Dienstag, 2. Juni 2020

Neuer Preisrekord in Euro Rekordjagd am Goldmarkt - Anleger fliehen vor Corona

Begehrt in der Krise: Goldbarren sind derzeit schwer zu bekommen.
Leonhard Foeger/ REUTERS
Begehrt in der Krise: Goldbarren sind derzeit schwer zu bekommen.

Zu Beginn der Corona-Krise enttäuschte der Goldpreis Börsen-Chart zeigen noch die Fans des Edelmetalls, doch inzwischen können Goldbesitzer zufrieden sein: Gold hat sich in den vergangenen Wochen signifikant verteuert, und viele Experten gehen von weiteren Preissteigerungen aus.

Am Dienstag wurde die Feinunze (31,1 Gramm) an der Börse in London bei 1728,09 US-Dollar gehandelt. Das ist der höchste Preis seit Ende 2012. In Euro gerechnet stieg die Notierung am Dienstagvormittag bis auf 1581,92 Euro und damit so hoch wie noch nie.

Nach Ausbruch der Corona-Krise war der Preis zunächst von rund 1670 Dollar je Unze auf weniger als 1500 Dollar gefallen, weil Investoren offenbar Cash benötigten, um Verluste etwa am Aktienmarkt auszugleichen. Seither hat der Goldpreis jedoch eine rasante Rally hingelegt: Von rund 1460 Dollar je Unze auf gegenwärtig beinahe 1730 Dollar ging es um mehr als 15 Prozent aufwärts.

Hauptgrund dafür ist zweifellos die Corona-Krise, die weltweit immer weitere Kreise zieht, und deren wirtschaftliche Folgen noch immer nicht vollends absehbar sind. Anleger, die nicht wissen, wie stark und dauerhaft der Corona-bedingte Ausnahmezustand auf die Geschäfte von Unternehmen durchschlagen wird, fühlen sich offenbar vielfach mit Aktien nicht wohl und schichten stattdessen Gelder in "sichere Häfen" wie Gold um.

Hinzu kommen milliardenschwere Rettungspakete der Politik sowie die ultralockere Geldpolitik, mit der Notenbanken der Krise begegnen. Beides spricht für dauerhaft niedrige Zinsen und gibt Gold damit ebenfalls Auftrieb. Schließlich gewinnt das Edelmetall, das bekanntlich keine Zinsen abwirft, in einem solchen Umfeld an relativer Attraktivität.

Der Goldpreis profitiere "von der schieren Geldmenge, die derzeit von den Zentralbanken in den Markt gepumpt wird", kommentiert etwa Rohstoffexperte Daniel Briesemann von der Commerzbank. Darüber hinaus wachse die Sorge der Investoren vor der aktuell stark steigenden Verschuldung. Mit immer größeren Rettungspaketen würden sich "einzelne Länder bis über beide Ohren verschulden", so Briesemann.

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