Donnerstag, 23. Mai 2019

Short Seller nehmen Deutschland ins Visier Angriff auf deutsche Firmen - was US-Hedgefonds antreibt

Hedgefonds: Die Raubritter des Kapitalismus
REUTERS

2. Teil: Wem Shortseller und aktivistische Investoren noch zusetzen

Die Konzernlenker verdammen die Angreifer zumeist als verleumderische Spekulanten. Doch ganz so einfach ist die Sache nicht. Selbst ein integrer Vermögensverwalter wie Hendrik Leber, Gründer der Fondsgesellschaft Acatis, kann den Shortsellern auch Gutes abgewinnen: Viele Analysten seien hierzulande noch viel zu zahm, sie duldeten Schönfärberei und Kungelei. Für einen gut funktionierenden Kapitalmarkt sei es wichtig, möglichst viele kritische negative Stimmen zu hören, mahnt Leber: "Es ist schade, dass wir in Deutschland davon noch zu wenige haben."

Die meisten aktivistischen Investoren setzen eher auf steigende Kurse, kaufen Aktien und verlangen dem Management dann eine Strategie zur Wertsteigerung ab. So wie Christopher Hohn (49), der hierzulande einige Berühmtheit erlangt hat durch seinen Kampf gegen die Übernahmepläne der Deutschen Börse Börsen-Chart zeigen vor zehn Jahren. Anfang Mai stieg sein The Children's Investment Fund (TCI) für 1,2 Milliarden Euro bei Volkswagen Börsen-Chart zeigen ein - und meldete umgehend Handlungsbedarf an.

Bei Adidas Börsen-Chart zeigen übt der US-Investor Mason Hawkins (68) seit Monaten Druck auf die Unternehmensführung aus; vom neuen Chef Kasper Rorsted (54) erwartet der Chef von Southeastern Asset Management nun, dass er die Kosten noch härter schleift. Bei ThyssenKrupp Börsen-Chart zeigen macht der skandinavische Hedgefonds Cevian im Aufsichtsrat ordentlich Dampf. Bei der Metro Börsen-Chart zeigen drängte Franklin Mutual erfolgreich auf eine Aufspaltung des Handelsriesen.

Shortseller spielen die Rolle der Wölfe im Ökosystem

Und auch in M-Dax, Tec-Dax und S-Dax treibt derzeit eine Phalanx junger Aktivisten die Führungsriegen vor sich her: Beim Bad Vilbeler Pharmaunternehmen Stada Börsen-Chart zeigen stieg bis Anfang Mai der deutsche Hedgefonds Active Ownership mit gut 5 Prozent ein und prangerte unter anderem das äußerst üppige Gehalt von Stada-Chef Hartmut Retzlaff (62) an. Die ehemaligen Goldman-Sachs-Banker Klaus Umek (44) und Till Hufnagel (41) knöpften sich mit ihrem Fonds Petrus Advisers die Verantwortlichen beim Baumaschinenhersteller Wacker Neuson vor und bemängelten in einem öffentlichen bösen Brief die aus ihrer Sicht überhastete internationale Expansion sowie die ausufernden Kosten.

Der Einfluss solcher Aktivisten ist groß, auch wenn sie oft nur wenige Prozent der Anteile besitzen. Sie schlagen die Breschen für mächtige Investoren, die dann ihre Stimmrechtspakete ausspielen. "Pensionskassen und traditionelle Fondsgesellschaften sind heute bereit, Aktivisten zu unterstützen", sagt Thomas Kolaja, Deutschland-Chef der Beratungsgesellschaft Alvarez & Marsal. Weil Anleihen keine Zinsen mehr brächten und das Wachstum nachlasse, müssten die Unternehmen höhere Margen liefern, um die Rendite der Großanleger zu retten.

Die Shortseller spielen in diesem neuen Ökosystem die Rolle der Wölfe. Am 4. Mai traf sich das ganze Rudel im New Yorker Lincoln Center zur Sohn Investment Conference, ihrem wichtigsten Treffen. Mit dabei Leitwolf James Chanos (58), der grauhaarige Gründer von Kynikos Associates, der zur Legende wurde, als er Ende 2000 auf fallende Kurse beim Energiehändler Enron setzte, der sich wenig später als gigantischer Bluff entpuppte.

Heute ist Chanos short beim US-Elektroautobauer Tesla Börsen-Chart zeigen . Warum? Weil der von vielen als Visionär verehrte Elon Musk (44) nicht mal das nächste Quartal vernünftig einschätzen könne. Kynikos ist auch bei Musks Energiefirma Solar City short. Das Duell zweier Alphatiere.

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