Freitag, 20. September 2019

Geldanlage in schwierigen Zeiten Was tun bei Null- oder Negativzins?

Auf ein herkömmliches Sparbuch gibt es schon länger keine Zinsen mehr: Bei steigender Inflation verliert das geparkte Geld kontinuierlich an Wert

Die Europäische Zentralbank öffnet weiter die Geldschleusen. Der Strafzins für die Banken steigt auf 0,5 Prozent. Vereinzelt geben die Institute diese Belastung bereits an Privatkunden weiter. Beobachter schließen nicht aus, dass die Banken angesichts einer schwierigen Ertragslage künftig bei einer Summe von deutlich mehr als 100.000 Euro auf Spar- oder Tagesgeldkonten auch die Privatkunden mit Negativzinsen zur Kasse bitten. Spätestens dann sollten sich Verbraucher Gedanken machen.

Wohin also mit dem Geld in Zeiten niedrigster Zinsen oder gar bei Negativzinsen?

Anlageformen wie Tagesgeld, Festgeld und Sparbuch garantieren zwar die Einlagen - bringen aber derzeit quasi keinen Ertrag. Im Gegenteil: Weil die Inflation über den niedrigen Zinsen liegt, ist das Ersparte sogar zunehmend weniger wert. Die Entscheidung für eine passende Anlageform hängt vom Zweck des Sparens, vom Vermögen und vom Grad der Risikobereitschaft ab.

Was Experten generell empfehlen

Verbraucherschützer und Finanzexperten raten, sich einen genauen Überblick über das vorhandene Vermögen zu verschaffen und zu entscheiden, wieviel Geld davon zur Anlage genutzt werden kann. Außerdem sollten Verbraucher ihre Anlage breit streuen, also verschiedene Produkte und Laufzeiten miteinander kombinieren, um das Risiko zu minimieren. Komplett risikofrei ist allerdings keine Geldanlage, daher sollten Anleger immer nur so viel Risiko eingehen, wie sie tragen können. Ratsam ist, nur Anlageprodukte zu kaufen, die man auch versteht. Generell gilt: Hohe Renditen gibt es nur bei hohem Risiko.

Sparpläne und Sparbriefe

Bessere Alternativen für das traditionelle Sparbuch sind laut dem Ratgeberportal biallo.de ein Sparplan oder Sparbrief. Sparpläne von Banken und Sparkassen eignen sich für Verbraucher mit wenig Geld, die verlässlich Stück für Stück Kapital aufbauen wollen. Laufzeiten und Zinshöhe unterscheiden sich. Mehrjährige Laufzeiten versprechen Geld für größere Anschaffungen, langfristig angelegte Sparpläne können sogar zur Altersvorsorge beitragen. Sparbriefe sind eine einmalige Geldanlage, üblich sind Mindestanlagesummen von 2500 Euro. Es gilt ein fester Zins, der sich an der Laufzeit orientiert, außerdem gibt es eine Renditegarantie.

Aktienfonds und Rentenfonds

Der Kauf einzelner Aktien kann eine hohe Rendite versprechen. Die Papiere sind aber je nach Entwicklung der Unternehmen und der Wirtschaftslage hohen Schwankungen ausgesetzt und deshalb risikoreich. Bei Aktien- und Investmentfonds kann schon mit kleineren Beträgen eine breite Streuung, also der Kauf vieler Aktien oder Wertpapiere, erreicht werden. Kursgewinne eines Unternehmens können dann etwa Verluste eines anderen ausgleichen. Aktienfonds sind flexibel und versprechen größere Renditechancen, vor allem bei einem langen Anlagehorizont.


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Rentenfonds investieren in eine Reihe von festverzinslichen und variabel verzinslichen Anleihen mit unterschiedlichen Laufzeiten. Anleihen sind im Prinzip Darlehen. Denkbar sind etwa Staatsanleihen, Unternehmensanleihen und Pfandbriefe. Zwar ist die Rendite eher überschaubar, dafür gibt es vergleichsweise stabile Kursgewinne. Außerdem gibt es Fondsanteile bereits für wenig Geld.

Exchange Traded Funds (ETF)

Die ETF sind eine kostengünstige Alternative zu herkömmlichen Investmentfonds. Der Fonds wird passiv gemanagt und orientiert sich bei den Kaufentscheidungen an einem bestimmten Index, etwa am Dax, was die Verwaltungskosten senkt. Beteiligen können sich Einsteiger schon mit kleinen Beträgen. ETF sind ebenfalls flexibel, außerdem verteilt sich das Risiko und es gibt gute Renditechancen. Indexfonds gibt es auch als Sparplan.

Immobilien und Immobilienfonds

Wer über ausreichend Kapital und ein regelmäßiges Einkommen verfügt, kann über den Immobilienkauf fürs Alter vorsorgen - angesichts der derzeitigen Preise für Eigentum insbesondere in großen Städten ist dies aber vielen Verbrauchern mittlerweile nicht mehr möglich. Immobilienfonds erwerben Grundstücke und Immobilien, bei offenen Fonds sind schon geringe Einstiegssummen möglich. Seit es wegen der Finanzkrise 2008 strengere Spielregeln für Immobilienfonds gibt, gelten diese auch wieder als wertstabile Anlagen.

Gold und Crowdinvesting für Risikofreudige

Für Gold, Silber und Platin gibt es weder Zinsen noch Dividenden. Gewinn machen Anleger nur, wenn der Kurs der Edelmetalle steigt. Verbraucherschützer raten, nur einen kleinen Teil des Vermögens in Edelmetalle zu investieren. Mit Crowdinvesting können sich Verbraucher direkt an einem Startup oder Immobilienprojekt beteiligen, auch mit kleinen Summen. Die Rendite hängt jedoch stark vom Erfolg der Firma oder des Projekts ab - Investoren sollten im Zweifel einen Totalverlust ihrer Anlage verkraften können.

rei/afp

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