Bundesliga-Finanzen Woher kommt das Wachstum in der Bundesliga?

Jahr für Jahr vermeldet die Fußballbundesliga neue Umsatzrekorde. Doch die große Klammer der Deutschen Fußball Liga (DFL) zeigt nicht auf, dass sich die wirtschaftliche Entwicklung der einzelnen Clubs stark unterscheidet.
Von Nils Lehnebach
Meister mit Bayern, Noch-Weltmeister mit Deutschland: Thomas Müller hat gut lachen

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Foto: Marius Becker/ dpa

Die Parallele ist nicht zu übersehen: Das Ausmaß des Bundesliga-Wachstums in den vergangenen Jahren ist eng verknüpft mit dem der drei umsatzstärksten Clubs FC Bayern München, Borussia Dortmund und FC Schalke 04. Von der Saison 2014/15 zur Spielzeit 2015/16 beispielsweise konnte die Bundesliga insgesamt mit einem Plus von 622 Millionen Euro (+23,7 Prozent) ihr größtes Wachstum seit Jahren erzielen. Allein 252 Millionen Euro (40 Prozent) davon entfielen auf die großen Drei. Wobei zu berücksichtigen ist, dass Schalke 04 jeweils seine Finanzdaten für ein Kalenderjahr betrachtet.

Dass das Gesamtwachstum der Bundesliga maßgeblich von der wirtschaftlichen Entwicklung der drei umsatzstärksten Clubs abhängt, ist ein Ergebnis der Detail-Betrachtung des Liga-Wachstums der vergangenen Jahre. Naturgemäß offenbart der Gesamtumsatz der Bundesliga nicht die vielschichtigen Entwicklungen bei den Clubs. Allein die Zusammensetzung der Liga hat einen Einfluss auf die Umsatzentwicklung. So wird die Liga als Ganzes in der Saison 2017/18 auch deshalb zulegen, weil die Aufsteiger Hannover 96 und VfB Stuttgart deutlich umsatzstärker sind als die Absteiger FC Ingolstadt 04 und SV Darmstadt 98.

Um derartige Effekte aus der Rechnung herauszulösen, hat SPONSORS die Umsatzentwicklung der einzelnen Clubs über die vergangenen Jahre betrachtet. Dabei wurden nur die Vereine berücksichtigt, die im Betrachtungszeitraum durchgehend in der Bundesliga gespielt haben - und, anders als Bayer 04 Leverkusen oder der VfL Wolfsburg, konkrete Umsatzzahlen veröffentlichen.

Häufig hängen große Umsatzsprünge bei den Bundesligisten mit der zuvor (nicht) erreichten Qualifikation für die internationalen Wettbewerbe oder mit Spielerverkäufen zusammen. Für die zunehmende Bedeutung des Transferge schäfts gibt es angesichts der steigenden Ablösesummen markante Beispiele. Der BVB hat beispielsweise - bedingt durch den Verkauf von Ousmane Dembélé zum FC Barcelona - für die laufende Saison 2017/18 einen Umsatz von "deutlich mehr" als 500 Millionen Euro angekündigt. In der Saison 2016/17 waren es noch 405,7 Millionen Euro.

Besonders hohe Transfereinnahmen lassen sich auch für die weiteren Treiber des starken Bundesliga-Wachstums in der Saison 2015/16 anführen. Die TSG Hoffenheim legte um 52 Millionen auf 123,5 Millionen Euro zu. 56 Millionen Euro ihres Umsatzes erzielten die Kraichgauer durch Transfers, unter anderem mit dem Verkauf von Roberto Firmino zum FC Liverpool. Der 1. FSV Mainz 05 konnte sich in der Saison 2015/16 um 29,5 Millionen auf 104,8 Millionen Euro verbessern, davon wurden 33,3 Millionen mit Transfers erlöst. Der FC Augsburg profitierte bei seinem Wachstum um 36,9 Millionen Euro in der Saison 2015/16 hingegen von der erstmaligen Teilnahme an der UEFA Europa League.

Gladbach am stabilsten

Während einige Clubs in der Saison 2015/16 einen punktuellen Umsatzsprung hinlegten, gibt es auch einige Bundesligisten, die sich in den vergangenen Jahren sehr gleichmäßig entwickelt haben. Auf einem sehr hohen Niveau ist dies beispielsweise dem rheinischen Club Borussia Mönchengladbach gelungen, der wie Schalke 04 seine Finanzzahlen auf Basis des Kalenderjahrs kommuniziert. Seit 2013 hat die Borussia ihren Umsatz kontinuierlich von 91,4 Millionen Euro über 129,8 Millionen (2014) und 160,6 Millionen (2015) auf 196,9 Millionen Euro im Jahr 2016 gesteigert. Mit einem kumulierten Wachstum von 105,5 Millionen Euro haben die "Fohlen" von den betrachteten Clubs hinter Borussia Dortmund (+145 Millionen Euro) und dem FC Bayern (+111,8 Millionen Euro) seit 2013 sogar am drittstärksten zugelegt.

Top-Clubs und die gesamte Liga

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Das kumuliert geringste Umsatzwachstum von 2013 bis 2017 verzeichneten der Hamburger SV (+1 Million Euro) und Hertha BSC (+8 Millionen Euro). Sie sind zugleich die einzigen beiden Clubs mit einem Zuwachs im nur einstelligen Millionen-Bereich.

Auch wenn die niedrigen Umsatzanstiege bei Hertha und dem HSV auf einem ähnlichen Niveau stattfanden, sind die Ursachen unterschiedlich. Der HSV hat primär mit einer anhaltenden Negativentwicklung im sportlichen Bereich zu kämpfen, die sich nachteilig auf das Vermarktungspotenzial ausgewirkt hat. Bei der Hertha hingegen ist zu berücksichtigen, dass der Ausgangswert dieser Betrachtung durch einen Einmaleffekt außergewöhnlich hoch war. So lag der Umsatz des Hauptstadtclubs in der Saison 2013/14 bei 104,3 Millionen Euro, wovon allein 30 Millionen Euro als einmalige Einnahme durch den Einstieg von Investor KKR zustande kamen. Da der Umsatzeffekt in den folgenden Spielzeiten wegfiel, war das Gesamtwachstum der Hertha im Betrachtungszeitrum eher niedrig.

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