Freitag, 20. September 2019

Möglicher "Short-Squeeze" am Goldmarkt Spekulanten drohen ungewollt eine Goldpreis-Rallye zu starten

Begehrtes Edelmetall: Der Goldpreis befindet sich auf Talfahrt - Spekulanten erwarten, dass es noch weiter abwärts geht.

2. Teil: Der Preis, ab dem es für Shortseller ungemütlich wird

Die Frage ist also: Welche Richtung schlägt der Preis des Edelmetalls in nächster Zeit ein? Geht es weiter abwärts, sodass die Shortseller Kasse machen können? Oder geht es aufwärts, sodass die Leerverkäufer gezwungen sind, zu unvorhergesehen hohen Preisen zu kaufen und den Anstieg damit zusätzlich anzutreiben, kommt es also zum "Short-Squeeze"?

In den vergangenen Handelstagen konnte sich der Goldpreis Börsen-Chart zeigen bereits leicht erholen. Seit Mitte August stieg er bereits von weniger als 1190 Dollar je Feinunze auf aktuell rund 1217 Dollar je Unze. Die Analysten der Commerzbank gehen davon aus, dass das Ende der Erholung damit noch nicht erreicht ist. Sie erwarten, dass es tatsächlich zu einem "Short-Squeeze" kommen wird. "Sollte es aber einen solchen geben", so die Bank in einer Einschätzung vom heutigen Mittwoch, "wird dies dem Goldpreis wohl Flügel verleihen und ihn in Richtung unserer Jahresendprognose von 1300 USD je Feinunze schieben."

Tatsächlich gibt es verschiedene mögliche Gründe für eine Fortsetzung der Goldpreiserholung, die diesen "Short-Squeeze" zur Folge haben könnte. Der US-Dollar etwa könnte weiter nachgeben, nachdem seine Schwächung zweifellos bereits zum jüngsten Goldpreisanstieg beigetragen hat. Der Vermögensverwalter VanEck verweist zudem auf den hohen Verschuldungsgrad in den USA, der eine neue Krise auslösen könnte. Auch das wäre positiv für den Goldpreis, so VanEck-Portfolio-Manager Joe Foster.


manager magazin und Mynd erklären: So funktionieren Short-Attacken

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Bild: Mynd

Noch hat der Goldpreis aber offenbar nicht das notwendige kritische Niveau erreicht, um Shortseller in größerem Stil in Schwierigkeiten zu bringen. Der Preis müsse noch weiter steigen, um zu einer "explosiven Rallye" zu führen, sagt Ryan McKay, ein Analyst bei TD Securities in Toronto, gegenüber dem Finanznachrichtendienst Bloomberg. So weit sei es noch nicht, wenngleich der Punkt womöglich kurz bevorstehe, so McKay.

Es ist noch zu früh, meint auch George Gero von RBC Wealth Management. Der "Squeeze" werde vermutlich nicht beginnen, bevor Gold über 1225 Dollar je Feinunze steige.

Christoph Rottwilm auf Twitter

Verschiedene Experten verweisen in dem Zusammenhang auf die Marktsituation Ende 2015, als Gold-Pessimisten ebenfalls im größeren Umfang auf einen fallenden Preis gewettet hatten. Auch damals mussten Shortseller, die auf dem falschen Fuß erwischt wurden, ungewollte Käufe tätigen, was den Goldpreis in der Folge binnen sechs Monaten um rund 300 Dollar je Unze in die Höhe trieb. Dabei waren die Netto-Short-Positionen seinerzeit verglichen mit heute sogar noch deutlich geringer, wie die Commerzbank feststellt.

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