Edelmetall unter Preisdruck Fünf Mythen über Gold - entzaubert

Geheimnisvoller Glanz: Gold ist von vielen Mythen umrankt - die meisten haben mit der Realität nicht viel zu tun.

Geheimnisvoller Glanz: Gold ist von vielen Mythen umrankt - die meisten haben mit der Realität nicht viel zu tun.

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Der Goldpreis  dürfte vielen Investoren in diesem Jahr Rätsel aufgeben: Die Konjunktur zeigt vielerorts erste Zeichen der Schwäche, die Weltpolitik sorgt für viel Unruhe an den Finanzmärkten, selbst an den Aktienmärkten geht es turbulent zu. Es gibt also jede Menge Gründe, die nach gängiger Sicht für einen steigenden Goldpreis sprechen. Aber das Edelmetall verteuert sich nicht. Im Gegenteil: Seit Monaten wird es immer günstiger.

Tatsächlich ist immer häufiger zu beobachten, dass weit verbreitete Faustregeln für das Investieren in Gold ihre Gültigkeit offenbar verloren haben (sofern sie überhaupt jemals eine echte Relevanz hatten). Die Finanzinformationsplattform Bloomberg  hat fünf derartige Mythen über Gold unter die Lupe genommen - und entzaubert:

1. Mythos: Steigende US-Zinsen schaden dem Goldpreis

Viele Investoren nehmen an, dass der Goldpreis fällt, wenn - insbesondere in den USA - das reale, also inflationsbereinigte Zinsniveau steigt. Der Grund: Andere Anlageformen wie vor allem Anleihen werden dadurch attraktiver, die Opportunitätskosten für das Halten von Gold steigen also.

Diese Überlegung lässt sich in der Realität aber kaum nachweisen. Wie Bloomberg zeigt, gibt es tatsächlich kaum eine negative Korrelation zwischen dem Goldpreis und dem Zinsniveau in den USA.

Anders ist es allerdings mit dem Verhältnis zwischen Gold und dem US-Dollar. Die Faustregel, dass ein steigender Dollar den Goldpreis fallen lässt, lässt sich anhand von Daten tatsächlich belegen. Der Grund: Gold wird in Dollar gehandelt. Verteuert sich der Greenback, so verteuert sich auch das Edelmetall für Käufer außerhalb des Dollar-Raums - und deren Nachfrage geht zurück.

Auch der aktuelle Goldpreisverfall dürfte in erster Linie auf den stärkeren Dollar, und weniger auf steigende Zinsen in den USA zurückzuführen sein.

Steigt der Goldpreis, wenn die Aktienkurse fallen?

2. Mythos: Der Goldpreis steigt, wenn die Aktienkurse fallen

Auch diese Annahme ist weit verbreitet: Gold wird häufig als sicherer Hafen für Anleger bezeichnet. Geht es an den Finanzmärkten unruhig zu - fallen also beispielsweise die Aktienkurse im größeren Stil - so glauben viele an die grundlegende Solidität des Edelmetalls, dessen Preis in solchen Phasen aufgrund größerer Nachfrage also anziehen müsste.

Das trifft aber kaum zu. Wie Bloomberg anhand von Korrelationszahlen zwischen Gold und dem breiten US-Index S&P 500 zeigt, reagiert der Goldpreis eher selten, und wenn dann offenbar eher zufällig positiv auf eine fallende Börse.

Wie beeinflusst der physische Goldmarkt den Preis?

3. Mythos: Der physische Goldmarkt hat keinen Einfluss auf den Preis

Klar: Der Goldpreis wird am Finanzmarkt festgelegt, wo Großinvestoren regieren und Termingeschäfte im großen Stil abgeschlossen werden. Zwar gibt es rund um den Globus unzählige Käufer von Schmuck, Barren und Münzen. Die müssen den Preis und seine Bewegungen jedoch mehr oder weniger als von einer höheren Macht gegeben hinnehmen - beeinflussen können sie ihn nicht.

Auch das ist eine weitverbreitete Annahme - und auch sie ist nicht ganz korrekt. Zwar wird durch das Geschehen auf dem physischen Goldmarkt kaum eine Goldpreis-Rallye angetrieben, wie auch Bloomberg  feststellt. Erfahrungsgemäß sorgt die Nachfrage dort jedoch für einen gewissen Boden, wenn es mit dem Preis abwärts geht.

Auch dies lässt sich aktuell am Markt zeigen: Wie Bloomberg vorrechnet, befindet sich die Goldnachfrage in Indien gegenwärtig auf den niedrigsten Niveau seit beinahe zehn Jahren. Ein Umstand der sehr wahrscheinlich zum aktuellen Abwärtstrend beim Preis beiträgt - schließlich ist Indien der zweitgrößte Abnehmer physischen Goldes weltweit.

Bewegen ETFs den Goldmarkt?

4. Mythos: ETFs bewegen den Goldmarkt nicht

Auch dies ist offenbar ein Irrtum, was vor allem daran liegen dürfte, dass Gold-Indexfonds (ETFs) mittlerweile größer und einflussreicher sind, als viele vermutlich denken.

Wie Bloomberg berichtet, halten solche Fonds inzwischen etwa zwei Drittel der jährlichen weltweiten Goldproduktion. Alle Goldfonds , die Bloomberg beobachtet, zusammen verfügen über Bestände von 2100 Tonnen im Wert von zusammen 80 Milliarden Dollar, so der Infodienst. Kaum verwunderlich, dass Mittelflüsse bei diesen Dimensionen den Markt durchaus beeinflussen können.

Tatsächlich lässt sich für die vergangenen Jahre zeigen, dass der Goldpreis in den Jahren, in denen die Fonds an Mitteln hinzugewannen, stets gestiegen ist. Und umgekehrt: In Jahren, in denen der Goldpreis fiel, verloren auch die Fonds unterm Strich an Volumen. Damit sind Ursache und Wirkung zwar noch nicht klar zugeteilt. Die Bedeutung der Gold-ETFs für den Markt sollte aber dennoch nicht unterschätzt werden.

Nutzen Zentralbanken Goldreserven zur Rettung von Staaten?

5. Mythos: Zentralbanken nutzen Goldreserven zur Rettung von Staaten

Viele Zentralbanken sitzen auf umfangreichen Goldbeständen, und der Glaube, sie könnten diese im Ernstfall verwenden, um den jeweiligen Staaten aus einer möglichen finanziellen Notlage zu helfen, ist wohl weitverbreitet.

Diese Befürchtung erscheint laut Bloomberg aber ebenfalls unbegründet. Jahrelang gab es derartige Sorgen in Bezug auf verschiedene Schwellenländer sowie auf einige Staaten in Südeuropa, so der Nachrichtendienst. Doch bewahrheitet habe sich das bislang so gut wie nie.

Aktuell, so Bloomberg , befinde sich beispielsweise die Türkei - immerhin auf Platz 19 der größten Goldhalter der Welt - in ziemlichen Schwierigkeiten. Es sei jedoch kaum zu erwarten, dass die türkische Notenbank die Goldreserven des Landes anfasse, um die Probleme zu lösen. Allein schon deshalb nicht, weil ein Teil der Bestände gar nicht spontan verkauft werden könnte.

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