Mittwoch, 19. Juni 2019

Verkehrte Welt für Gold Wo negative Zinsen positiv sind

Gold strahlt wieder
Heraeus Holding/DPA
Gold strahlt wieder

Anleihen werfen kein Geld mehr ab. Schlimmer noch, unter dem Strich verlieren viele Geld. Profiteur ist ein alter Bekannter.

Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. 0:2 zum Beispiel , für die Fußballfans. Oder eben neun Billionen. Auf neun Billionen Euro beläuft sich inzwischen der Wert von Anleihen, die weltweit negative Renditen abwerfen, schreibt die "FAZ". Damit verkehrt sich eine Argumentation aus der Vergangenheit in ihr Gegenteil. Und viele Investoren haben bereits reagiert.

Folgen Sie Arne Gottschalck auf twitter

Sie kauften Gold Börsen-Chart zeigen. Denn Gold gilt zum einen als sicherer Hafen. Zum anderen aber gereicht dem Edelmetall nun das zum Vorteil, was ihm stets angekreidet wurde. Gold wirft nämlich keine Zinsen ab. Aus genau diesem Grund haben in der Vergangenheit viele Experten immer wieder von Gold abgeraten. Doch nun greifen immer mehr bei Gold zu. Aus Verzweiflung.

Denn die rekordniedrigen Leitzinsen sorgen dafür, dass Anleihen nicht nur den Renditedurst nicht löschen, sondern dass sie Geld verdunsten lassen. Und so dürfte es weitergehen, so die Furcht der Investoren. Denn weder die Europäische Zentralbank EZB noch die US-Zentralbank Fed scheinen willens, von dieser Politik abzurücken. Entsprechend suchen Investoren nach Alternativen. Gestiegenes Interesse an "Liquid Alternatives" zum Beispiel verzeichnet das Analysehaus Absolut Research. Fonds also, die aufgrund großer Freiheit in jeder Marktphase Geld verdienen können. Doch immer mehr Investoren greifen offenbar lieber zu Gold.

In den vergangenen Monaten verbuchten Gold-Indexfonds laufend Zuflüsse. Solche Produkte sind oftmals mit echtem Geld hinterlegt. Um 443 Tonnen sind die Goldbestände allein 2016 gestiegen, so hoch wie zuletzt im Oktober 2013. "Gold macht, was eine Anlage wie Gold machen sollte", sagte Dominic Schnider, Rohstoff-Chef im Vermögensmanagement der UBS. "Gold hat geliefert, was erwartet wurde: Es läuft extrem gut in schwierigen Zeiten." Und dass das Metall keine Zinsen abwirft? Geschenkt. Denn zumindest zehrt es nicht das Vermögen auf, wie es bei Anleihen geschieht.

Freilich, statt der verborgenen Geldentwertung bei den Anleihen fallen bei Gold-Investments Kosten an, zum Beispiel für die Verwahrung des Edelmetalls. Wer Goldmünzen kauft, wird diese in aller Regel im Schließfach einer Bank deponieren. Und das kostet Miete. Für Goldfonds wiederum werden jährlich Gebühren fällig.

Ist Gold deswegen eine schlechte Idee der Investoren? Nein. Denn diese Gebühren werden offen ausgewiesen. Der schleichende Wertverlust der Anleihen indes erfolgt ohne Ansage, im Stillen. Der Glaube an die Stabilität - Geldillusion, sagen Wissenschaftler dazu. Finger weg, sagen immer öfter Investoren.

© manager magazin 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung