Mittwoch, 19. Juni 2019

Privatbank distanziert sich von TV-Millionär Hauck & Aufhäuser will mit "Robäääärt" nichts zu tun haben

TV-Stars der etwas anderen Art: Trash-Star Robert Geiss mit Gattin Carmen
DPA/ OBS/ RTL II
TV-Stars der etwas anderen Art: Trash-Star Robert Geiss mit Gattin Carmen

Hauck & Aufhäuser, Privatbankiers seit 1796, so wird begrüßt, wer sich auf die Website des Instituts begibt. Dazu abgebildet: Edle Möbel und Ölgemälde von - vermutlich - den Altvorderen der Bank, in Gold gerahmt. Seriosität pur, das ist die unmissverständliche Botschaft, die die Bank Hauck & Aufhäuser dem Besucher vermitteln will.

Da passt Robert Geiss nicht ganz ins Bild. Viele dürften den blonden Mann mit der Sonnenbrille und der markanten vorderen Zahnpartie lediglich vom Hörensagen kennen. Robert Geiss ist der Kopf der "Geissens", einer Millionärsfamilie, die durch eine TV-Reality-Soap zu gewisser Prominenz gelangt ist.

Robert Geiss' Gattin ist Carmen Geiss, ebenfalls blond und bekannt dafür, ihren Ehemann mit Vorliebe lauthals "Robäääärt" zu rufen. Bisherige Höhepunkte des Medienphänomens Geiss waren

  • eine Titelgeschichte im "Stern" 2012 sowie
  • ein Auftritt bei "Wetten, dass ..?" 2013.

Seit einiger Zeit nun tritt Trash-Größe Geiss als Werbefigur für einen Investmentfonds auf. Unter dem Slogan "Reich mit Geiss" wirbt der Textilunternehmer ("Uncle Sam") für einen Aktienfonds, der sich vor allem durch drei Eigenschaften auszeichnet:

  • Er investiert in vergleichsweise solide Standardwerte wie Daimler, die Deutsche Telekom oder Apple.
  • Er hat eine vergleichsweise hohe Kostenquote von zuletzt mehr als 2 Prozent pro Jahr.
  • Er kommt aus vergleichsweise prominentem Hause, nämlich aus dem Umfeld von Bernd Förtsch, jenes zweifelhaften "Investmentgurus" des einstigen Neuen Marktes, an den viele Anleger bis heute vor allem negative Erinnerungen haben dürften.

Soweit, so unspektakulär.

Das Problem für die so sehr auf Seriosität bedachte Privatbank Hauck & Aufhäuser von 1796 ist jedoch: Für diesen Neue-Markt-Gestalt-Bernd-Förtsch-Und-Reich-Mit-TV-Trash-Millionär-Robäääärt-Geiss-Fonds fungiert ausgerechnet die Luxemburger Niederlassung des Instituts als Depotbank.

Und schlimmer noch: In der inzwischen umfangreichen Berichterstattung über den Fonds wurde dieser Zusammenhang offenbar bereits ausgiebig dargestellt, und das zum Teil wohl auch noch unkorrekt.

Das kann den Herren an der Kaiserstraße in Frankfurt, wo Hauck & Aufhäuser residiert, nicht gefallen. Am heutigen Freitag verschickte das vornehme Institut eine "Richtigstellung". Hauck & Aufhäuser sei nicht Initiator des Geissschen Fonds, steht darin. Man habe den Soap-Star auch nicht mit der Werbung beauftragt, heißt es weiter. Das sei die Börsenmedien AG (des Bernd Förtsch) gewesen. Und auch mit dieser Börsenmedien AG, so Hauck & Aufhäuser in der "Richtigstellung", bestehe "keine Vertragsbeziehung".

Im Klartext soll das wohl heißen: Mit Herrn Geiss haben wir eigentlich so gut wie nichts zu tun.

Bis auf eine Kleinigkeit vielleicht: Zweifellos profitiert auch die Privatbank Hauck & Aufhäuser von der Werbung durch Herrn Geiss. Denn für die "Verwahrung der Vermögenswerte" des Förtsch-Geiss-Fonds kassiert die Bank gewiss ein Entgelt. Davon ist der "Richtigstellung" allerdings nichts zu entnehmen.

© manager magazin 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung