Dienstag, 2. Juni 2020

Krisenwährung weiterhin gefragt Warum der Goldpreis noch immer Luft nach oben hat

Begehrte Ware: Goldbarren stehen derzeit buchstäblich hoch im Kurs.
Pascal Lauener/ REUTERS
Begehrte Ware: Goldbarren stehen derzeit buchstäblich hoch im Kurs.

Goldbesitzer benötigen derzeit - wieder einmal - starke Nerven: Der Preis des Edelmetalls legte bis Mitte April vor dem Hintergrund der weltweiten Corona-Pandemie zunächst eine beachtliche Rally hin. Seither schwankt der Goldpreis jedoch zum Teil kräftig. Zugleich haben sich auch die Aktienmärkte von den extremen Tiefen des Corona-Crashs wieder erholt. Ist also der Sturm bereits vorüber, haben die Finanzmärkte die Corona-Krise schon abgehakt?

Zahlreiche Fachleute sehen für Gold Börsen-Chart zeigen, das gegenwärtig knapp oberhalb von 1700 Dollar je Unze notiert, weiterhin Potenzial nach oben. Martin Siegel etwa, Edelmetallexperte und Geschäftsführer der Stabilitas GmbH, sieht sowohl Gold als auch Silber nach wie vor in einem stabilen Aufwärtstrend. "Gold konnte den Einbruch im März mehr als kompensieren und hat sich eindeutig als Krisenmetall bestätigt", sagt er. "Das Edelmetall kompensiert die inflationären Problematiken, die das hohe Liquiditätsniveau im Markt mit sich bringt."

Ähnlich klingt das Urteil der Experten von der Commerzbank Börsen-Chart zeigen. Der jüngste Preisrückgang um bis zu 50 US-Dollar je Unze dürfte auf Erwartungen einer baldigen Normalisierung des Wirtschaftslebens zurückzuführen sein, heißt es in deren jüngstem Marktbericht. Zudem gebe es Hoffnungen auf Fortschritte bei der Entwicklung eines Impfstoffs beziehungsweise Medikaments gegen Covid-19.

Eine schnelle wirtschaftliche Normalisierung scheine jedoch illusorisch, so die Commerzbank mit Verweis auf die "katastrophalen Konjunkturzahlen der letzten Wochen". Auch in der laufenden Woche sei zudem mit weiteren schlechten Nachrichten zu rechnen. "Zu nennen ist hier insbesondere der US-Arbeitsmarktbericht, der am Freitag mit schockierenden Zahlen aufwarten dürfte", so die Bank. "Unsere Volkswirte erwarten einen Stellenabbau von 25 Millionen Jobs und eine Arbeitslosenquote von 17 Prozent, den höchsten Stand seit Anfang der 30er Jahre, wobei diese Zahlen die Realität vermutlich sogar noch unterzeichnen dürften."

Die Commerzbank nennt zudem "die massive Liquiditätsausweitung durch die beispiellosen Maßnahmen der Zentralbanken" und den Anstieg der öffentlichen Verschuldung. Auch diese Faktoren sprechen weiterhin für Gold, so das Fazit.

In eine ähnliche Richtung argumentiert auch das kanadische Investmenthaus Sprott, das auf Edelmetall-Anlagen spezialisiert ist. Die Realzinssätze seien negativ und die Bilanzen der US-Notenbank sowie der Europäischen Zentralbank (EZB) befänden sich auf einem Allzeithoch, lauten zwei von zahlreichen Punkten, mit denen Sprott in einem aktuellen Marktmonitor seinen Optimismus für einen weiter steigenden Goldpreis untermauert.

Besonders optimistisch äußert sich die Schweizer Großbank UBS. Der Goldpreis könne seine Höchststände der vergangenen Wochen noch übertreffen, sagte deren Analystin Joni Teves zu Beginn dieser Woche im US-Fernsehen. Es gebe ein zunehmendes Potenzial für Gold, die Marke von 1800 Dollar je Unze zu knacken, so Teves zum Sender CNBC. Als Grund nannte auch sie die große Nachfrage der Anleger angesichts negativer Realzinsen und der allgemeinen Verunsicherung in der Welt.

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Erst in der vergangenen Woche hatte die Branchenorganisation World Gold Council (WGC) einen Quartalsbericht veröffentlicht. Darin stufte der WGC die globale Corona-Pandemie als den bisher größten einzelnen Einflussfaktor auf die Goldnachfrage ein. Noch ist ein Ende der Pandemie nicht in Sicht - und damit wohl auch kein Ende des hohen Interesses an Gold-Investments.

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