Gericht verurteilt Anlagebetrüger Erfolg für 1800 deutsche Anleger in Florida

Strand in Fort Lauderdale: Zwei Fonds mit 1800 deutschen Anlegern gewannen einen Schadensersatzprozess in der Stadt in Florida

Strand in Fort Lauderdale: Zwei Fonds mit 1800 deutschen Anlegern gewannen einen Schadensersatzprozess in der Stadt in Florida

Foto: © Jim Young / Reuters/ REUTERS

1800 deutsche Fondsanleger können sich über eine Entscheidung an einem Gericht in Fort Lauderdale, Florida, freuen: Dort hat eine Geschworenenjury zwei ehemals wichtige US-Partner des Hamburger Fondsemissionshauses HPC Capital wegen Betrugs und Verletzung von Treuepflichten verurteilt. Zudem wurden beide Männer nach dem sogenannten RICO Act für schuldig gesprochen. Das Strafmaß taxierten die Geschworenen im zweistelligen Millionen-Dollar-Bereich.

Geklagt hatten in dem Fall die beiden geschlossenen Fonds HPC US Hypotheken 1 und 2. Sie waren von HPC vor rund zehn Jahren aufgelegt worden. Die Fonds, in die etwa 1800 Anleger ursprünglich insgesamt 60 Millionen Dollar investiert hatten, sollten in den USA Kredite an Unternehmen vergeben.

Das Fondskonzept ging jedoch nicht auf. Spätestens mit der Immobilien- und Finanzkrise 2008 gerieten die Fonds in Schieflage, wie manager magazin online bereits vor Monaten ausführlich berichtet hat. Zunächst ließen der Einbruch am US-Markt sowie Ausfälle bei Partnerfirmen die Investments erodieren.

Dann sorgten jene Aktivitäten für Verluste, für die die ehemals wichtigsten Partner von HPC in den USA nun verurteilt wurden: Die Männer, die für die Verwaltung der HPC-Investments in den Vereinigten Staaten verantwortlich waren, verschoben Objekte aus den Fonds in Zwischengesellschaften und veräußerten sie dann deutlich teurer weiter. Den beiden Fonds entstand dadurch nach Angaben von HPC ein Schaden von zusammen knapp neun Millionen Dollar.

So sahen es nun auch die Geschworenen in Florida als erwiesen an. Dabei erscheint vor allem die Verurteilung nach dem "RICO Act" bemerkenswert. Beim RICO Act ("Racketeer Influenced and Corrupt Organizations Act") handelt es sich um ein US-Bundesgesetz zur Bekämpfung des organisierten Verbrechens, das sonst vor allem in der Strafjustiz eine Rolle spielt. In der zivilen Rechtsprechung dagegen kommt das Gesetz nur sehr selten zum Tragen, sagten Prozessbeteiligte nach dem Urteil US-Medien zufolge.

Nun stellen sich vor allem zwei Fragen: Wie hoch wird letztlich der Schadensersatz für die Fonds tatsächlich ausfallen? Und vor allem: Werden die 1800 Anleger überhaupt jemals etwas von der finanziellen Wiedergutmachung zu Gesicht bekommen?

Wer die Einzelstrafen, die von den Geschworenen verhängt wurden, addiert, erhält eine Gesamtschadensersatz-Summe von etwas weniger als 20 Millionen Dollar. Das ist jedoch zunächst lediglich die Größenordnung, an der sich das Gericht bei der endgültigen Festlegung orientieren muss.

In einem Schreiben, das HPC in den kommenden Tagen an die Anleger der Fonds verschicken will, und das manager magazin online im Entwurf vorliegt, erklärt das Unternehmen: "Das von den Geschworenen festgelegte Strafmaß stellt lediglich den Rahmen dar. Die Summen der finalen Strafe werden vom Richter festgelegt und können über oder unter diesen Summen liegen. Erfahrungsgemäß wird das finale Urteil in den nächsten 8 Wochen gesprochen und veröffentlicht."

"Am Ende wird ein Schaden bleiben"

Insbesondere die Bestrafung aufgrund des RICO Acts stellt demnach offenbar eine Unbekannte dar. "Die Strafe aus diesem Teil des Schuldspruches wird in der Regel aufgrund der Schwere des Vergehens im finalen Urteil des Gerichts automatisch verdreifacht", schreibt HPC dazu. "Darüber hinaus machen die Fonds den Schaden aus den Rechtsberatungsgebühren geltend."

Doch haben die Beklagten überhaupt das Geld, um den beschlossenen Schadensersatz zu leisten? Wohl kaum, lautet offenbar die aus Sicht der Fondsanleger ernüchternde Antwort. Wie aus Kreisen von HPC zu hören ist, sind Gelder in Millionenhöhe bei keinem der beiden Männer zu vermuten.

Dennoch handelt es sich bei dem Urteil, gegen das die Beklagten eigenen Angaben zufolge in Berufung gehen wollen, um einen wichtigen Etappensieg vor Gericht, sagt Michael Pirgmann, Mitgründer von HPC Capital und früherer Firmenchef. "Zum einen wird über eine nun wahrscheinliche Strafverfolgung hoher Druck auf die Beklagten ausgeübt, eventuell noch vorhandene finanzielle Mittel als Widergutmachung und Zeichen der Reue herauszugeben", so Pirgmann zu manager magazin online. "Und zum anderen ist das Urteil eine gute Basis für einen weiteren Prozess den wir gegen zwei weitere Beklagte führen werden."

Für Pirgmann, der, obwohl eigentlich längst aus dem operativen Geschäft bei HPC ausgestiegen, seit Jahren unermüdlich um die Gelder seiner früheren Kunden kämpft, handelt es sich bei dem Spruch der Geschworenen auch um einen persönlichen Erfolg. Der frühere Emissionshauschef ist jedoch Realist: "Am Ende wird ein Schaden bleiben", sagt er. "Aber wir tun alles menschenmögliche, um diesen so gering wie möglich zu halten."

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