Anlagefehler Fünf Gründe, warum Fondsmanager zu oft handeln und damit Geld verschwenden

In der Theorie wissen es alle - Hin und Her macht Taschen leer, denn jede Transaktion an der Börse treibt die Kosten. Doch in der Praxis halten sich viele Finanzexperten nicht an diese Erkenntnis und verschwenden das Geld ihrer Kunden. Fünf teilweise erschreckende Gründe dafür.
Von Arne Gottschalck

Hamburg - Eine Binse am Anfang - viele Fondsmanager schaffen es nicht, ihren Börsenvergleichsmaßstab zu schlagen. Die Hauptursache dafür sind die Kosten. Denn das Fondsmanagement, die Analysten und das Risikomanagement, all das kostet Geld. Und erklärt die stetig steigende Popularität der zumindest grundsätzlich kostengünstigeren Exchange Traded Funds (ETF). Doch warum treiben Fondsmanager die Kosten in die Höhe? Gemessen wird der Umschlag übrigens mit dem Turnover (TU). Diese Kennzahl misst, wie oft ein Fondsmanager sein Porttolio im Jahr umbaut. Ein Turnover von 100 Prozent besagt zum Beispiel, dass er den gesamten Fonds im Laufe des Jahres einmal komplett umgekrempelt hat. Und im Branchenschnitt gelten 100 noch längst nicht als hoch.

Dass US-Website Valuewalk nennt fünf Gründe für die Handelsexzesse .

Fondsmanager müssen ihr hohes Gehalt rechtfertigen

Viel Geld: Doch geht es immer mit viel Arbeit einher? Sollte es, fühlen Finanzexperten - und stürzen sich offenbar in unnötige Deals

Viel Geld: Doch geht es immer mit viel Arbeit einher? Sollte es, fühlen Finanzexperten - und stürzen sich offenbar in unnötige Deals

Foto: Corbis

Man stelle sich vor, so Valuewalk, der Manager säße am Schreibtisch und würde seinen Fonds nur beobachten. Warum sollte dessen Boss dafür bis zu 1 Million Dollar zahlen? Wer dagegen handelt, zeigt Aktivität - und kassiert.

Zu nah am Index gebaut

Copy & Paste: Was Wissenschaftlern das Genick bricht, ist in der Finanzbranche Usus. Allerdings wird oftmals gleich ein ganzer Index kopiert

Copy & Paste: Was Wissenschaftlern das Genick bricht, ist in der Finanzbranche Usus. Allerdings wird oftmals gleich ein ganzer Index kopiert

Foto: Corbis

Die einfache Wahrheit, so Valuewalk: 90 Prozent der Fonds folgen mehr oder minder einem bestimmten Marktindex, dem Dax zum Beispiel. Die größte Entscheidung eines Managers sei es also, eine Aktie um 0,2 Prozentpunkte über- oder unterzugewichten, also vom Index marginal abzuweichen. Doch mit jeder Änderung des Index ist der Manager gezwungen, sein Portfolio entsprechend anzupassen - um die Indexnähe zu gewährleisten und jene eigenen Akzente nicht zu gefährden.

Zu viel Konkurrenzbeobachtung

Auge auf die Konkurrenz: Grundsätzlich keine schlechte Idee - doch eigene Ideen sind zu bevorzugen. Denn schließlich zahlen die Anleger die Managementgebühren für genau diese Ideen

Auge auf die Konkurrenz: Grundsätzlich keine schlechte Idee - doch eigene Ideen sind zu bevorzugen. Denn schließlich zahlen die Anleger die Managementgebühren für genau diese Ideen

Foto: DPA

Etliche Experten achten sehr genau auf ihre Konkurrenten. Wenn die bei Unternehmen x zuschlagen, so die Überlegung, sollten sie selbst vielleicht auch zugreifen. Außerdem achten auch die Vorgesetzten genau auf die Konkurrenz - und fragen gegebenenfalls, warum die anderen so erfolgreich sind, nicht aber der eigene Fondsmanager? Die Konsequenz - steigender Handel mit den ewig gleichen Aktien. ElringKlinger war beispielsweise ein everybodies darling", der in nahezu jedem Portfolio zu finden war.

Mitschuldige Anleger

Anleger sind immer die anderen: Profiinvestoren weisen mit dem Zeigefinder auf die Fehler der Privatanleger - und umgekehrt. Dabei ziehen beide ihre Gelder sehr schnell ab, wenn der Fondsmanager nicht mehr "performt"

Anleger sind immer die anderen: Profiinvestoren weisen mit dem Zeigefinder auf die Fehler der Privatanleger - und umgekehrt. Dabei ziehen beide ihre Gelder sehr schnell ab, wenn der Fondsmanager nicht mehr "performt"

Foto: REUTERS

Investoren lieben Geschichten, vor allem die von erfolgreichen Fondsmanagern. Vom Mann mit dem nahezu magischen Händchen für Aktien oder Anleihen. Solange dessen Erfolg anhält, strömt das Geld fast automatisch in dessen Fonds. Der Gars-Fonds von Standard Life ist so ein Fall, der unter Leitung von Guy Stern Erfolg und Anleger gleichermaßen anzuziehen scheint. Bleibt der Erfolg indes aus - dann fliehen die Anleger. Und der Fondsmanager muss, um die Wünsche der Investoren zu beherzigen, Aktien oder Anleihen verkaufen. Die Mittelzuflüsse sind damit nicht in der Hand des Managers.

Fondsmanager ertrinken in neuen Anlageideen

Lunch: Zum Häppchen ein paar Anlageideen? Kein Problem

Lunch: Zum Häppchen ein paar Anlageideen? Kein Problem

Foto: Corbis

Fondsmanager werden bombardiert, nennt es valuewalk. Bombardiert mit Anlageideen, die von hochbezahlten Experten präsentiert werden. Hochglanzbroschüren oder Lunchtermine, all das setzt den Manager unter Druck. Ist an der Idee, die da so eloquent vorgetragen wird, vielleicht etwas dran? Und schon gibt der Manager nach und kauft - und muss entsprechend ein anderes Papier verkaufen. Vorausgesetzt, er konnte keine neuen Investoren für sich und seinen Fonds gewinnen und deren Einlagen nutzen.

Mehr lesen über