Montag, 19. August 2019

Goldpreis springt um 5 Prozent Wie die US-Notenbank den Goldpreis treibt

Goldbarren und -münzen: In den Preis des Edelmetalls ist plötzlich Bewegung gekommen.
Sven Hoppe / DPA
Goldbarren und -münzen: In den Preis des Edelmetalls ist plötzlich Bewegung gekommen.

Bewegung am Goldmarkt: Der Preis des Edelmetalls ist in den vergangenen fünf Handelstagen um rund 5 Prozent in die Höhe geschnellt. Schwankungen sind beim Goldpreis üblich, aber derartige Volatilität sticht doch heraus. Was steckt also dahinter?

Ohnehin kommt das Umfeld an den Finanzmärkten dem Goldpreis seit einiger Zeit zu Gute - jedenfalls theoretisch. Gold zählt nach wie vor zu den "sicheren Häfen" für Investoren. Wird es am Finanzmarkt ungemütlich, sollte das Edelmetall davon profitieren. Die Unsicherheit in Bezug auf die künftige Entwicklung der Konjunktur, die seit geraumer Zeit die Aktienmärkte durchrüttelt, müsste also tendenziell positiv auf den Goldpreis wirken. Hinzu kommt der Handelskonflikt zwischen den USA und China. Auch dieses Thema verunsichert Investoren schon seit geraumer Zeit, ein weiterer Pluspunkt für den Goldpreis also.

Allerdings werden die genannten Unsicherheitsfaktoren bereits seit Längerem diskutiert - nachhaltig profitieren konnte der Goldpreis davon in den vergangenen Monaten kaum. Genau das könnte sich Experten zufolge nun aber ändern, und der Anstieg des Preises in den vergangenen Tagen ist womöglich ein erster Hinweis darauf.

Was hat sich also zuletzt getan, das dem Goldpreis eine neue Perspektive geben würde? Der entscheidende Faktor, der den Mix an Goldpreistreibern perfekt macht, ist womöglich die Zinspolitik der US-Notenbank Fed. Schon vor Monaten rückte die Fed von ihrem begonnenen Zyklus der Zinssteigerungen ab, weil die US-Konjunktur erste Zeichen der Schwäche zeigte. Inzwischen hat sich das Bild weiter verändert, sodass die Fed nun offenbar sogar eine Kehrtwende hin zu Zinssenkungen in Betracht zieht.

Die deutlichsten Hinweise in diese Richtung kamen in dieser Woche von Fed-Chef Jerome Powell persönlich, der auf einer Notenbankkonferenz in Chicago sagte, die Fed werde auf Auswirkungen des Zollstreits auf die wirtschaftliche Entwicklung "angemessen reagieren". Unter Beobachtern gilt als sicher, dass Powell damit den Weg für zumindest eine Zinssenkung frei gemacht hat. Zuvor hatte mit James Bullard bereits ein weiterer Vertreter der US-Zentralbank gesagt, dass eine Zinssenkung bald angebracht sei. Am Finanzmarkt rechnen die Akteure Beobachtern zufolge derzeit sogar bereits mit zwei Zinssenkungen durch die US-Notenbank noch im laufenden Jahr.

Denn dass es solche Auswirkungen des Handelsstreits auf die US-Wirtschaft gibt, darf als sicher vorausgesetzt werden. Die Commerzbank beispielsweise verwies in einem Kommentar diese Woche auf den US-Einkaufsmanagerindex ISM für das verarbeitende Gewerbe, einen viel beachteten Frühindikator, der im Mai entgegen den Erwartungen gefallen sei. Damit mache sich auch in der US-Industrie der Handelsstreit mit China bemerkbar, so das Institut.

EZB könnte zusätzlichen Auftrieb geben

Sollte die Fed die Zinsen demnächst tatsächlich heruntersetzen, so wäre das nach der gängigen Theorie ein wichtiger Treiber für den Goldpreis. Niedrige US-Zinsen schwächen tendenziell den US-Dollar, das wiederum das Edelmetall auf dem Weltmarkt günstiger erscheinen und eine höhere Nachfrage erwarten lässt. Ein Rohstoffstratege der Finanznachrichtenseite Bloomberg etwa sagte vor diesem Hintergrund, er erwarte in nächster Zeit einen weiter steigenden Goldpreis.

Das "Wall Street Journal" zitiert zudem den Analysten Bernard Dahdah von der französischen Investmentbank Natixis, der einen Anstieg des Preises bis Jahresende auf 1390 Dollar je Unze vorhersagt. Aktuell notiert Gold bei 1336 Dollar je Unze.

Dahdah macht noch auf einen weiteren Zusammenhang aufmerksam: Sollte die Europäische Zentralbank (EZB) wie erwartet im kommenden Jahr ihrerseits an der Zinsschraube drehen, so könnte das dem Goldpreis nochmals Auftrieb geben. Denn die EZB würde ihre Zinsen nicht senken, sondern anheben, womit sich die Konkurrenzsituation für den Dollar am internationalen Devisenmarkt zusätzlich verschlechtern würde.

Zwar gibt es auch Skeptiker. Goldexperte Martin Siegel von der Investmentgesellschaft Stabilitas etwa sieht trotz der genannten Argumente noch keine zwingende Erklärung für den aktuellen Preisanstieg. "Vor allem überrascht die starke Dynamik des Preisanstiegs, der von stark steigenden Edelmetallaktien begleitet wird", so Siegel. "Es bleibt zu beobachten, wie nachhaltig diese Entwicklung ist und ob Gold genug Kraft entwickelt, um Kurs auf die wichtige Marke von 1380 US-Dollar zu nehmen."

Christoph Rottwilm auf Twitter

Viele Investoren scheinen dagegen optimistisch zu sein. Sie stecken zurzeit offenbar viel Geld in den Goldmarkt, um von weiteren Preissteigerungen zu profitieren. So berichtet Bloomberg, der weltgrößte Gold-Indexfonds, der SPDR Gold Shares, sei derzeit besonders beliebt. Das Volumen des Fonds sei zuletzt um mehr als 16 Tonnen Gold oder 2,2 Prozent gestiegen, so der Bericht. Das war der stärkste Anstieg seit Juli 2016. Auch die Bestände aller anderen von Bloomberg beobachteten ETFs verzeichneten demnach in den vergangenen Tagen besonders starke Mittelzuflüsse.

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