Aufstieg und Fall der HSH Nordbank "Wir waren besoffen vom Erfolg"

HSH Nordbank: Die Banker aus Hamburg und Schleswig Holstein wollten auch einmal das ganz große Rad drehen - inzwischen kann der "weltgrößte Schiffsfinanzierer" nur noch mit Milliardenhilfen überleben. Die EU hat nun entschieden: Findet sich kein Käufer, muss die Bank abgewickelt werden

HSH Nordbank: Die Banker aus Hamburg und Schleswig Holstein wollten auch einmal das ganz große Rad drehen - inzwischen kann der "weltgrößte Schiffsfinanzierer" nur noch mit Milliardenhilfen überleben. Die EU hat nun entschieden: Findet sich kein Käufer, muss die Bank abgewickelt werden

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Blamiert, saniert, liquidiert: Das Schicksal der Landesbanken

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"Wir waren besoffen vom Erfolg", sagte Schleswig-Holsteins frühere Ministerpräsidentin Heide Simonis (SPD, 1993-2005) einmal selbstkritisch im Rückblick auf die unrühmliche Geschichte der HSH Nordbank, die 2003 aus der Fusion der Landesbanken Hamburgs und Schleswig-Holsteins entstand. Über viele Jahre hatten die öffentlich-rechtlichen Geldinstitute unspektakulär, aber solide gewirtschaftet. Allein Schleswig-Holstein erhielt nach Angaben des Finanzministeriums seit den 1970er Jahren jedes Jahr einstellige Millionenzahlungen aus den Gewinnen für den Landeshaushalt.

Als private Aktiengesellschaft sollte die HSH Nordbank mit Dependancen etwa in London, Hongkong, Luxemburg und New York auf den internationalen Finanzmärkten kräftig mitmischen und deutlich ihre Gewinne erhöhen. Das klappte bis 2008 auch recht gut, allein in den Jahren 2006 bis 2008 flossen aus den Gewinnen insgesamt mehr als 100 Millionen Euro in den Landeshaushalt.

Nach der Pleite der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers 2008 geriet im Zuge der internationalen Finanzkrise und der Schifffahrtskrise aber auch die HSH Nordbank immer mehr unter Druck. Schließlich war die HSH Nordbank der größte Schiffsfinanzierer der Welt, wie das Unternehmen früher noch stolz hervorhob.

Weltgrößter Schiffsfinanzierer kann nur mit Milliardenhilfen überleben

Nur mit mehreren Milliarden Euro Finanzspritzen und zehn Milliarden Euro Bürgschaften der Hauptanteilseigner Hamburg und Schleswig-Holstein konnte die HSH Nordbank überleben. Der Vorstandschef musste gehen, die EU schränkte die Geschäftsfelder ein, die Bilanzsumme sank drastisch und die Zahl der Mitarbeiter schrumpfte kräftig.

Wie konnte das passieren? Mit den traditionellen Aufgaben einer Landesbank hatte das Spekulieren auf den internationalen Finanzmärkten nichts mehr zu tun. Die Vorläufer der Landesbanken im 19. Jahrhundert sollten primär Gemeinden Geld leihen, damit diese ihre Aufgaben meistern konnten. In den 1930er Jahren entstanden Landesbanken als Anstalt des öffentlichen Rechts.

Nach dem Zweiten Weltkrieg erfüllten die Landesbanken ihre klassische Aufgabe als Girozentralen; sie wickelten den Zahlungsverkehr zwischen den Sparkassen ab und unterstützten sie, wenn ein Geschäft in der Region für sie allein zu groß war. "Dann kam die Staatsbankenfunktion dazu, die Landesbanken dienten als Hausbanken der Länder und wickelten deren Geschäfte ab", erklärt der Kieler Rechtsprofessor Florian Becker. "Das war noch unproblematisch."

Vorbild WestLB - einmal Wall Street und zurück

Vorbild West LB: Einmal Wall Street und zurück

Zum Politikum sei dann der Anspruch geworden, auch als Geschäftsbank international auftreten und große Gewinne erzielen zu wollen. Vorreiter und Vorbild war die West LB in Nordrhein-Westfalen, die aber scheiterte und 2012 aufgeteilt wurde.

"Für ihre Ambitionen waren die Landesbanken eigentlich zu klein", sagt Becker. Ihr Vorteil seien zwei öffentlich-rechtliche Krücken gewesen, nämlich die "Anstaltslast" und die "Gewährträgerhaftung". Ersteres bedeutete, dass das jeweilige Bundesland verpflichtet war, seine Landesbank als öffentlich-rechtliche Anstalt mit den notwendigen Mitteln finanziell auszustatten.

Die Gewährträgerhaftung bedeutete, dass das Land notfalls für Forderungen gegen die Bank geradestehen musste. Mit dieser Sicherheit im Rücken konnten die Landesbanken sich sehr günstig Geld besorgen.

Ende der Gewährträgerhaftung brach Landesbanken das Kreuz

Ende der Gewährträgerhaftung brach den Landesbanken das Kreuz

Hierin sah die Europäische Union einen Verstoß gegen die Wettbewerbsgleichheit. Eine EU-Einigung von 2001 verpflichtete die Länder, ihre Sparkassengesetze bis spätestens 2005 zu ändern. Und die letzten Gewährträgerhaftungen müssen 2015 auslaufen. Die HSH Nordbank sah das Ende der komfortablen Rahmenbedingungen kommen und nutzte die Zeit, sich am Kapitalmarkt noch einmal mit günstiger Liquidität vollzusaugen. Dieses Geld wurde dann wieder auf den internationalen Kapitalmärkten angelegt, zum Teil mit hohem Risiko.

Rückblickend auf die Zeit der Fusion hebt ein Sprecher des Kieler Finanzministeriums hervor, die Länder hätten damals gute Erfahrungen bei der Kooperation in anderen Bereichen gemacht. "Der Zeitgeist ging damals auch in Richtung Nordstaat." Es habe zudem der Einfluss der Politik auf die Bank begrenzt werden sollen. "Ziel war der Verkauf der Bank mit einem Gewinn für das Land." Die Bank selber erhoffte Einsparungen von 150 Millionen Euro jährlich durch die Fusion.

15 Prozent Rendite - und anderer Unsinn kurz vor dem Börsengang

Renditen von 15 Prozent - und anderer Unsinn vor dem Börsengang

Die als private Aktiengesellschaft gegründete HSH Nordbank sollte fitgemacht werden, um an die Börse zu gehen. "Der Börsengang war aber schlecht geplant", sagt FDP-Politiker Wolfgang Kubicki. In den Geschäftsberichten vor der Finanzkrise seien Renditen von 15 Prozent als möglich dargestellt worden, wie bei Großbanken. "Also mussten die Geschäftsfelder ausgeweitet werden. Die HSH Nordbank hat sich weltweit getummelt, Eisenerzförderung in Australien finanziert oder Schiffbau in Südkorea, dazu Flugzeugfinanzierungen weltweit." Dabei fehlte, ergänzt Becker, die wirtschaftliche Basis, um mit den Großen mitspielen zu können.

"Das Personalmanagement der HSH Nordbank ist mit den Herausforderungen nicht mitgewachsen", sagt Kubicki. "Urplötzlich waren Regionalbanken, also größere Sparkassen, zu Global Playern geworden und tummelten sich in einem Feld, ohne das Know-how hierfür zu haben. Wir hatten es mit Bankvorständen zu tun, die ihre eigenen Möglichkeiten schlicht und ergreifend überschätzt haben, die auch große weite Welt spielen wollten und sich dabei auf Geschäfte eingelassen haben, die sie selber gar nicht verstanden haben, immer mit dem Hinweis, andere Landesbanken würden das ja auch tun."

Portion Größenwahn mit im Spiel

Im Nachhinein würde er sagen, dass auch eine Portion Größenwahn dabei gewesen sei, resümiert Kubicki. Eine Mitschuld der Politik sieht er bei der unzureichenden Kontrolle der Bank: "Was man der Politik vorwerfen kann, ist, dass die entsprechenden Mitglieder in den Aufsichtsgremien der Bank nicht rechtzeitig gegengesteuert haben, sondern sich von den Flipcharts, mit denen die Bankvorstände erklärt haben, wie toll die Entwicklung sei, schlicht und ergreifend haben blenden lassen."

Aus Sicht der Bank hat die Politik eine aktivere Rolle gespielt und massiv auf höhere Renditen und Dividenden gedrängt.

Welche Perspektive bleibt für die HSH Nordbank? "Sie sollte sich konzentrieren auf die früheren Aufgaben der Landesbanken als Girozentrale und die Geschäfte des Landes abwickeln", meint Becker.

HSH: Nordbank muss privatisiert oder abgewickelt werden

Von Matthias Hoenig, dpa
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