Freitag, 13. Dezember 2019

Frog-Design-CCO Mark Rolston Das iPhone hat den Designbegriff verändert

Vom Walkman bis zu SAP R/3: Frogs Meilensteine aus vier Jahrzehnten
DPA

3. Teil: Das iPhone-Design ist zweitrangig

mm: Wie das iPhone aussieht, ist also zweitrangig?

Rolston: Man könnte sagen, dass Apple ein gewisses minimalistisches Industriedesign verkörpert, eine Stille in der Formgebung. Aber ist es das, warum Apple geliebt wird? Wohl kaum. Für mich ist es eher so, dass ich Verhaltensweisen auf das iPhone projiziere. Zum Beispiel die eines guten Freundes oder eines Bekannten, dem ich vertrauen kann. Meine Mutter beispielsweise liebt ihr iPhone. Sie weiß nicht genau, warum das so ist. Also sagt sie, sie liebt das Aussehen. Würde ich ihr ein anderes Smartphone geben, würde sie das nach einer Weile auch lieben. Einfach deshalb, weil es nicht um das Aussehen geht, sondern darum, wie sich das Smartphone verhält, was es tut, was es kann.

mm: Steht die Entscheidung Apples, den Chefdesigner Jonathan Ive die Oberfläche des neuen Betriebssystems gestalten zu lassen, für diesen Wandel?

Rolston: Es steht vor allem dafür, dass es schwierig ist, solche Systeme zu designen. Jonathan Ive ist fantastisch darin, wunderschöne Formen zu ersinnen. Und er hat versucht, das auf das Apple-Betriebssystem zu übertragen. Wobei sich herausgestellt hat, dass es nicht so einfach ist. Er hat eine Armee an Helfern und sie werden es schaffen. Aber der erste Wurf ist nicht zwangsläufig das, was wir in späteren Versionen sehen werden. Und davon spreche ich. Die Magie hinter den Produkten, die er bislang gestaltet hat, kam von einem Anderen.

mm: Sie arbeiten schon lange nicht mehr mit Apple Börsen-Chart zeigen zusammen. Inzwischen machen Sie viel mit Microsoft Börsen-Chart zeigen .

Rolston: Wir haben ihnen mit der Xbox geholfen, wir haben ihnen mit Windows geholfen, wir haben mit einigen anderen Produkten geholfen.

mm: Am neuen Windows-Betriebssytem mit Kacheldesign waren sie nicht beteiligt. Mögen Sie es?

Rolston: Es ist mir zu dogmatisch. Es tendiert dazu, einfach anders zu sein, um anders zu sein. Die Folge ist, dass es sehr unflexibel und limitiert ist, Nutzer können es sich nicht so anpassen, wie sie es für ihre Bedürfnisse gerne hätten. Ein Beispiel: Nicht alles lässt sich in Kacheln einpassen. Texte passen nicht richtig, Fotos passen nicht richtig. So ist niemand richtig glücklich. Ich denke, dass sie es in der nächsten Version sehr stark weiterentwickeln müssen. Und ich bin sicher, sie werden das tun - nachdem sie ja bereits 900 Millionen Dollar für ihre Surface-Tablets abschreiben mussten.

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