Edelmetall Diese Kräfte zerren am Goldpreis

Goldbarren: Der Preis des Edelmetalls bewegt sich derzeit kaum - wie lange bleibt es dabei?

Goldbarren: Der Preis des Edelmetalls bewegt sich derzeit kaum - wie lange bleibt es dabei?

Foto: Frank Rumpenhorst/ picture alliance / dpa

Goldinvestoren, die glauben, dass es derzeit besonders still um das Edelmetall geworden ist, irren sich nicht: Tatsächlich war der November der ruhigste Monat am Goldmarkt seit mehr als zehn Jahren. Lediglich 34,50 Dollar lagen zwischen dem höchsten und dem niedrigsten Goldpreis in dem Monat. Das ist die geringste Handelsspanne innerhalb eines Monats seit Oktober 2005, berichtet das "Wall Street Journal".

Gibt es also zurzeit nichts, das den Goldpreis  bewegen könnte? Im Gegenteil: Tatsächlich finden sich gleich eine ganze Reihe von Einflussfaktoren auf den Preis des Edelmetalls. Doch diese wirken zum Teil in entgegengesetzte Richtungen - und heben sich daher momentan offensichtlich gegenseitig auf.

Da wären zunächst die Kräfte, die eher Druck auf den Goldpreis ausüben:

  • Die US-Notenbank Fed befindet sich in einem Zyklus steigender Zinsen. Dies dürfte früher oder später für ebenfalls anziehende Realzinsen an den Finanzmärkten sorgen, was wiederum die Attraktivität des Goldes tendenziell schmälert.
  • Die Schwächephase des Dollars scheint zunächst gestoppt zu sein. In den vergangenen rund zwei Monaten gewann der Greenback beispielsweise gegenüber dem Euro wieder an Wert, nachdem er zuvor rund zehn Monate lang nonstop zurückgefallen war. Da Gold in der Regel in Dollar notiert und gehandelt wird, verteuert ein steigender Dollar das Edelmetall für Käufer anderer Währungszonen - und drückt so auf die Nachfrage.
  • Die Aktienmärkte insbesondere in den USA aber auch anderswo auf der Welt befinden sich inzwischen bereits seit einigen Jahren im Aufschwung. Zwar kommt es immer wieder zu Turbulenzen und Korrekturen. Eine grundlegende Sorge, die Börsen-Hausse könnte enden, scheint es unter Investoren aber kaum zu geben. Damit haben die Anleger auch keinen Grund, in ein vermeintlich sicheres Investment auszuweichen, für das Gold nach wie vor von vielen gehalten wird.
  • Ebenfalls vor allem in den USA befindet sich die Inflation auf einem niedrigen Niveau. Gold genießt traditionell einen Ruf als Absicherung gegen Geldentwertung - aber wo es keine Preissteigerungen gibt, besteht aus Sicht von Investoren offenbar auch keine Notwendigkeit, sich dagegen abzusichern.
  • Nicht zuletzt ist mit der Kryptowährung Bitcoin in den vergangenen Monaten ein Asset in den Fokus der Anleger gerückt, das Gold - umgangssprachlich gesagt - ein wenig die Show stiehlt. Viele Investoren, die auf den Bitcoin-Zug aufgesprungen sind und sich an der wilden Spekulation beteiligen, die den Preis des Digitalgeldes auf inzwischen etwa 12.000 Dollar getrieben hat, dürften Gold stattdessen aus den Augen verloren haben. "Wir bekommen Anrufe von Leuten, bei denen es immer nur um Bitcoins geht", zitiert beispielsweise das "Wall Street Journal " den Anlagestrategen eines US-Investmenthauses. "Bei vielen dieser Anrufe hätte wahrscheinlich dieselbe Person noch vor zehn Jahren nach dem Kauf von Gold gefragt."

Soweit die negativen Faktoren für den Goldpreis, angesichts derer es kaum verwundern würde, wenn sich der Preis nach unten bewegen würde. Tatsächlich verzeichnet Gold zwar auf Sicht der vergangenen drei Monate einen Abschlag von knapp 2 Prozent auf einen Preis von aktuell etwa 1268 Dollar je Unze. Mit Blick auf die vergangenen zwölf Monate hat das Edelmetall damit jedoch immer noch um immerhin etwa 8 Prozent zugelegt.

Was die Experten im kommenden Jahr erwarten

Auch dafür lassen sich Gründe finden, und die hängen zum Teil direkt mit den bereits genannten Negativeinflüssen zusammen:

  • Die Tatsache, dass die Inflation in den USA bislang nicht anzieht, lässt die US-Notenbank Fed eher zögerlich an weitere Zinsschritte herangehen.
  • Über einen Großteil des genannten Zwölf-Monats-Zeitraums befand sich der Dollar noch erheblich unter Druck, was wiederum dem Goldpreis Auftrieb verliehen haben dürfte.
  • Auch die anhaltenden Spannungen in der Weltpolitik - insbesondere zwischen den USA und Nordkorea - dürften am Goldmarkt aufmerksam verfolgt werden. Gold als vermeintlich sicherer Hafen für die Geldanlage sollte von derartigen Unsicherheiten in der Regel eher profitieren.

Entsprechend dieser widerstrebenden Einflüsse auf den Goldpreis  sind auch die Aussichten des Edelmetalls schwierig zu beurteilen. Weil die Realzinsen niedrig blieben und der Dollar schwach, werde Gold im kommenden Jahr leicht steigen, zitiert beispielsweise Bloomberg  einen Rohstoffexperten von TD Securities in Toronto. "Wir erwarten keinen großen Schock von der Fed", sagte er in einem Interview.


Im Video: Die 5 häufigsten Fehler bei der Geldanlage

manager-magazin.de / Wochit


Auch beim New Yorker Research-Unternehmen CPM überwiegt der Optimismus. Zwar hätten sich angst-getriebene Anleger aus dem Markt zurückgezogen, meint ein Geschäftsführer des Hauses. Dafür seien jedoch neue Investoren hinzugekommen. Letztere seien an Gold interessiert, weil Aktien und Anleihen zum Großteil bereits sehr teuer seien, so der Experte.

Weniger zuversichtlich ist beispielsweise die Citigroup, die eine eher strikte Linie der Fed sowie kommende US-Steuersenkungen und ein ziemlich maues Geschäft mit Goldschmuck in Asien erwartet. Starke Aussichten für die Wirtschaft in den Industrie- und Schwellenländern dürften 2018 Druck auf den Goldpreis ausüben, so die Bank. Den Preis sieht das Institut im kommenden Jahr bei 1270 Dollar je Unze - ziemlich genau da also, wo er sich gegenwärtig bereits befindet.

Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.