Freitag, 26. April 2019

Grammer-Großaktionär fordert mehr Geld Chinesen bieten für Grammer - nach Ansicht der Hastors aber viel zu wenig

Produktion von Autositzen beim Autozulieferer Grammer in Kümmersbruck (Bayern)

Der chinesische Großaktionär Ningbo Jifeng bietet 60 Euro je Grammer-Aktie. Für den zweiten Großaktionär Cascade Investment, der von der bosnischen Familie Hastor kontrolliert wird, ist das viel zu wenig. Sie erwarten eine deutliche Aufstockung des Angebots - und prüfen selbst, ihren Anteil zu erhöhen.

Die Unternehmerfamilie Hastor als zweiter Großaktionär von Grammer hält das Übernahmeangebot aus China für den bayerischen Autozulieferer für zu niedrig. "Wir betrachten das Angebot als wirtschaftlich unzureichend", erklärte Cascade International Investment, eines von zwei Anlagevehikeln der Familie, die zusammen 19 Prozent an Grammer halten, am Mittwoch.

Der faire Wert der Grammer-Aktie liege schon jetzt bei mindestens 85 Euro. Nach der vereinbarten Übernahme von Toledo Molding & Die (TMD) wären sogar 100 Euro "durchaus realistisch". Die Grammer-Aktie, die bereits am Vortag deutlich gestiegen war, zog daraufhin um weitere bis zu 4,5 Prozent auf 63,95 Euro an.

"Wir werden nun alle vorhandenen Optionen prüfen, auch den nochmaligen Ausbau unserer Beteiligung", heißt es in der Mitteilung von Cascade. Der faire Wert der Grammer-Aktie betrage "mindestens 85 Euro", aber für Cacade seien "rund 100 Euro als durchaus realistisch anzusehen". Das chinesische Unternehmen Ningbo Jifeng will 61,25 Euro je Aktie anbieten - ein Plus von 19 Prozent gegenüber dem bisherigen Börsenkurs.

Wer steckt hinter dem Angebot?

Cascade warf auch die Frage auf, wer hinter dem Übernahmeangebot stecke und sich "Zugang zu Schlüsseltechnologien bei Grammer" verschaffen wolle. Dass eine Firma mit 250 Millionen Euro Umsatz eine Übernahme für eine Milliarde Euro stemmen könne, sei nicht nachvollziehbar. Möglicherweise sei der Staat involviert.

Unklar sei auch, ob eine Übernahme durch Jifeng Grammers geplante Übernahme des amerikanischen Kunststoffherstellers Toledo aufs Spiel setze: "Ist damit zu rechnen, dass zum Beispiel Behörden in den USA die Übernahme nun untersagen?" Die bereits mit 25,5 Prozent beteiligte chinesische Ningbo Jifeng hatte am Dienstag ein Angebot über 60 Euro je Grammer-Aktie zuzüglich der Dividende von 1,25 Euro vorgelegt.

Cascade habe das Grammer-Engagement stets als langfristig betrachtet. Grammer hatte Ningbo Jifeng 2017 als "weißen Ritter" ins Haus geholt, um eine unerwünschte Machtübernahme durch die Familie Hastor zu verhindern.

Prevent liegt mit mehreren deutschen Autobauern, allen voran Volkswagen Börsen-Chart zeigen, im Clinch. Grammer hatte berichtet, dass mehrere Hersteller nach dem Einstieg der Hastors mit Aufträgen gezögert hätten.

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Die Autozulieferbranche gehört neben dem Maschinenbau zu den Branchen, die chinesische Firmen in Deutschland vorzugsweise ins Visier nehmen. Vor allem über die milliardenschwere Übernahme des Roboter-Herstellers Kuka Börsen-Chart zeigen war kontrovers diskutiert worden. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte bei ihrem Besuch in China kürzlich auf gleiche Rechte für deutsche Unternehmen bei Übernahmen in China gepocht. Bisher sind sie dort meist auf Gemeinschaftsprojekte mit chinesischen Partnern angewiesen.

Übernahme durch Jifeng dürfte problemlos durchgehen

Den Einstieg von Jifeng bei Grammer hat die Bundesregierung bereits durchgewinkt, so dass die Chinesen auch bei einer Übernahme keine Hürden erwarten. Jifeng habe von Anfang an auf einen größeren Anteil spekuliert, sagte einer der Insider. Erst jetzt habe das von der Familie Wang beherrschte Unternehmen, das kleiner ist als Grammer, aber die Finanzierung der Übernahme gesichert. Inklusive Schulden müssten die Chinesen, mit denen Grammer schon vor dem Einstieg zusammengearbeitet hatte, mehr als eine Milliarde Euro finanzieren.

Grammer hatte erst vor einer Woche die größte Übernahme seiner Geschichte in Angriff genommen, um bei US-Autobauern stärker Fuß zu fassen: Der umgerechnet 233 Millionen Euro teure Zukauf des Kunststoff-Spezialisten Toledo Molding & Die (TMD) aus dem US-Bundesstaat Ohio soll mit Krediten finanziert werden.

la/dpa/reuters

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