Krisenwährung Das Ende der Gold-Rally

Die EZB-Zinssenkung hat auch dem Goldpreis zu einem Zwischenhoch verholfen. Anleger sollten jedoch vorsichtig sein: Es gibt einige Gründe, die gegen eine baldige Erholung des Edelmetalls sprechen.
Waren mal mehr wert: Goldbarren, die es in unterschiedlicher Größe gibt

Waren mal mehr wert: Goldbarren, die es in unterschiedlicher Größe gibt

Foto: DPA

Hamburg - Am Donnerstag gab es seit langem wieder mal Grund zur Freude für Besitzer von Gold oder Goldwertpapieren: Der Preis des Edelmetalls legte binnen kurzer Zeit um mehr als 1 Prozent zu. Auch am heutigen Freitag notiert Gold leicht im Plus.

Grund sind die Entscheidungen der Europäischen Zentralbank (EZB), mit weiter gelockerter Geldpolitik die Konjunktur in Südeuropa zu stützen und eine mögliche Deflation in der Euro-Zone zu verhindern. Keine Deflation, so scheint es, wird am Markt interpretiert als: mögliche Inflation. In der Folge lenken Investoren offenbar zusätzlich Geld in Gold und andere vermeintlich "sichere Häfen". Anders ist der Anstieg des Goldpreises kaum zu erklären.

Wer den Gold-Chart  jedoch mit Abstand betrachtet, erhält ein eher ernüchterndes Bild: Seit dem Höhepunkt im August 2011, als eine Feinunze nahe 1900 Dollar notierte, ging es beinahe steig bergab. Seit Beginn dieses Jahres hat der Abwärtsdruck zwar etwas nachgelassen. Von einer Erholung des Preises kann aber bislang keine Rede sein.

Und es spricht viel dafür, dass es auch in nächster Zeit kaum dazu kommen dürfte. Der populäre US-Investmentexperte, Blogger und Bloomberg-Kolumnist Barry Ritholz hat die wesentlichen Aspekte, die gegen einen steigenden Goldpreis sprechen, kürzlich sehr treffend zusammengefasst :

1. Wirtschaftliche Stabilität: Nach der Weltwirtschaftskrise vor wenigen Jahren hat sich die Lage wieder einigermaßen gefestigt. Die Wachstumsraten sind zwar teilweise noch bescheiden, insgesamt geht es aber stetig aufwärts. Für den Goldpreis ist das keine gute Nachricht: Das Metall dient traditionell als Krisenwährung - bleibt die Krise aus, besteht auch kein übermäßiges Interesse an Gold.

2. US-Dollar-Rallye: Die gegensätzliche Korrelation zwischen dem Goldpreis und dem US-Dollar ist schon beinahe sprichwörtlich: Steigt der Dollar, fällt der Goldpreis und umgekehrt. Wer einen Blick auf die Entwicklung des Dollar-Kurses verglichen mit dem Goldpreis wirft, erkennt den Zusammenhang: Nach Ausbruch der Finanzkrise 2008 geriet die US-Währung erheblich unter Druck und Gold wurde teurer. Seit Anfang 2012 jedoch hat sich das Bild gedreht: Der Dollar steigt vor dem Hintergrund der sich erholenden US-Konjunktur - und der Goldpreis sinkt.

3. Geringe Inflation: Gold wird vielfach als Mittel zur Absicherung gegen die allgemeine Geldentwertung gepriesen. Und tatsächlich nahm die Inflationsangst weltweit zu, als Regierungen und Notenbanken rund um den Globus vor einigen Jahren begannen, die wirtschaftlichen Probleme mit einer wahren Geldflut zu bekämpfen. Denn eine wachsende Geldmenge gilt unter Volkswirten als Voraussetzung für steigende Inflationsraten.

Die Folge: Zu der Zeit stieg der Goldpreis. Inzwischen sind jedoch einige Jahre vergangen, und zu der Inflation, wie sie von vielen Experten vorhergesagt worden war, ist es bislang nicht gekommen. Anleger beruhigt das offensichtlich. Sie wenden sich von Gold ab, was den Preisanstieg beendet hat.

4. Geopolitische Lage: Auch auf der weltpolitischen Bühne geht es insgesamt ruhig zu. Zwar gibt es einzelne Krisengebiete wie Syrien oder zuletzt vor allem die Ukraine. An den Finanzmärkten herrscht jedoch offensichtlich die Auffassung vor, dass davon keine Gefahr für die internationale Stabilität ausgeht.

5. Boomende Aktienmärkte: Eine Zeit lang kursierte die Theorie, dass der Höhenflug der internationalen Aktienmärkte ausschließlich durch die Liquiditätsflut der Notenbanken gesteuert sei, und dass ein Ende dieser Liquiditätsflut zu einem mehr oder weniger verheerenden Crash führen könnte. Inzwischen zeichnet sich in den USA jedoch bereits seit einiger Zeit eine zurückhaltendere Geldpolitik ab - und der Absturz der Börse ist bislang ausgeblieben. Auch von dieser Seite gibt es also für einen Anstieg des Goldpreises keinen Treibstoff.

Letztendlich sieht es so aus, als seien all die Faktoren, die Gold in den Jahren 2001 bis 2011 zum Höhenflug verholfen haben, nicht länger wirksam, schreibt Kolumnist Ritholz. Zwar sei das Jahr noch nicht einmal zu Hälfte um und es könne noch viel passieren. Mit jedem Tag, so Ritholz, steige jedoch die Wahrscheinlichkeit, dass die Gold-Rally, die vor mehr als einer Dekade begann, vorbei ist.

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