Montag, 14. Oktober 2019

Transfers nach Singapur und in die Schweiz Anleger bringen Goldbarren aus Hongkong in Sicherheit

Zusammenstöße: Menschen demonstrieren in Hongkong für Freiheit und Demokratie - und geraten dabei mit der Staatsgewalt aneinander.

Seit Monaten gehen in Hongkong die Menschen auf die Straße, um für ihre Freiheitsrechte und Demokratie zu demonstrieren, schon mehrfach kam es zu heftigen Zusammenstößen mit der Staatsgewalt - jetzt machen die Unruhe offenbar auch Investoren nervös. Wie die "Financial Times" berichtet, haben private Anleger zuletzt begonnen, Goldbarren im größeren Stil aus der Stadt zu schaffen. Die Besitzer bringen ihren Bestand in Singapur sowie in der Schweiz in Sicherheit, heißt es in dem Bericht der FT.

Bestände im Millionenwert werden aus der Stadt geschafft, zitiert die Zeitung einen örtlichen Händler. Auf der anderen Seite gebe es gegenwärtig kaum neue Kunden, die Gold in Hongkong erwerben und lagern wollten. "Wir sehen kein Interesse neuer Käufer", so der Händler. "Wenn jetzt jemand Gold kaufen will, sucht er sich einen anderen Ort, und der nächstgelegene ist Singapur."

Auch Torgny Persson, Chef des Goldhändlers Bullionstar in Singapur, sagt, viele verunsicherte Investoren hätten ihn kontaktiert wegen einer möglichen Verlagerung von Beständen aus Hongkong.

Insbesondere die Unruhen, die es bereits am Hongkonger Flughafen gab, verunsichern offenbar die Anleger. Die Investment- und Servicegesellschaft Global Gold etwa sei beunruhigt, ob der Transport über den Flughafen auch künftig reibungslos erfolgen könne, heißt es in der "FT". Global Gold habe seinen Kunden vor kurzem explizit geraten, ihre Bestände aus Hongkong in die Schweiz zu transferieren.

Für den Finanzplatz Hongkong kommt die Entwicklung offenbar zu einem unpassenden Zeitpunkt. Ohnehin sinke der Stern der Stadt als Location für Goldanlagen, berichten Marktkenner. Investoren bevorzugen offenbar mehr und mehr das konkurrierende Singapur, um ihre Geschäfte zu tätigen.

"Wenn Sie als Investor chinesische Truppen an der Grenze sehen, und Sie hören die Regierung Chinas darüber sinnieren, ob sie wohl in Hongkong einmarschieren soll, dann ist das kein passendes Offshore-Zentrum mehr", zitiert die "FT" einen Goldhändler.

Christoph Rottwilm auf Twitter

Der Goldpreis Börsen-Chart zeigen konnte seinen Höhenflug indes zuletzt fortsetzen. Zu Wochenbeginn stieg der Preis um 1,6 Prozent auf 1511 Dollar je Unze. Angetrieben wurde die Nachfrage offenbar durch die Anschläge auf Ölanlagen in Saudi-Arabien am vergangenen Wochenende. Investoren suchen angesichts der Ereignisse "sichere Häfen" für ihr Geld, hieß es am Markt. Gold als "Antikrisen-Währung" sei daher gefragt.

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