Thilenius-Kolumne Präsident Trump - na und?

Donald Trump: Ab Januar 2017 Präsident der USA

Donald Trump: Ab Januar 2017 Präsident der USA

Foto: AFP
Fotostrecke

Jared Kushner: Donald Trump, die nächste Generation

Foto: Carolyn Kaster/ AP

Am Tag nach der Wahl des auch in Deutschland sehr geschätzten Barack Obama zum amerikanischen Präsidenten im Jahr 2008 sank der Dow Jones  um 5 Prozent. Am Tag nach der Wahl des in Deutschland nicht ganz so geschätzten Donald Trump zum US-Präsidenten stieg der Dow Jones Index um etwas über 1 Prozent, um in den folgenden Tagen noch weiter zuzulegen und die Rekordmarke von 19.000 Zählern zu knacken. Insgesamt stand in der Woche von Trumps Wahl ein Gewinn von 5 Prozent zu Buche. Soviel zum Thema "Weltuntergang durch Trump".

Hier zeigt sich die von den Märkten erwartete Entwicklung der Volkswirtschaft. Die 10-jährige amerikanische Staatsanleihe hatte ihr Tief bei 1,35 Prozent im Juli dieses Jahres. Zwischen Juli und dem Tag vor der Wahl stand ein Anstieg bis auf 1,85 Prozent zu Buche. Seit der Wahl ist der Zinssatz weiter auf 2,3 Prozent gestiegen. Dies zeigt die Erwartung der Anleger auf eine kräftige Wirtschaftserholung unter einer Präsidentschaft von Donald Trump.

Anstieg des langfristigen Zinsniveaus

Wirtschaftlich noch wesentlich bedeutender als die Aktienkurse ist der Anstieg des langfristigen Zinsniveaus in den USA. Hintergrund der Bewegung ist die Erwartung kräftigen Wirtschaftswachstums. Niedrige Steuern, ein großes Infrastrukturprogramm unter Inkaufnahme von vorübergehend höherer Staatsverschuldung sollen das Wirtschaftswachstum von aktuell etwa 2 Prozent in die Nähe von 4 Prozent jährlich befördern.

Dies wäre ein Anschluss an die aus früheren wirtschaftlichen Erholungsphasen gewohnten Wachstumsraten ungefähr in der Mitte eines Konjunkturzyklus. Ebenfalls dazu gehört weniger Regulierung der Banken. Die Begründung ist einfach: Die Banken sollen leichter Kredite geben dürfen.

Der Weg nach oben ist allerdings weit. Der durchschnittliche Zinssatz der 10-jährigen amerikanischen Staatsanleihe lag in den letzten ungefähr 200 Jahren bei 5 Prozent jährlich. Es gab dabei einige Ausreißer nach oben und nach unten. Anfang der 80er Jahre lag der Zins bei 16 Prozent im Jahr und ist dann über 35 Jahre einigermaßen kontinuierlich bis auf das Tief vom jetzigen Juli gefallen. Der Anstieg der letzten Zeit hat also noch einen weiten Weg vor sich.

Neue Kraft für alte Industrien?

Trump hat die Wiederbelebung alter traditioneller Industriesektoren und damit den Aufbau von industrieller Beschäftigung versprochen. Wie viel er davon halten kann, ist völlig ungewiss. Viele Arbeitsplätze beispielsweise in der Autoindustrie sind längst nach Mexiko oder Kanada zu niedrigeren Lohnkosten abgewandert.

Es gibt jedoch einige Sektoren, die einigermaßen zuverlässig für die nächsten Jahre einen Aufschwung erwarten lassen und zur Zeit günstig zu haben sind. Dazu gehören die Eisenbahnen. Denn all die Güter, die verstärkt in Amerika produziert werden, müssen vom Produzenten zum Konsumenten gebracht werden.

Weiterhin möchte Trump gerne die nationalen Energiereserven stärker fördern. Auch das bedeutet zusätzliches Geschäft für Eisenbahnlinien, die große Mengen von Kohle, Öl und anderen Rohstoffen transportieren. Dazu gehören Union Pacific und Norfolk Southern Corporation.

Von steigender geschäftlicher Aktivität profitieren auch Banken, da anziehende Inflation höhere Zinsen bedeutet, was deren Zinsmarge verbessert. Die größten und bekanntesten, und nach unserer Meinung auch für mittelfristige Anlagen gut geeigneten Banken sind JP Morgan Chase und Goldman Sachs .

Zu den Verlierern dürften die Anbieter alternativer Energien zählen, da die neue Regierung hier Subventionen streichen will. Weitsichtige Anleger sollten Aktien dieser Branchen in USA und Europa verkaufen.

Der Autor ist geschäftsführender Gesellschafter der Stuttgarter Vermögensverwaltungsgesellschaft Dr. Thilenius Management GmbH. Das Unternehmen unterliegt der BaFin.

Mehr lesen über