HSH Nordbank überleben. Der Vorstandschef musste gehen, die EU schränkte die Geschäftsfelder ein, die Bilanzsumme sank drastisch und die Zahl der Mitarbeiter schrumpfte kräftig.

Wie konnte das passieren? Mit den traditionellen Aufgaben einer Landesbank hatte das Spekulieren auf den internationalen Finanzmärkten nichts mehr zu tun. Die Vorläufer der Landesbanken im 19. Jahrhundert sollten primär Gemeinden Geld leihen, damit diese ihre Aufgaben meistern konnten. In den 1930er Jahren entstanden Landesbanken als Anstalt des öffentlichen Rechts.

Nach dem Zweiten Weltkrieg erfüllten die Landesbanken ihre klassische Aufgabe als Girozentralen; sie wickelten den Zahlungsverkehr zwischen den Sparkassen ab und unterstützten sie, wenn ein Geschäft in der Region für sie allein zu groß war. "Dann kam die Staatsbankenfunktion dazu, die Landesbanken dienten als Hausbanken der Länder und wickelten deren Geschäfte ab", erklärt der Kieler Rechtsprofessor Florian Becker. "Das war noch unproblematisch."

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