Börsenturbulenzen verunsichern Investoren Drei Geldanlagen für unruhige Zeiten

Goldbarren: Das Edelmetall gilt als sicherer Hafen für die Geldanlage.

Goldbarren: Das Edelmetall gilt als sicherer Hafen für die Geldanlage.

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Performance von Liebhaber-Investments: Kunst schlägt Autos, Wein, Uhren, Aktien und Gold

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Erst der Kursrutsch am Dienstag an der Börse in Deutschland und an anderen europäischen Handelsplätzen, dann die heftigen Kursverluste am Mittwoch an der Wall Street, und all das nach bereits mehreren Monaten mit starken Marktturbulenzen: Es scheint so, als seien die Zeiten steigender Aktienkurse vorläufig vorbei (selbst, wenn sich die Börse am Donnerstag bis Handelsschluss erfolgreich gegen den Abwärtsdruck stemmen sollte).


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Anleger könnten also darüber nachdenken, ihre Investmentdepots krisenfest zu machen. Aber was tun? Komplett raus aus Aktien? Und falls ja, wohin dann mit dem Geld?

Finanzfachleute raten prinzipiell zur Zurückhaltung, wenn es darum geht, mit möglichen Umschichtungen auf Marktbewegungen welcher Art auch immer zu reagieren. Der Grund: Oft fällt die Entscheidung zu einer solchen Reaktion erst, wenn es bereits zu spät ist. Wer auf diese Weise dauerhaft dem Geschehen an den Anlagemärkten hinterher hechelt, immer in dem Bestreben, sein Geld in das zeitweise optimal erscheinende Asset zu stecken, steht am Ende daher nicht selten als Verlierer da: Durch zu spätes Verkaufen werden Verluste realisiert, durch zu spätes wieder Einkaufen werden mögliche Gewinne verpasst - und unterm Strich verursachen die häufigen Transaktionen hohe Gebühren, die sich der Broker in die Tasche stecken kann.

Ratsamer erscheint es daher, das Anlagedepot basierend auf grundsätzlich vernünftig erscheinenden Kriterien wie Kostenminimierung und Risikostreuung einzurichten, und dann möglichst lange unangetastet zu lassen, vorübergehende Aufs und Abs an der Börse beispielsweise hin oder her.

Wer aktuell dennoch nach Geldanlagen sucht, die auch in unruhigen und verlustreichen Börsenzeiten attraktiv erscheinen, kann sich an die folgenden drei Optionen halten:

Hält Gold diesmal sein Versprechen?

Gold

Der Klassiker. Gold gilt seit jeher als sicherer Hafen für die Geldanlage - hat allerdings zuletzt häufig enttäuscht, wenn es darum ging, dieses Versprechen zu erfüllen. Seit dem Allzeithoch im Herbst 2011 befindet sich der Goldpreis grob gesagt auf Talfahrt. Zwischenzeitig gab es zwar mehrere Krisen auf der weltpolitischen und wirtschaftlichen Bühne. Das Edelmetall reagierte darauf aber kaum mit der jeweils erhofften oder erwarteten Preissteigerung.

"An Gold scheiden sich die Geister", so Lothar Koch, Leiter des Portfoliomanagements bei GSAM + Spee Asset Management, Düsseldorf. "Die einen lieben, die anderen hassen es."

Immerhin, zumindest gegenwärtig bietet das Edelmetall offenbar die "richtige" Reaktion: Beinahe parallel zum Rückgang der Börsenkurse ziehen die Preise von Gold  und anderen Edelmetallen an. Am Mittwoch beispielsweise stieg der Goldpreis auf 1240 Dollar je Unze. Damit liegt er allein auf die vergangenen 30 Tage betrachtet mit beinahe 3 Prozent im Plus. In Euro gerechnet kletterte der Goldpreis zudem bei 1080 Euro je Unze zuletzt auf ein Vier-Monats-Hoch.

"In den letzten Wochen war Gold ein Stabilisator", sagt auch Investmentprofi Koch. "Wir haben unter anderem auf Goldminenaktien gesetzt, die gegen den allgemeinen Markttrend gestiegen sind."

Der Parkplatz bei der Bank

Tages- oder Festgeld

Eine per se sichere Sache für die Geldanlage sind festverzinsliche Anlagen wie Tages- oder Festgelder bei Banken und Sparkassen, zumal in einem Land mit verlässlicher Einlagensicherung wie Deutschland. Das bekannte Problem ist jedoch: Es gibt seit geraumer Zeit kaum Zinsen auf solche Einlagen. Angesichts extrem niedriger Leitzinsen von Seiten der Zentralbank haben auch die Retail-Institute ihre Offerten auf ein Mininiveau heruntergedrückt.


Für mm-Leser:

Überblick über aktuelle Festgeldofferten

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Ein Blick auf einschlägige Vergleichsportale im Internet offenbart zudem: Halbwegs attraktive Zinsangebote von beispielsweise wenig mehr als 1 Prozent für eine Festgeldanlage von 25.000 Euro über zwölf Monate gibt es derzeit vornehmlich von ausländischen Banken. Für die besteht zwar in der Regel ebenfalls eine jeweils nationale Einlagensicherung. Wer solche Offerten wahrnehmen will, sollte aber das jeweilige Rating zur Bonität des fraglichen Landes im Blick behalten, das beispielsweise auf dem Zinsportal FMH  praktischerweise bei jeder Bankenofferte gleich mit angegeben wird.

Kursstürze an der Börse? Auf zur Börse!

Defensive Aktien

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Auf Kursverluste an der Börse mit Aktieninvestments reagieren? Da kann man sicher geteilter Meinung sein. Die einen werden sich lieber vom Aktienmarkt fernhalten, bis die Turbulenzen ausgestanden sind. Andere suchen schon jetzt wieder nach Schnäppchen. "Viele Aktien sind jetzt schon wieder fair bewertet und haben eine gute Dividendenrendite", sagt etwa Frank Wieser von der Düsseldorfer Vermögensverwaltung PMP. "Sollte die Börse weiter korrigieren, können Schnäppchenjäger schon zuschlagen."

Ins Blickfeld rücken dabei beispielsweise sogenannte defensive Aktien, also Papiere von Unternehmen, die ein solides, gleichmäßig laufendes Geschäft betreiben und nicht übermäßig konjunkturabhängig sind. Beispiele dafür sind Immobilienfirmen wie der Dax-Konzern Vonovia  sowie Konsumgüterhersteller wie Henkel  oder Beiersdorf .

Anleger sollten bei diesen Firmen allerdings nicht nur deren fundamentale wirtschaftliche Situation sowie den Aktienkurs im Auge haben, der nach Möglichkeit eine günstige Kaufgelegenheit signalisiert. Insbesondere unter den Konsumgüterproduzenten befinden sich vielmehr zahlreiche besonders zuverlässige Dividendenzahler. Auch dies ist ein Aspekt, der insbesondere in turbulenten Börsenzeiten mit vergleichsweise hohem Risiko für Kursverluste eine wichtige Rolle spielen sollte.


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Der US-Konzern Procter & Gamble  etwa erhöhte in diesem Jahr seine Dividende zum sage und schreibe 62. Mal in ununterbrochener Folge. Seit der Gründung im Jahr 1890 hat das Unternehmen bislang jedes Jahr einen Teil seines Gewinns an die Aktionäre ausgeschüttet.

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Ähnlich ist es bei Nestlé : Die Schweizer zahlen bereits seit 1959 ununterbrochen eine Dividende, die, wie der Konzern auf seiner Website nicht ohne stolz verkündet, zuletzt in 23 aufeinanderfolgenden Jahren angehoben wurde.

Einerseits. Andererseits macht beispielsweise Helge Müller, Chief Investment Officer von Genève Invest in Luxemburg, darauf aufmerksam, dass Konsumgüterhersteller und sogenannte Dividenden-Aristokraten in der Vergangenheit nicht unbedingt zu den Papieren gehörten, die in Marktkorrekturen am stärksten nachgegeben haben. Folglich bergen diese Papiere in einer Erholung auch nicht unbedingt das größte Aufwärtspotenzial, so Müller.

Also doch gleich wieder hinein in die in den vergangenen Jahren so hochgejazzten Technologietitel wie Amazon, Apple, Netflix oder Facebook? Immerhin mussten einige dieser Papiere in den Turbulenzen der vergangenen Wochen erheblich Federn lassen.

"Derzeit gilt 'Cash is King'", meint dazu Vermögensverwalter Wiese. Sprich: In extrem turbulenten Zeiten am Aktienmarkt kann es seiner Ansicht nach nicht schaden, auch mal ein gewisses Maß an Liquidität zur kurzfristigen Verfügung auf einem Konto liegen zu lassen und auf günstige Einstiegschancen zu warten.

"Grundsätzlich bietet sich in der aktuellen Lage an, ausreichend Liquidität bereitzuhalten, auch wenn diese gegebenenfalls unverzinst ist", sagt auch Marcus Meder von der Finum.Private Finance AG in Bremen. "Eine Quote von mindestens 15 Prozent halten wir für sinnvoll. Fein dran ist, wer über mehr verfügt und diese sukzessive in einem dynamischen Investmentprozess platzieren kann."

Wer sich an diese Ratschläge hält sollte allerdings nicht vergessen, dass es - siehe oben - bislang nur wenigen gelungen ist, das richtige Timing für den Aus- und Einstieg an der Börse zu finden. Viele Investoren dagegen machen dabei auf Dauer Bekanntschaft mit einer alten Börsenweisheit: Hin und her macht Taschen leer.