Samstag, 21. September 2019

Politik im Sommerloch Markus Söder will Kursverluste an der Börse verbieten

Sie werden es kaum glauben: Bayerns Ministerpräsident Söder im Sommerloch.
Peter Kneffel/ DPA
Sie werden es kaum glauben: Bayerns Ministerpräsident Söder im Sommerloch.

Man kann ihn sich gut vorstellen, Bayerns Ministerpräsidenten Markus Söder, 52, wie er in seinem Büro in der Bayerischen Staatskanzlei unruhig auf seinem Schreibtischstuhl hin und her rutscht und nervös mit den Fingern auf die Tischplatte tippt: Sommerloch!

Schon mehr als zwei Wochen ist es her, dass Söder mit Aussagen von politischem Gehalt (Klimawandel, Zustand der Koalition etc.) zuletzt größer in den Medien auftauchte. Gefühlte zwei Jahre also für einen Profi wie ihn. Und dann auch noch das: "Sie werden es kaum glauben: Diese unfassbare Summe verdient Markus Söder", überschreibt der Münchener "Merkur" zu Beginn dieser Woche eine Geschichte über die Einkünfte des CSU-Mannes, verbunden mit der sehr offenbar rhetorisch zu verstehenden Frage: "Zu Recht?"

Jetzt reicht's! Söder greift zum Telefon. Eine knappe Whatsapp an Ralf Schuler, den Leiter der "Bild"-Parlamentsredaktion, mehr braucht es vermutlich nicht. Business as usual in Polit-Deutschland. Tags darauf grüßt der bayerische Landesvater die Leser von Seite zwei des Boulevardblattes. Knappe 100 Zeilen auf zwei Spalten, immerhin. Genug Platz für die frohe Botschaft, mit der Söder die Deutschen an diesem Mittwoch zu beglücken weiß: Er wolle "Negativzinsen verbieten", so die Überschrift des "Bild"-Artikels. Allerdings nur die Negativzinsen, die laut "Bild" "sogar Kleinsparern drohen", wie der Leser bei weiterer Lektüre erfährt. Diese "Abzüge vom Geld auf dem Sparbuch" wolle Söder "gesetzlich verbieten lassen", so der Bericht.

Gute Idee, Herr Söder! Dass da vorher noch niemand drauf gekommen ist. Negativzinsen sind schließlich wirklich ein Übel, zumal für jeden, der sich eigentlich Positivzinsen erhofft hatte. Viele Deutsche, die die "Bild" gelesen haben, sind jetzt sicher unheimlich erleichtert. Endlich durchblickt mal ein Politiker die Wirtschaft richtig. Und mehr noch: Er handelt! Diese hinterfotzigen Banken aber auch immer ...

Bei der Gelegenheit, Herr Ministerpräsident, ist Ihnen mal aufgefallen, dass die Aktienkurse an der Börse nicht immer steigen? Ja, tatsächlich, von Zeit zu Zeit fallen sie auch. Eine ziemlich unangenehme Sache ist das, auch für manche Kleinsparer. Geradezu negativ. Könnte man da nicht auch ... mit einem Verbot ... also ... wenn man schon gerade dabei ist ...

Ach, und dann sind da noch die Immobilienpreise. In München können Sie ja vermutlich ein Lied davon singen. Der Preisanstieg der vergangenen Jahre hat zweifellos auch in Ihrem persönlichen Umfeld viele Vermögen wachsen lassen. Dummerweise geht es am Immobilienmarkt aber auch nicht immer nur in eine Richtung. Und die betroffenen Vermögen ... nun ja, wäre doch wirklich schade drum.

Die Benzinpreise andererseits ...

Christoph Rottwilm auf Twitter

Lieber Herr Söder, was wir eigentlich sagen wollen, ist: Die Sommerferien in Bayern dauern noch bis zum 9. September. In Baden-Württemberg sogar bis zum 10. Eine Zeit lang wird uns das Sommerloch also wohl noch erhalten bleiben. Wie wäre es daher mit einer Serie? Arbeitstitel "Söder verbietet unangenehme Sachen".

Was denken Sie, kurze WhatsApp an die "Bild"? Anfragen kann man ja mal.

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