mm.de zum Jahresstart: So managen Sie Ihr Leben, Teil IV 10 Fragen zu Geld - und Antworten, die Sie kennen sollten

Von Arne Gottschalck
Geld, Geld, Geld: Vieles im Leben dreht sich darum, vor allem, wenn man keines hat

Geld, Geld, Geld: Vieles im Leben dreht sich darum, vor allem, wenn man keines hat

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Geld ist banal. Geld ist eines jener Dinge, die man täglich braucht. Um die Miete zu zahlen, für Brot und Milch. Geld ist aber eines jener Dinge, die Träume erfüllen können. Das größere Auto zum Beispiel oder eine Auszeit vom Beruf. Kein Wunder also, wenn sich vieles im Leben um Geld dreht.

Es kann dabei aus vielen Quellen stammen. Wer angestellt ist, bekommt es als Gehalt. Selbstständige erzielen Gewinne und damit Geld. Und Geld kann angelegt werden, in Aktien, in Anleihen oder auch in Immobilien. Im Idealfall schnürt sich der Anleger ein Bündel verschiedener Wertpapiere, das in der Summe und über die Jahre immer mehr an Wert gewinnt. Was sich so leicht liest, verlangt viel Arbeit. Sie umfasst psychologisches Ringen, buchhalterische Arbeit und visionäres Sehen.

Psychologie? Darin steckt die Selbsterkenntnis, wie viel Schwankungen des Vermögens Angst machen. Buchführung ist die Sorgfalt, mit der Bald-Anleger Prospekte für Finanzprodukte lesen müssen, die Zusammensetzung seines Depots kontrolliert. Und Visionen? Jeder sollte sich im klaren sein, wozu er das Geld investiert. Hat es Zeit, bis zum Renteneintritt zu reifen? Oder soll es kurzfristig zur Verfügung stehen? Klingt langweilig - und ist auch nicht gerade unterhaltsam. Aber zum Zahnarzt gehen Sie ja auch, oder? Also, beginnen Sie damit. Jetzt.

1. Wie viel Geld braucht man?

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Das ist die Gretchenfrage - der eine, spartanischen Charakters, braucht nicht viel zum Leben. Die günstige Mietwohnung, Urlaub auf dem Camping-Platz. Der andere will mehr. Wünsche und Vorstellungen sind so unterschiedlich wie die Menschen selbst. Wie viel Geld also braucht man? Es bleibt nur die Statistik, die Forschung. Eine Studie findet eine klare Antwort auf diese Frage. Ein Jahresnettoeinkommen um die 60.000 Euro mache glücklich. Darunter sei es zu wenig, darüber zu aufreibend, so sinngemäß die Forscher der US-Universität Princeton. Nun denn - aber was ist mit dem Geld auf der hohen Kante, den Ersparnissen?

Darüber gibt es keine Erhebungen. Höchstens eine Annährung mit den Mitteln der Statistik. Die zeigt unter anderem, dass die Deutschen im Schnitt nicht so reich sind wie zum Beispiel die Italiener. Während hierzulande im Schnitt rund 195.000 Euro Nettovermögen pro Haushalt verzeichnen werden, sind es in Italien mehr als 275.000 Euro. Aber eben nur im Schnitt. Und der lässt außer acht, dass ein Großteil des Vermögens in den Händen weniger liegt. Die Berechnung des Median dagegen, also jenes Vermögens, bei dem die eine Hälfte der Bevölkerung mehr hat, die andere Hälfte weniger, bringt mehr Klarheit. 51.000 Euro sind es bei den Deutschen, deutlich weniger als in Südeuropa.

Was besagt das nun über die Frage nach dem "wie viel"? Es beleuchtet zumindest ein wenig die Frage, wie viel das "wie viel" in anderen Ländern ist. Die wahre Antwort, Sie ahnen es, muss jeder Anleger für sich selbst finden.

2. Muss Geld wirklich arbeiten?

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In aller Kürze - ja. Die Herleitung dazu liest sich etwas länger. Individueller Wohlstand wird durch den Faktor Arbeit gespeist, also die Gehaltszahlungen. Er wird aber auch durch Zinszahlungen, durch Wertsteigerungen oder durch Dividenden gespeist. Und ähnlich wie bei Gehaltsverhandlungen neigen Menschen dazu, für sich das Beste herausholen zu wollen. Das ist die psychologische Begründung. Es gibt aber noch eine weitere.

Denn die gesetzliche Rente zum Beispiel wird in der Tendenz für künftige Generationen nicht mehr so auskömmlich ausfallen wie bislang, so wollen es die politischen Kurssetzungen. Private Vorsorge ist gefragt. Und darum muss Geld arbeiten.

3. Wie kann Geld für mich arbeiten?

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Geld arbeiten zu lassen, klingt für den einen oder anderen nach Großkapitalismus. Nach Schmierlappentum im Seidenanzug. Betrachten wir es einmal etwas grundsätzlicher. Im Leben geht es in aller Regel um eine Gegenleistung. Die Menschen gehen zur Arbeit, um eine Gegenleistung zu bekommen, den Lohn oder das Gehalt. Beim Einkaufen wird Geld gegen Waren getauscht. Sogar, wer im Garten Karotten anbaut und verspeist, nutzt dieses Prinzip - er arbeitet, investiert Schweiß und Blasen an den Händen. Und erhält als Gegenleistung Karotten.

Das gleiche Prinzip funktioniert auch bei der Geldanlage. Man leiht das Geld der Bank oder einem Unternehmen, damit es für eine bestimmte Zeit damit arbeiten kann. Und erhält im Gegenzug Zinsen dafür. Oder an der Börse: Aktien sind Produktivkapital, mit dem Firmen zum Beispiel ihren Maschinenpark modernisieren können. Dafür wird der Anleger Teilhaber. Erhöht der neue Maschinenpark die Effizienz des Unternehmens oder steigert dessen Gewinne, dann heben die Börsen den Daumen und der Kurs der Aktie steigt. Kursgewinne gegen Vertrauen, wenn man so will. Diese Kursgewinne sind im allgemeinen um so höher, je riskanter ein Papier ist. Der Nahrungsmittelriese Nestlé beispielsweise ist ein so dermaßen durchorchestriertes Unternehmen, dass niemand mehr an große Effizienzsteigerungen glaubt und die großen Kurssprünge an der Börse entsprechend ausbleiben, nach oben wie nach unten.

Bei kleinen Unternehmen kann jede Nachricht dagegen für einen Kurssturz sorgen. Dafür fallen aber auch die Kurssprünge viel höher aus.

Als Vehikel dafür stehen eine Reihe von Produkten zur Wahl: Aktien, Anleihen, Immobilien - und Fonds sowie Zertifikate, die ihrerseits Wertpapiere bündeln und deren Risiken damit senken.

4. Spielt Moral eine Rolle?

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Eine philosophische Frage, der sich auch Profi-Investoren immer wieder gegenüber sehen. Was ist zum Beispiel mit Investments in Kriegswaffen? Die meisten Anleger lehnen so etwas ab und machen einen Bogen um entsprechende Wertpapiere. Und was ist mit Atomkraftwerken. Schon schwieriger, oder?

Immerhin, es gibt mit Nachhaltigkeitsprodukten Fonds, die entsprechende Aspekte berücksichtigen. Den Umweltschutz wie die Einhaltung bestimmter Standards. Das machen auch die ganz Großen der Geldanlage wie zum Beispiel der norwegische Staatsfonds, der die Öl-Einnahmen des Landes verwaltet. Er hat sich Nachhaltigkeit in die Statuten geschrieben. Und vorgemacht, wie schwer es manchmal ist, diesen Anforderungen zu genügen. Denn vor nicht allzulanger Zeit entdeckte man dort Aktien von Textron im Portfolio. Ein Unternehmen, das unter anderem Streubomben herstellt. Raus damit, lautete das Urteil der Norweger. Wie die Aktien indes überhaupt erst ihren Weg in den Fonds gefunden haben, wird nicht kolportiert.

Wie dem auch sei, jeder Anleger kann seinen eigenen Maßstab ans Geld anlegen. Wer etwas mehr an Strenge bevorzugt, kauft entsprechende Produkte. Und der Freund des "Laissez-faire" genießt die größere Investment-Freiheit. Die absolute Moral, es gibt sie nicht.

5. Kann ich mich auf Experten verlassen?

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Wie immer im Leben gilt der Grundsatz "quid pro quo" - was nützt wem? Der Bankberater zum Beispiel verdient Geld damit, Finanzprodukte wie Fonds oder Zertifikate zu verkaufen. Der Versicherungsmakler wiederum erhält von den Versicherungen Geld für jedes vermittelte Assekuranzprodukt. Neutral sind sie also nicht. Das macht ihren Rat nicht zwingend falsch. Denn der Erfolg der Geldanlage ist vor allem eine Frage der richtigen Mischung, aus Aktien und Anleihen zum Beispiel. Und da kann der Berater durchaus richtig liegen.

Allerdings sollte der Anleger ihn auch verstehen. Grundregel: Je risikobereiter er ist, um so mehr Aktien kann er kaufen. Je skeptischer, um so niedriger die Aktienquote. Nur - ohne Aktien geht es nicht, weil festverzinsliche Papiere derzeit einfach zu wenig abwerfen.

Mischfonds können den Anlegern diese Entscheidung abnehmen. Aber auch dann gilt: Immer gucken, was das Geld macht. Beziehungsweise dessen Manager.

6. Welchen Gefahren ist Geld ausgesetzt?

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Wieder in aller Kürze - vielen. Zum einen durch die Menschen, aber auch die Märkte. Zu den menschlichen Gefahren gehören Betrüger, die mit hohen Renditen locken, zum Beispiel durch ein Investment rumänische Forstwirtschaft oder Diamantförderung in Botswana. Dazu kommen die Gefahren des Marktes.

Denn die meisten Investments werden an den Börsen gehandelt - und das bringt ein stetes Auf und Ab mit sich. Der Kursrutsch des Dax im Rahmen der Finanzkrise dürfte den meisten noch in Erinnerung sein. Kursrisiken sind es, wenn man so will, denen vor allem Aktien deswegen ausgesetzt sind. Auch politische Risiken gibt es.

Die Griechen haben das lernen müssen, als die Banken des Landes sie per Federstrich nur noch begrenzt mit Bargeld versorgen konnten. Eine ähnliche Lektion haben die Ostdeutschen hinter sich, deren Ostmark-Vermögen über Nacht in D-Mark deutlich weniger wert waren. Müssen Gefahren daher vermieden werden? Nein!

Denn ohne Risiken geht es nicht. Risikolos ist bei der Anlage eigentlich nur der Zinssatz, wie ihn die Zentralbank festlegt. Und der sorgt derzeit eben auch nur für einen kaum messbaren Vermögenszuwachs. Jedes Mehr, jedes Höher wird durch das Eingehen von Risiken erkauft.

7. Wie verhindere ich das Schlimmste?

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Das Geld ist weg - das dürfte das Schlimmste sein, was dem Anleger und Sparer zustoßen kann. Vorsicht und Selbsterkenntnis können das verhindern helfen. Selbsterkenntnis bedeutet, dass der Anleger seine eigene Risikobereitschaft richtig einschätzt. Und erkennt, ab welchem Risiko es ihm blümerant wird. Höhere Risiken sollte er dann nicht eingehen.

Vorsicht wiederum bedeutet, nicht alles auf ein Pferd zu setzen. Nicht auf eine Aktie, nicht auf eine Anleihe. Und auch nicht auf den einen vermeintlichen Starfondsmanager. Denn auch die können irren. Nicht alle Eier in einen Korb legen. Für diese vermeintliche simple Erkenntnis wurde Harry Markowitz immerhin mit dem Nobelpreis ausgezeichnet.

Man solle, schrieb er freilich in wissenschaftlich klingenden Worten, doch bitte über die verschiedenen Assetklassen streuen, Aktien, Anleihen, Sparbücher und so weiter kaufen. "Und", nicht aber "oder". Fonds können dabei helfen, weil sie ihrerseits eine Vielzahl Papiere bündeln. Entweder aktiv von einem Fondsmanager ausgewählt. Oder passiv (im Fall der Exchange Traded Funds), in dem gleich ein ganzer Börsenindex kopiert wird.

8. Ist Geld eine Altersfrage?

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Nein, im Gegenteil. Über Geld kann man nicht früh genug nachdenken. Die Gründe liegen in den Untiefen der Mathematik begraben, genauer, dem Zinseszinseffekt. Wer zum Beispiel 3 Prozent Zinsen pro Jahr mit seinen Anlagen erzielt, lässt sein Vermögen in 10 Jahren von den ursprünglichen 5000 auf rund 6700 Euro wachsen. Und in 30 Jahren werden daraus mehr als 12.100 Euro.

Zeit ist auch potentester Verbündeter, wenn der Anleger nicht auf festverzinsliche Papiere setzt, sondern sich der Börse anvertraut. Je länger eine Aktie oder ein Aktienfonds gehalten werden, um so größer die Chancen, dass eventuelle Börseneinbrüche durch steigende Kurse mehr als nur wettgemacht werden. Beispiel Investmentfonds, die in deutsche Aktien investieren: Über ein Jahr liegt das Plus bei 19,5 Prozent, schreibt der Bundesverband Investment und Asset Managememt (BVI). Sehr schön - doch was ist mit den Krisenjahren, wie sähe es da aus? Naturgemäß deutlich schlechter. Doch gute und schlechte Zeiten gemeinsam sorgen über die Jahre hinweg für ein Plus unter dem Strich. Über 15 Jahre zum Beispiel lag das jährliche Plus bei 2,9 Prozent. Und über 20 Jahre gerechnet schlagen 8 Prozent im Jahr zu Buche.

Ach, das Argument, man habe zu wenig Vermögen, um zu investieren? Gilt nicht. Denn bereits ab 50 Euro pro Monat können Sparpläne abgeschlossen werden. Bei denen jedem Monat etwas Geld in den Fonds, die Aktie oder ähnliches investiert werden.

9. Gibt es Grundregeln im Umgang mit Geld?

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Ja, die gibt es. Nennen wir sie an dieser Stelle die 5 Gebote. Es ließen sich auch 10 oder 15 finden. Doch diese 5 Gebote sind es, die immer Gültigkeit haben sollten. So wie es eherne Grundsätze für das Fitness-Training gibt, haben sich im Lauf der Jahre auch diese Grundsätze der Geldanlage entwickelt. Sie sollen vor allem vor den verheerenden Folgen eines Gefühlssturms schützen. So wichtig die Emotion an anderer Stelle ist, an der Börse hat sie nichts zu suchen. Denn sie sorgt dafür, dass der unerfahrene Anleger beim ersten Kursrutsch voller Panik verkauft. Oder dass er voller Überschwang Aktien kauft, wiewohl der Markt überhitzt ist.

Die 5 Gebote

• Nichts über das Knie brechen - ein "unwiderstehliches Angebot" gibt es nicht. Nur windige Vermittler.

• Sich nicht von Gier überwältigen lassen - 10 Prozent Rendite ohne Risiko sind eine Illusion.

• Früh beginnen - siehe Frage 8.

• Das Vermögen verteilen - gerät ein Teil davon in Gefahr oder gar verloren, ist es eben nur ein Teil und nicht alles, was erneut erarbeitet werden muss.

• Immer wieder nachdenken - passt die gewählte Anlage noch zu den gewählten Zielen? Haben sich die Parameter verschoben? Wird Geld zum Beispiel früher als geplant benötigt? Dann heißt es nachdenken. Und natürlich die 5 Gebote zu berücksichtigen.

10. Ist Geld alles?

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Nein - Geld ist nicht alles, genau so wenig wie Fitness alles ist oder die Karriere. Allerdings gehört Geld zum Gefüge des Lebens. Und damit sollte ihm genau der gleiche Ernst gewidmet werden wie zum Beispiel eben der Karriere oder dem Sport. Wer sich selbst einen Plan erstellt, einen Halbmarathon zu laufen, kann auch seine Finanzplanung in die Hand nehmen. Er kann sein Ziel formulieren, er kann sich fragen, wie er dieses Ziel erreichen kann und kann die Umsetzung machen. Er muss es nur machen. Und nicht auf den St. Nimmerleinstag verschieben.

Warum also nicht 2016 als Startschuss nehmen.

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