Samstag, 7. Dezember 2019

Frog-Design-CCO Mark Rolston Das iPhone hat den Designbegriff verändert

Vom Walkman bis zu SAP R/3: Frogs Meilensteine aus vier Jahrzehnten
DPA

2. Teil: Form und Funktion sind keine Einheit mehr

mm: Einer Ihrer Kunden ist Siemens. Mit den Deutschen entwickeln Sie gerade ein Projekt namens "Ansible". Wofür steht das Wort?

Rolston: Das Wort stammt aus einem Science-Fiction-Roman. Es steht für eine Maschine, die mit jeder anderen Maschine verknüpft werden kann. Und das ist auch schon die Idee hinter dem Projekt. Das wichtigste, was heute in modernen Kommunikationssystemen fehlt, ist die Verknüpfung der vielen kleinen Dienste wie Instant Messaging, SMS, Telefone und so weiter. Sie funktionieren für sich genommen gut, zusammen aber kaum. Wir arbeiten daran, dass das künftig übergreifend vom Desktop, über Laptop oder Tablet bis hin zum iPhone funktioniert.

mm: Wann werden Sie das Produkt präsentieren?

Rolston: Wir planen die Markteinführung im kommenden Jahr - vielleicht schon im Frühjahr.

mm: Was Sie mit Siemens Börsen-Chart zeigen machen, klingt so gar nicht nach der Kernkompetenz einer klassischen Designagentur.

Rolston: Das stimmt. Frog gibt es seit 45 Jahren. Seit zwei Jahrzehnten arbeiten wir aber an Produkten, die sich von der physischen Escheinung, die wie beim Toaster selbsterklärend ist, wegbewegen. Beim Toaster gibt das Design die Funktion vor. Hey! Da sind zwei Schlitze! Da könnten wir das Toastbrot reinstecken! (Er gestikuliert und zeigt dann auf ein iPhone auf dem Tisch.) Das hier ist eines jener neuen Geräte, bei denen die Funktionalität sich sozusagen unter der Oberfläche versteckt. Mal ist es ein miniaturisierter Computer, dann ein Mikrofon, während wir dieses Interview führen, ein anderes Mal ist es ein Telefon, dann wieder ein Videospiel. Es ist alles. Die anderen iGeräte oder Smartwatches, sie alle bewegen sich weg von der Welt der zweckgebundenen Produkte.

mm: Bei welchen Produkten jenseits des Smartphones ist das noch so?

Rolston: In den USA gibt es eine neue Produktkategorie: der mit dem Internet verbundene Thermostat. Ursprünglich wurden Thermostaten gestaltet, um an der Wand zu hängen und die Temperatur anzuzeigen. Wir haben jetzt einen Thermostaten entwickelt, der kann an der Wand hängen, er muss es aber nicht. Er hat einen Bedienknopf, aber man muss ihn nicht benutzen. Man kann diesen Thermostaten auch mit dem Smartphone steuern. Man kann ihm Sprachbefehle geben. So wird der Thermostat an der Wand zu einem Symbol, anders als der Toaster.

mm: Was bedeutet das für die Designer?

Rolston: Design ist kein abgeschlossener Prozess mehr. Der Toaster macht auch in hundert Jahren noch das gleiche wie heute. Der Thermostat könnte im kommenden Jahr auch als Alarmanlage dienen, wenn ein Software-Update ihn dazu macht. Diese neuen Produkte lernen auch dazu, je nachdem wie ich sie benutze oder wie die Umgebung auf sie einwirkt. Daraus folgt auch, dass das, was die Menschen an einem Produkt so lieben, oft versteckt hinter der eigentlichen Oberfläche liegt. Aus dem Gedanken, ich liebe dieses Ding, ich liebe diesen Toaster, wird der Gedanke, ich liebe es, egal wo ich mich befinde, die Temperatur in meinem Haus regulieren zu können.

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