Samstag, 14. Dezember 2019

Warum Klartext nicht immer gut ist Die 10 wichtigsten Konflikte in Unternehmen - und wie man sie vermeidet

Wenn es mal knallt: Konfliktprävention ist eine klassische Führungsaufgabe
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Wenn es mal knallt: Konfliktprävention ist eine klassische Führungsaufgabe

Konfliktmanagement ist eine Wissenschaft für sich. Die Fachliteratur, wie man entstandene Konflikte als Führungskraft in den Griff bekommt und Schlimmeres verhindert, füllt ganze Bücherregale. Viel seltener wird darüber gesprochen und geschrieben, wie man mögliche Konfliktherde frühzeitig identifizieren und so den Ausbruch von Konflikten verhindern kann.

Ulrich Goldschmidt
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    Gerhard Blank
    Ulrich Goldschmidt ist ehemaliger Vorstandsvorsitzender und heutiger Senior Advisor des Verbands für Fach- und Führungskräfte (DFK) in Essen. Der Jurist ist Spezialist für Führungsfragen, Vergütung und Corporate Governance. Außerdem ist er Ansprechpartner für die Sprecherausschüsse der Leitenden Angestellten sowie Berater und Coach für Vorstände und Aufsichtsratsmitglieder.

Das mag daran liegen, dass der Begriff "Konflikt" oft einen positiven Anstrich bekommt und mit Euphemismen wie "reinigendes Gewitter" und "Klartext reden" versehen wird. Oft genug geschieht dies aber nur, um eigenes Fehlverhalten beim Entstehen des Konflikts zu kaschieren und schönzureden.

Ein Konflikt ist eben mehr als eine Sachdiskussion mit deutlichen Worten, die in der Tat hilfreich sein kann. Die angeblich rein sachbezogene Auseinandersetzung geht oft sehr viel tiefer, weit in den zwischenmenschlichen Bereich und die menschliche Psyche hinein. Konflikten vorzubeugen ist allemal besser und ressourcenschonender, als hinterher das zerschlagene Porzellan zusammenzukehren. Denn wo Menschen oder menschliche Beziehungen einmal beschädigt sind, ist häufig nichts mehr zu reparieren - und die Folgekosten sind immens.

Konfliktprävention ist eine klassische Führungsaufgabe, die häufig sträflich vernachlässigt wird. Hier die "Top Ten" Konfliktauslöser im Arbeitsleben - und wie sich mit gutem Führungsverhalten Konflikte verhindern lassen.

1. Keine Zeit

Beginnen wir mit dem Klassiker: "Ich würde ja gerne führen, aber irgendwann muss ich ja auch noch arbeiten." Eine Studie des Verbands für Fach- und Führungskräfte (DFK) hat ergeben, dass nur vier Prozent der Führungskräfte mehr als 80 Prozent ihrer Arbeitszeit für Führung aufwenden. Knapp 80 Prozent der Führungskräfte sagen, dass sie sich gerade mal die Hälfte ihrer Arbeitszeit um Führung kümmern können. Ein krasses Missverhältnis, wenn wir andererseits immer davon sprechen, die Mitarbeiter seien das wichtigste Kapital der Unternehmen und der Mensch stehe im Mittelpunkt.

Ganz deutlich: Eine Führungskraft hat Zeit für Führung zu haben! Sie darf sich nicht in Sachbearbeiteraufgaben verzetteln, umgekehrt dürfen Unternehmen Führungskräfte auch nicht als Obersachbearbeiter missbrauchen. Eine Führungskraft muss FÜHREN. Keine Zeit zu haben beinhaltet die fatale Botschaft an die Mitarbeiter: "Du bist mir nicht wichtig genug." Der Subtext ist zudem: Wenn der Mitarbeiter nicht wichtig genug ist, kann es die Aufgabe auch nicht sein. Ansonsten würde sich die Führungskraft ja darum kümmern. Am Ende sind alle unzufrieden. Die Mitarbeiter, weil sie keine Wertschätzung erfahren, und die Vorgesetzten, weil die Arbeit nicht erledigt wird, wie sie es sich vorgestellt haben. Und schon ist der Konflikt da.

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