Alles auf eine Karteikarte 5 ganz einfache Ratschläge für die Geldanlage

Von Arne Gottschalck

Warren Buffet kann es, Peter Lynch auch. Und George Soros, ohne Frage. Doch viele andere hadern, finden Geldanlage schlicht zu riskant und kompliziert. In Deutschland ist deswegen die Lebensversicherung so beliebt - weil sie dem Sparer die lästige Entscheidung abnimmt, seine Risiken abzuwägen und entsprechend sein Geld in Anleihen oder Aktien zu verteilen. Auch in Amerika ist man in Sachen Finanzen längst nicht so sattelfest, wie es das breitbeinige Auftreten mancher Amerikaner vermuten lässt.

Nur 18 Prozent der Menschen, zitiert "Bloomberg"  eine Studie, gaben an, sich in Finanzdingen wirklich gut auszukennen. Den Menschen kurzerhand die Lektüre von Klassikern der Geldanlage wie "Security Analysis" von Benjamin Graham und David Dodd zu empfehlen, hilft daher nichts - die 700 Seiten würden nur im Regal verstauben.

Besser trifft es der Ansatz von Harold Pollack. Pollack ist Professor an die University of Chicago und behauptet laut "Bloomberg",  die Grundregeln der Anlage müssten auf eine Karteikarte passen. Oder übersetzt für das digitale Zeitalter - sie müssten auf einem Standardbildschirm eines Tablets lesbar sein. Und klar und deutlich sein. Aber sehen Sie selbst.

Notiz 1 - Früh mit dem Sparen starten

Auch wenn die Börse derzeit gruselig wirkt - früh im Leben einsteigen!

Auch wenn die Börse derzeit gruselig wirkt - früh im Leben einsteigen!

Foto: Franck Robichon/ dpa

Es klingt so einleuchtend - der erste Job, das Geld, und am besten gleich etwas zurücklegen. Doch ist das Geld erst auf dem Konto, ist es oftmals auch schon weg. Für den Umzug, die Wohnungseinrichtung. oder eben die schönen Dinge des Lebens. Denn - siehe oben - Geldanlage ist langweilig.

Deswegen hilft ein Automatismus. Ein Dauerüberweisungsauftrag, der das Geld gleich in die richtigen Bahnen lenkt. Und die Verlockung dämpft. Pollack notierte auf seiner Karteikarte 20 Prozent des Nettoeinkommens, reduzierte aber später auf 10 Prozent, weil viele Menschen es sich schlicht nicht leisten können, 20 Prozent ihres Einkommens beiseite zu legen. Und je früher damit begonnen wird, im so besser. Denn Aktien bügeln über die Jahrzehnte die starken Kursschwankungen aus, Anleihen profitieren vom Zinseszinseffekt.

Notiz 2 - Mit finanziellen Notfällen rechnen

Irgendwas ist immer: Und darauf muss der Sparer finanziell vorbereitet sein

Irgendwas ist immer: Und darauf muss der Sparer finanziell vorbereitet sein

Foto: Matthias Balk/ dpa

Ein Plan ist nur so gut, wie die Flexibilität, die er einräumt. Klingt etwas verschwommen, wird aber an einem Beispiel klar: Zum Beispiel, wenn eine teure Reparatur am Auto ansteht. Ist alles Geld investiert, droht der Weg zu Fuß. Mit flexiblen Rücklagen (in entsprechender Höhe). Was steht also auf der professoralen Karteikarte? Unbedingt Geld beiseitelegen, für Unvorhergesehenes.

Notiz 3 - Geld muss gestreut werden

Bloß nicht nur gelb: Streuung lautet die Devise

Bloß nicht nur gelb: Streuung lautet die Devise

Foto: Patrick Pleul/ dpa

Nicht alle Eier in einen Korb legen - was nach dem Osterhasen klingt, ist die sehr ernste Aufforderung eines Nobelpreisträgers, nicht nur auf ein einziges Finanzprodukt zu setzen, sondern auf ganz unterschiedliche. Harry Markowitz hatte wie viele andere kluge Männer und Frauen lange über die Frage nachgedacht, wie Schwankungen an den Börsen abgefedert werden können. Und kam, freilich mit dem gebotenen Ernst, auf die Lösung mit dem Eierkorb. Belohnt wurde er mit dem Wirtschaftsnobelpreis.

Im Kern geht es darum, Asset zu finden, die nicht positiv miteinander korreliert sind, die sich nicht im Einklang bewegen, sondern im Idealfall unabhängig voneinander. Früher waren das Aktien im Vergleich zu Anleihen. Verloren Anleihen an Wert, stiegen die Aktien-Notierungen. Heute ist das etwas komplizierter. Und entsprechend notierte Pollack diese Aufforderung auf seiner Karteikarte.

Notiz 4 - Immer auf die Gebühren achten

Kartenkauf bedeutet auch, auf die echten und vermeintlichen Sonderangebote zu achten

Kartenkauf bedeutet auch, auf die echten und vermeintlichen Sonderangebote zu achten

Foto: Armin Weigel/ picture alliance / dpa

Keinem anderen als Warren Buffet ist es zu verdanken, an diesen Punkt erinnern - immer auf die Kosten achten. Immerhin kostet Geldanlage Geld, genau das Betanken des Autos. Doch während Autofahrer oft geschickt nach der günstigsten Tankstelle spähen, winken sie bei der Geldanlage ab. Dabei lässt si9ch auch da sparen.

Siehe Warren Buffett - der zum Kauf von breitstreuenden Exchange Traded Funds (ETF) riet. Die bilden einen Börsenindex ab und sind deutlich günstiger als aktiv verwalteten Fonds, bieten dann allerdings auch nicht die Chance, am Ende des Jahres besser dazustehen als die Konkurrenz.

Notiz 5 - Zuschüsse des Arbeitgebers mitnehmen

5 Euro sind 5 Euro - und wen der Arbeitgeber sie anbietet, bitte keinen Papierkram scheuen

5 Euro sind 5 Euro - und wen der Arbeitgeber sie anbietet, bitte keinen Papierkram scheuen

Foto: A3730 Federico Gambarini/ picture alliance / dpa

In Amerika, Heimat von Pollack, sind es vor allem die 401K-Sparpläne, die den Arbeitgeber in die finanzielle Pflicht nehmen - das Unternehmen führt einen Teil des Gehalts in einen Spartopf ab, bevor der Rest dann versteuert an den Arbeitnehmer ausgezahlt wird. Voraussetzung: Der Arbeitnehmer zahlt selbst in diesen Spartopf ein, zum Beispiel auf Aktien oder Fonds.

Doch nur einer von vier angestellten Amerikanern erfüllt diese Anforderungen, so eine Studie von Financial Engines. Und verschenkt damit bares Geld, weil Geld versteuert wird, das im 401K nicht zu versteuern gewesen wäre. Auch in Deutschland gibt es mit der Arbeitnehmersparzulage etwas Ähnliches. Der Rat des Professors, etwas zugespitzt - mitnehmen, was geht!