Warten auf die Goldpreis-Wende Worauf Goldfans nach dem Trump-Schock hoffen können

Enttäuschung: Anleger hatten nach einem Wahlsieg Trumps mit einem Anstieg des Goldpreises gerechnet - doch es kam anders

Enttäuschung: Anleger hatten nach einem Wahlsieg Trumps mit einem Anstieg des Goldpreises gerechnet - doch es kam anders

Foto: DPA, Reuters

Die Menschen in Deutschland werden offenbar mehr und mehr zu einem Volk von Goldfans. Noch nie besaßen sie so viel von dem Edelmetall, wie derzeit. Zuletzt schauten die Goldbesitzer nicht nur hierzulande allerdings in die Röhre: Nach der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten blieb der für diesen Fall allgemein erwartete Anstieg des Goldpreises aus. Stattdessen geschah das Gegenteil: Gold  beschleunigte seine seit Monaten andauernde Talfahrt.

Den Anlegern in Deutschland dürfte der jüngste Rückgang beim Goldpreis besonders große Schmerzen bereiten. Denn sie haben in letzter Zeit besonders stark in diese Anlageklasse investiert. Das zeigt eine Studie der Steinbeis-Hochschule und der Reisebank, die vor wenigen Tagen veröffentlicht wurde.

Der Untersuchung zufolge kaufte in den vergangenen zwei Jahren gut jeder vierte Deutsche - genau genommen waren es 27 Prozent - Gold. Im Schnitt nahmen Privatleute dabei jeweils knapp 4200 Euro in die Hand. Der Goldschatz der privaten Haushalte in Deutschland erreichte mit einem Plus von 477 Tonnen seit 2014 auf diese Weise die Rekordmenge von aktuell 8672 Tonnen, so die Steinbeis-Studie.

Als Gründe für die Beliebtheit des gelben Edelmetalls gelten eine allgemeine Unsicherheit in Bezug auf die künftige Entwicklung in Wirtschaft und Politik sowie die niedrigen Zinsen, die Sparprodukte wie Bankkonten, Tages- und Festgeld nicht sehr attraktiv erscheinen lassen. Goldbarren und -münzen dagegen gelten für viele nach wie vor als sichere Geldanlage mit Wertsteigerungspotenzial.

Flucht in Sachwerte

"Wir sehen seit Jahren eine Flucht in Sachwerte", erläutert Oliver Heuschuch, Leiter Edelmetallhandel bei der Degussa Goldhandel GmbH. "Der Brexit und die US-Wahl haben diesen Trend verstärkt. Der Oktober war ein Trump-Monat." Dass Donald Trump zum US-Präsidenten gewählt wurde, habe der Nachfrage nach Gold noch einmal einen Schub gegeben, so Heuschuch.

Die Krux: Privatanleger, die sich vom Wahlsieg Trumps tatsächlich zum Goldkauf haben bewegen lassen, lagen damit offenbar mit der Mehrheit der Investoren am Goldmarkt nicht auf einer Linie. Diesen Schluss lässt jedenfalls die Entwicklung des Goldpreises seit der US-Wahl zu.

Fotostrecke

Lithium: Das weiße Gold

Foto: Doc Searls / CC BY 2.0

Noch bis kurz vor der Wahl war sich die Fachwelt einig gewesen: Sollte Donald Trump tatsächlich gewinnen, so dürfte ein veritabler Crash an den Finanzmärkten folgen - und ein Anstieg des Goldpreises. Denn als vermeintlich "sicherer Hafen" für Geldanlagen sollte Gold von der mit einem künftigen US-Präsidenten Trump gestiegenen Unsicherheit in der Welt profitieren, so die weit verbreitete Ansicht.

Analysten alarmiert - Goldpreis erreicht "Todeskreuz"

Doch es kam anders: Seit klar ist, dass Trump als nächster US-Präsident ins Weiße Haus einziehen wird, herrscht an den Aktien- und Anleihemärkten eine merkwürdige Zuversicht in Bezug auf die Aussichten der US-Wirtschaft. Investoren glauben offenbar an Trumps Versprechen eines stärkeren US-Wachstums, welches dieser mit einer stärkeren Verschuldung, mit Deregulierung und mit milliardenschweren staatlichen Infrastrukturinvestitionen anzukurbeln verspricht.

Anstelle der Kursverluste treten daher nun Gewinne bei den Aktien etwa großer Banken, Pharma- und Bauunternehmen. Auch der US-Dollar hat in diesem Zuge bereits kräftig zugelegt. Und die Kurse von Staatsanleihen in den USA und anderswo gaben stark nach, weil Investoren offenbar mit künftig steigender Inflation und höheren Zinsen rechnen.

Damit zeigten die Finanzmärkte die entgegengesetzte Reaktion zu den Erwartungen vor der US-Wahl - und das gilt auch für den Goldpreis.

Keine Trump-Panik, keine Investorenflucht, kein Börsencrash - stattdessen: steigende Zinsen in den USA, ein steigender Dollar und Optimismus in Bezug auf die US-Konjunktur. All diese Faktoren drücken auf den Goldpreis. Kein Wunder also, dass sich das Edelmetall seit Anfang November in der Spitze um mehr als 7 Prozent verbilligt hat.

"Todeskreuz" zieht häufig Verluste nach sich

Gold scheint damit seinen Abwärtstrend, der bereits im Sommer einsetzte, noch zu beschleunigen. Analysten sind bereits alarmiert: Im Chartbild des Goldpreis kreuzte jüngst die Linie des 50-Tages-Durchschnittspreises jene des 200 Tages-Durchschnittspreises von oben nach unten. Der Fachmann spricht bei dieser Konstellation vom "Todeskreuz" - und das zieht den Experten zufolge häufig weitere Verluste nach sich.

Einzig die Erwartung einer höheren Inflation in den USA könnte dem Goldpreis im Zusammenhang mit der zurückliegenden US-Wahl Auftrieb geben. Denn Gold gilt allgemein als Schutz vor Geldentwertung und könnte also von Investoren zu diesem Zweck nun verstärkt angesteuert werden.

Das Problem ist jedoch, dass die nominalen Zinsen in den USA offenbar bereits stärker steigen als die Preise, was zu einem Anstieg der realen Verzinsung führt.

Fotostrecke

Lithium: Das weiße Gold

Foto: Doc Searls / CC BY 2.0

"Mit dem Sieg Trumps haben sich die Märkte massiv gedreht", sagt dazu Paul Wong, Portfoliomanager bei Sprott Asset Management, laut "Financial Times". "Der Punkt für Gold ist, dass der Ausverkauf der Anleihen und der Anstieg der Zinsen schneller verlaufen, als der Anstieg der Inflationserwartungen. So entstehen steigende Realzinsen."

Warum Goldfans auf Populisten hoffen könnten

Wie diese Entwicklung weiter geht, wird auch von der US-Notenbank Fed abhängen. Denn sie hat wesentlichen Einfluss darauf, wie sich die Zinsen im Dollarraum künftig entwickeln werden.

Einen Zinsschritt nach oben hat die Fed bereits Ende 2015 gemacht, der nächste wird für den kommenden Dezember erwartet. Aber in welchem Tempo dreht die Notenbank dann weiter an der Zinsschraube? Goldanleger sollten genau hinschauen.

Sollte die Fed weiterhin die Zinsen erhöhen, noch bevor die Inflation angezogen hat, so dürfte dies schlecht für den Goldpreis sein, glaubt Axel Merk von Merk Investments in San Francisco. Nur wenn sich die Fed zurückhält und der Inflation zunächst die Möglichkeit zur Entfaltung gibt, könnte Gold davon profitieren, so der Experte.

Und es gibt noch einen Hoffnungsschimmer für Goldbesitzer: Nicht nur in den USA, sondern auch in Europa sind populistische Kräfte auf dem Vormarsch. Anders als in den Vereinigten Staaten dürfte deren Aufstieg auf dem alten Kontinent von den Finanzmärkten allerdings nicht eben begrüßt werden. Schließlich sind viele dieser Gruppierungen wie etwa die AfD in Deutschland oder der Front National in Frankreich extrem Euro-kritisch ausgerichtet.

Sprich: Legen die Populisten in Europa zu, könnte auch der Goldpreis steigen. Goldfans sollten also die Wahlen in europäischen Ländern in nächster Zeit aufmerksam verfolgen: Das Ergebnis könnte - je nach persönlicher Ansicht - politisch enttäuschen und dennoch gut fürs Vermögen sein.

Trump will kein Präsidenten-Gehalt - das kassieren andere Staatschefs:

manager magazin online
Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.