Freitag, 18. Oktober 2019

Short Seller nehmen Deutschland ins Visier Angriff auf deutsche Firmen - was US-Hedgefonds antreibt

Hedgefonds: Die Raubritter des Kapitalismus
REUTERS

3. Teil: "Zerstörer von Unternehmen"

Am Nachmittag erklärt dort, wo sonst die New Yorker Philharmoniker spielen, Greenlight-Capital-Gründer David Einhorn (47) den 4000 Gästen mit leiser, quakiger Stimme seine Short-Wette auf Caterpillar. Er hatte Ende Mai 2008 an gleicher Stelle die damals noch mächtige Investmentbank Lehman Brothers schwer angeschossen. Nun macht Einhorn Druck auf den Baumaschinenhersteller. Überbewertet sei der, schließlich orderten die Kunden aus der Energie- und Rohstoffbranche kaum noch neues Gerät.

Tesla, Caterpillar - seit Chanos und Einhorn veritable Betrugsfälle enttarnt haben, trauen sie sich selbst an renommierte Firmen ran. Auch Ströer-Angreifer Block hat bereits eine große Luftnummer auffliegen lassen: Chinas Konzern Sino Forest, der sechs Milliarden Dollar an Aktienkapital veruntreute, statt damit wie behauptet chinesische Wälder zu pachten.

Ackman scheiterte an Herbalife-Attacke

Bill Ackman (50) hingegen, das Enfant terrible der Zunft, hat sich zuletzt an einer Attacke schwer verhoben. Der Gründer von Pershing Square, der die Sohn Conference von der ersten Reihe im Parkett aus verfolgt, brandmarkte den Abnehmdrinkanbieter Herbalife 2012 als ein Pyramidensystem zum Verkauf von überteuertem Eiweißpulver.

Prominente Investoren wie Dan Loeb (54) und Carl Icahn (80) hielten dagegen: Die Drinks seien deshalb teurer, weil Herbalife ein Klub sei, der den Mitgliedern helfe, eine Diät auch durchzustehen. Das habe Ackman offenbar nicht verstanden. Inzwischen wird die Aktie nah an ihren alten Höchstständen gehandelt. "Ackman ist ein Zerstörer von Unternehmen", urteilt Starbucks-Gründer Howard Schultz (62), ein Intimfeind des Hedgefondsgranden.

Diese Gefahr ist in der Tat virulent, zumal Shortseller in Zeiten steigender Börsenkurse mächtig unter Ergebnisdruck stehen. 2015 meldeten nur 15 Short-Spezialisten ihre Ergebnisse, 2008 waren es noch 54. Kein gutes Zeichen.

Eines der größten Risiken sei, "dass so viele Hedgefonds auf ähnliche Strategien setzen", klagt Branchengröße Steven Cohen (59) - zu viele untalentierte Manager seien in dem Geschäft unterwegs.

Auf der Jagd nach Rendite stürzen sich die Fonds in Scharen auf dieselben Unternehmen. Selbst aussichtsreiche Trades sind so schnell überreizt. Aus "Scharfschützen" sei eine "Kavallerie" geworden, lästert der Branchendienst Symmetric. "Mit all dem aufgewirbelten Staub, dem Chaos und den Kollisionen, die das mit sich bringt."

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