Möglicher "Short-Squeeze" am Goldmarkt Spekulanten drohen ungewollt eine Goldpreis-Rallye zu starten

Begehrtes Edelmetall: Der Goldpreis befindet sich auf Talfahrt - Spekulanten erwarten, dass es noch weiter abwärts geht.

Begehrtes Edelmetall: Der Goldpreis befindet sich auf Talfahrt - Spekulanten erwarten, dass es noch weiter abwärts geht.

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Gold-Anleger haben seit Monaten wenig Freude an ihrem Investment, der Preis des Edelmetalls sinkt und sinkt. Experten zufolge könnte sich das jedoch in Kürze beinahe dramatisch ändern. Denn Spekulanten haben gigantische sogenannte Short-Positionen auf Gold aufgebaut. Sollten diese Wetten nicht aufgehen, könnte es am Goldmarkt zu einem sogenannten Short-Squeeze kommen. Dann würde es mit dem Goldpreis demnächst womöglich rasant aufwärtsgehen.

Daten der US-Börsenaufsicht CFTC zufolge, aus denen auch die Commerzbank in einem Marktreport zitiert, stiegen die Short-Positionen der spekulativen Anleger am Goldmarkt im August auf das höchste Niveau, das bisher beobachtet wurde. Allein gegenüber Ende Juni habe sich der Umfang der Short-Wetten verdoppelt, so die Commerzbank. Inzwischen sei sogar der seltene Fall eingetreten, dass die Short-Positionen der Investoren den Umfang der Long-Positionen weit übersteigen.

Dass spekulative Finanzanleger "netto-short" sind, sei ohnehin ungewöhnlich, schreibt dazu die Bank. Das aktuelle Niveau sei darüber hinaus "beispiellos".

Im Klartext heißt das: Am Goldmarkt gibt es auch nach den Rückschlägen der vergangenen Monate derzeit immer noch sehr viele Player, die mit einem weiter fallenden Preis rechnen. Diese Akteure sind nicht nur von der Fortsetzung der Talfahrt überzeugt, sondern sie haben auch viel Geld auf diese Erwartung gesetzt. Laut Commerzbank haben diese Investoren die Preisbaisse durch ihre Positionierung sogar noch zusätzlich beschleunigt.


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Das Problem derart umfangreicher Short-Positionen ist jedoch: Damit sie aufgehen, muss sich das Kalkül der Spekulanten erfüllen, der Goldpreis muss also tatsächlich weiter fallen. Nur in dem Fall können die Leerverkäufer ihre offenen Positionen am Markt zum erhofften günstigen Preis schließen und das beabsichtigte Geschäft erfolgreich beenden.

Liegen die Shortseller dagegen mit ihrer Erwartung falsch, so droht ihnen Ungemach: In dem Fall steigt der Goldpreis wider Erwarten, und die Spekulanten, die trotz allem gezwungen sind, Gold zu erwerben, um ihre offenen Positionen zu schließen, tragen mit ihren Käufen noch zusätzlich zum Anstieg bei. Das kann insbesondere bei so umfangreichen Short-Positionen, wie es sie gegenwärtig am Goldmarkt gibt, in eine dramatische Entwicklung münden, die im Fachjargon "Short-Squeeze" genannt wird. Die Folge wäre ein rasantes Ansteigen des Preises.

Der Preis, ab dem es für Shortseller ungemütlich wird

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Die Frage ist also: Welche Richtung schlägt der Preis des Edelmetalls in nächster Zeit ein? Geht es weiter abwärts, sodass die Shortseller Kasse machen können? Oder geht es aufwärts, sodass die Leerverkäufer gezwungen sind, zu unvorhergesehen hohen Preisen zu kaufen und den Anstieg damit zusätzlich anzutreiben, kommt es also zum "Short-Squeeze"?

In den vergangenen Handelstagen konnte sich der Goldpreis  bereits leicht erholen. Seit Mitte August stieg er bereits von weniger als 1190 Dollar je Feinunze auf aktuell rund 1217 Dollar je Unze. Die Analysten der Commerzbank gehen davon aus, dass das Ende der Erholung damit noch nicht erreicht ist. Sie erwarten, dass es tatsächlich zu einem "Short-Squeeze" kommen wird. "Sollte es aber einen solchen geben", so die Bank in einer Einschätzung vom heutigen Mittwoch, "wird dies dem Goldpreis wohl Flügel verleihen und ihn in Richtung unserer Jahresendprognose von 1300 USD je Feinunze schieben."

Tatsächlich gibt es verschiedene mögliche Gründe für eine Fortsetzung der Goldpreiserholung, die diesen "Short-Squeeze" zur Folge haben könnte. Der US-Dollar etwa könnte weiter nachgeben, nachdem seine Schwächung zweifellos bereits zum jüngsten Goldpreisanstieg beigetragen hat. Der Vermögensverwalter VanEck verweist zudem auf den hohen Verschuldungsgrad in den USA, der eine neue Krise auslösen könnte. Auch das wäre positiv für den Goldpreis, so VanEck-Portfolio-Manager Joe Foster.


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Noch hat der Goldpreis aber offenbar nicht das notwendige kritische Niveau erreicht, um Shortseller in größerem Stil in Schwierigkeiten zu bringen. Der Preis müsse noch weiter steigen, um zu einer "explosiven Rallye" zu führen, sagt Ryan McKay, ein Analyst bei TD Securities in Toronto, gegenüber dem Finanznachrichtendienst Bloomberg. So weit sei es noch nicht, wenngleich der Punkt womöglich kurz bevorstehe, so McKay.

Es ist noch zu früh, meint auch George Gero von RBC Wealth Management. Der "Squeeze" werde vermutlich nicht beginnen, bevor Gold über 1225 Dollar je Feinunze steige.

Verschiedene Experten verweisen in dem Zusammenhang auf die Marktsituation Ende 2015, als Gold-Pessimisten ebenfalls im größeren Umfang auf einen fallenden Preis gewettet hatten. Auch damals mussten Shortseller, die auf dem falschen Fuß erwischt wurden, ungewollte Käufe tätigen, was den Goldpreis in der Folge binnen sechs Monaten um rund 300 Dollar je Unze in die Höhe trieb. Dabei waren die Netto-Short-Positionen seinerzeit verglichen mit heute sogar noch deutlich geringer, wie die Commerzbank feststellt.

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