Preisanstieg trotz steigender Zinsen Warum der Goldpreis nicht macht, was die Theorie verlangt

Edle Geldanlage: Der Goldpreis zog zuletzt trotz Zinsanstiegs wieder an

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Hoffnung für Goldfans: Warum Sie jetzt Gold kaufen können

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Diese Faustregel gehört wohl zu den am häufigsten zitierten in der Finanzwelt: Steigen die Zinsen, dann ist das schlecht für den Goldpreis. Denn der Zinsanstieg lässt Anleihen und andere Bankanlagen attraktiver werden, was Anleger veranlassen müsste, Geld aus dem Edelmetall abzuziehen.

Insbesondere ein Zinsanstieg in den USA, so wird ebenfalls häufig argumentiert, sollte den Goldpreis unter Druck setzen. Denn dadurch gewinnt auch der US-Dollar an Attraktivität. Und sobald der Dollar teurer wird, verteuert sich - weil Gold in Dollar notiert ist - de facto für viele Anleger außerhalb der USA auch das Investment in Gold. Die Nachfrage müsste also sinken.

Soweit die Theorie. Wer sich allerdings das Geschehen am Finanzmarkt anschaut, erkennt: Der Goldpreis hat zumindest bei den vergangenen drei Zinsanhebungen in den USA nicht mit Verlusten reagiert. Einige Fachleute verweisen zudem auf weiter zurückliegende Zinsschritte, bei denen die Reaktion des Goldpreises ebenfalls nicht ins Klischee gepasst habe.

Gold  notiert zurzeit etwa bei 1239 Dollar je Feinunze. Damit ist das Metall seit dem jüngsten Zinsschritt im vergangenen Dezember um rund 7 Prozent teurer geworden. In den zwei Monaten nach der vorherigen Zinserhöhung durch die US-Notenbank Fed im Dezember 2015 stieg der Preis des Edelmetalls ebenfalls, und zwar sogar um etwa 13 Prozent. Und auch beim davor letzten Fed-Zinsschritt nach oben im Jahr 2006 ging es hinterher mit dem Goldpreis aufwärts.

Wie kommt es also zu dieser augenscheinlichen Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis. Ein Grund ist zweifellos, dass das Zinsniveau nur ein Faktor ist, der den Goldpreis beeinflusst, aber längst nicht der einzige. Ein weiterer ist zurzeit beispielsweise US-Präsident Donald Trump und die von ihm ausgelöste Erwartungshaltung an den Märkten.

Unmittelbar nach der Wahl Trumps machte sich Optimismus bei Investoren breit ob der Versprechen des neuen Herrn im Weißen Haus, die US-Wirtschaft noch stärker anzukurbeln. Folge: Die Aktienkurse vor allem in den USA stiegen stark an - und der Goldpreis geriet im Gegenzug unter Druck.

Der Unterschied zwischen steigenden Zinsen und hohen Zinsen

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Inzwischen ist die Aufwärtsbewegung am Aktienmarkt wieder ins Stocken geraten, weil Investoren offenbar zunächst abwarten, ob der US-Präsident entsprechend seinen Versprechungen auch liefern wird. Diese Vorsicht erklärt auch zum Teil die Gewinne, die der Goldpreis seit Jahresbeginn einstreichen konnte.

So zitiert die Nachrichtenagentur Bloomberg beispielsweise den US-Investor und früheren Vertrauten von Hedgefonds-Legende George Soros, Stanley Druckenmiller, er habe in den vergangenen Wochen Gold gekauft, weil er Vorbehalte gegenüber der künftigen US-Politik habe. Unmittelbar nach der US-Wahl hatte Druckenmiller dagegen eigenen Angaben zufolge seine Goldbestände zunächst abgebaut .

Davon abgesehen gibt es allerdings auch grundlegende Überlegungen, mit denen sich die scheinbar untypische Bewegung des Goldpreises erklären lässt. Goldexperte Martin Siegel von der Stabilitas GmbH beispielsweise hält die Verteuerung des Edelmetalls nach einer Zinsanhebung für logisch.

Hohe Zinsen, so Siegel, drücken sehr wohl auf den Goldpreis, denn Gold stehe dann als zinslose Anlage schlechter da. Steigende Zinsen dagegen ließen Investoren, die in Anleihen investiert sind, nach Alternativen suchen. Der Grund: Steigende Zinsen lassen gleichzeitig die Kurse von bereits umlaufenden Anleihen fallen - die Papiere werden also für die Dauer des Zinssteigerungszyklus unattraktiver für Investoren.

Die Folge laut Siegel: Anleger fliehen aus dem Anleihemarkt und landen - zum Beispiel beim Gold.

Das Geheimnis der realen Zinsen

Auch Robert Hartmann, Chef des Münchener Gold-Handelshauses Pro Aurum, wundert sich nicht über den Aufwärtstrend des Goldpreises seit dem US-Zinsschritt. "Es ist schon richtig", so Hartmann zu manager magazin online. "Gold wirft keine Zinsen ab und verliert deshalb theoretisch an Attraktivität, wenn der Zins alternativer Anlagen steigt." Entscheidend ist nach Ansicht des Experten jedoch nicht der nominale Zins, sondern der reale.

"Der reale Zins ergibt sich, nachdem vom nominalen Zins die allgemeines Preissteigerung abgezogen wurde", erläutert Hartmann. "Solange dieser reale Zins negativ bleibt - was derzeit noch in weiten Teilen der Finanzwelt der Fall ist -, solange ändert sich auch nicht viel an der Attraktivität von Gold."

Im Klartext heißt das: Die Notenbank Fed erhöht zwar die Zinsen - sie tut es gemessen an der Inflation in den USA jedoch nicht schnell genug. In Europa sei das Bild noch klarer, so Hartmann, denn die Europäische Zentralbank habe noch nicht einmal mit Zinsanhebungen begonnen. Der Pro-Aurum-Chef ist sich vielmehr sicher: "In der Euro-Zone werden wir in nächster Zeit noch eine Ausweitung des negativen Realzinses erleben."

Was vor allem Goldkäufer in der Euro-Zone ebenfalls bedenken sollten: Die politischen Unsicherheiten angesichts der kommenden Wahlen in Frankreich, den Niederlanden und Deutschland könnten den Euro zusätzlich unter Druck setzen. Wohl dem also, der angesichts dessen bereits Gold besitzt. Denn fällt der Euro und steigt demgegenüber der Dollar, so steigt auch der Wert des in Dollar nominierten Goldes im Depot.

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