Samstag, 28. März 2020

Nach Gross-Abgang Anleger erleichtern Pimco um zehn Milliarden Dollar

Exzentrischer Starinvestor: Bill Gross fängt heute bei Janus an

Nach dem Abgang von "Bond-König" Bill Gross haben Anleger bei Pimco einem Bericht zufolge zehn Milliarden Dollar abgezogen. Am Wochenende präsentierte die Allianz-Fondstochter einen neuen Chef.

Newport Beach/New York - Die Kunden der Allianz -Tochter Pimco haben einer Zeitung zufolge nach dem Weggang des "Bond-Königs" Bill Gross etwa zehn Milliarden Dollar abgezogen. Das "Wall Street Journal" berief sich in der Nacht zum Montag auf eine mit der Sache vertraute Person. Experten hatten nach dem überraschenden Abgang von Gross erwartet, dass die Anleger nun weiteres Geld abziehen würden.

Seit Mai 2013 sind bereits 70 Milliarden Dollar aus dem von ihn geleiteten Total Return Fund abgeflossen. Der weltgrößte Anleihenfonds hatte einst ein Volumen von knapp 293 Milliarden Dollar.

Pimco präsentierte am Wochenende einen Nachfolger für Gross: Neuer Investmentchef der Gruppe wird der bisherige Gross-Stellvertreter Daniel Ivascyn, wie Pimco mitteilte.

Der wegen seiner jahrelangen Erfolge an den Anleihemärkten als "Bond-König" bekannte Gross geht zum Vermögensverwalter Janus Capital. Die Personalie hatte für heftige Reaktionen an den Märkten gesorgt. Die Aktien der Allianz Börsen-Chart zeigenverloren am Freitag mehr als 6 Prozent - das entspricht rund vier Milliarden Euro Marktkapitalisierung.

Gross' Trennung von Pimco verlief wohl alles andere als einvernehmlich. In Finanzkreisen hieß es, der Manager sei mit dem Wechsel zu Janus seiner Kündigung zuvorgekommen.

Nach dem Abgang von Gross' Kronprinzen Mohamed El-Erian zu Jahresbeginn kämpfte Pimco zuletzt auch mit massiven Mittelabzügen. Nach 16 Monaten mit Abflüssen ist das Volumen des Flaggschifffonds "Pimco Total Return" um etwa 70 Milliarden auf zuletzt 222 Milliarden Dollar geschrumpft. Und die Lage spitzt sich weiter zu.

Gross tritt neuen Job heute an

Vergangene Woche wurde bekannt, dass die US-Börsenaufsicht wegen des Verdachts auf geschönte Bilanzen ermittelt. Das Unternehmen soll die Renditen eines 3,6 Milliarden Dollar (2,8 Milliarden Euro) schweren Indexfonds künstlich aufgebläht haben, berichtete das "Wall Street Journal" unter Berufung auf eingeweihte Kreise.

Der 70-jährige Gross, der bislang den weltweit größten Anleihefonds managte, tritt den Job bei Janus am heutigen Montag an und wird dort ein neu aufgelegtes Rentenportfolio verwalten. "Ich habe Janus wegen der langjährigen Beziehung zu CEO Dick Weil und meinem Respekt für ihn als nächstes Zuhause gewählt", sagte Gross, der Pimco 1971 gegründet hat.

Die Pacific Investment Management Company oder kurz Pimco gehört seit 2000 zum deutschen Versicherer Allianz. Pimco verwaltete Ende Juni laut eigenen Angaben knapp zwei Billionen Dollar an Anlegergeldern und ist damit eine der treibenden Kräfte an den internationalen Finanzmärkten.

In einer Pressemitteilung erklärte Pimco zum Abschied von Gross: Im Laufe des Jahres sei immer klarer geworden, dass Gross und die restliche Führungsmannschaft "fundamentale Differenzen" über den künftigen Kurs hätten. Allianz-Vorstandschef Michael Diekmann erklärte: "Gemeinsam mit unseren Kollegen von Pimco zollen wir der Arbeit Respekt, die Bill Gross in den 43 Jahren seit Pimcos Gründung geleistet hat. Wir wünschen Bill viel Glück."

Kommentar: Abgang mit Ansage

ts/dpa/rtr

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