Mittwoch, 16. Oktober 2019

Minuszins bei hohen Guthaben Größte Sparkasse fordert Strafzins von reichen Kunden

Filiale der Haspa in Hamburg St. Pauli: Vermögende Privatkunden der Sparkasse sollen ihr Geld künftig nicht mehr auf dem Girokonto liegen lassen.

Jetzt also auch die Haspa in Hamburg: Nach mehr als einem Dutzend anderer Geldinstitute in Deutschland geht die gemessen an der Bilanzsumme größte Sparkasse hierzulande ebenfalls dazu über, von Privatkunden mit besonders großen Guthaben Negativzinsen, also eine Gebühr für die Aufbewahrung des Geldes, zu verlangen.

Wie das "Hamburger Abendblatt" berichtet, muss jeder Haspa-Kunde, der mehr als 500.000 Euro auf seinem Girokonto hat, ab dem 1. September 0,4 Prozent Zinsen auf den Betrag zahlen, der die halbe Million Euro übersteigt. Für Firmenkunden liege der Freibetrag bei künftig nur noch 250.000 Euro, so die Zeitung.

Die Begründung der Hamburger Sparkasse für diesen Schritt gleicht jener Argumentation, die auch andere Institute bereits vorbrachten: Wenn Kunden größere Mengen Bargeld auf Girokonten verwahrten, koste dies die Haspa Tag für Tag Geld. Denn bereits seit Mitte 2014 müssten Banken und Sparkassen für Geldreserven, die sie als Sicherheit auf ihren Konten bei der Europäischen Zentralbank (EZB) parkten, ihrerseits einen Strafzins von 0,4 Prozent zahlen.

Einer Sprecherin der Haspa zufolge hat die Niedrigzinsphase die Sparkasse auf diese Weise in den vergangenen Jahren mit "hohen zweistelligen Millionenbeträgen belastet". Das "Abendblatt" merkt allerdings gleichfalls an, dass es der Haspa dennoch gelang, ihren Gewinn 2017 bei 80 Millionen Euro konstant zu halten. Auch für 2018 rechne man mit einem stabilen Ergebnis, so die Zeitung.

Wie viele Kunden künftig wohl einen Strafzins an die Haspa entrichten müssen, will die Bank dem Bericht zufolge nicht preisgeben. Laut Haspa-Sprecherin sollen mit den betroffenen Kunden nun Gespräche geführt werden. Es gehe darum, ihnen "alternative Anlageformen" anzubieten, zitiert das "Abendblatt".

Die Kunden sollen also in Finanzprodukte wechseln, so heißt dies vermutlich im Klartext, die zwar eine höhere Rendite als minus 0,4 Prozent versprechen, die der Haspa aber mit hoher Wahrscheinlichkeit zugleich auch wesentlich höhere Gebühren einbringen als ein Girokonto.

cr

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