Donnerstag, 19. September 2019

Friede Springer "Mich zu formen, wie Axel Springer es getan hat, das würde heute nicht mehr gehen"

Friede Springer: Freunde, Gegner, Weggefährten
Dominik Butzmann für manager magazin

Ohne den Mut und Sachverstand von Friede Springer wäre die Axel Springer AG nicht geworden, was sie heute ist. Erstmals seit 17 Jahren stellte sie sich wieder den Fragen eines Mediums, das nicht ihr gehört. manager magazin begegnete einer selbstbewussten 70-Jährigen, die von einer "dramatischen Zeit" erzählt - und vom verrücktesten Tag ihres Lebens.

Anfang Juni wurde die Verlegerin Friede Springer in die "Hall of Fame" des manager magazins aufgenommen, in die Ruhmeshalle der deutschen Wirtschaft. Im Gespräch mit manager magazin erzählt Friede Springer von ihrer Begegnung mit Leo Kirch, vom schwierigen Weg zur absoluten Mehrheit im Konzern - und wie sie die Axel Springer AG heute sieht.

Hören wir doch einfach mal, was Friede Springer über jenen Tag im September 2001 erzählt, den sie als den verrücktesten ihres Lebens bezeichnet. Es war - die Alten erinnern sich - eine bewegte Zeit: Leo Kirch, der hiesige Medienmogul, war abgebrannt, auf den Hund gekommen, und es stand zum Verzweifeln schlecht um ihn. Aber er kämpfte um sein Lebenswerk, wie ein Berserker - und Friede Springer kämpfte um das ihre: die Mehrheit an der Axel Springer AG.

"Kirch tat mir auch irgendwie leid", sagt sie. "Er war ja fast blind, konnte nichts lesen, und ich fragte ihn: 'Wie können Sie mich denn überhaupt erkennen?' 'An Ihrem Schritt', antwortete er. Er war so schwer zuckerkrank, dass er sich manchmal in meinem Beisein umgedreht und unter die Zunge gespritzt hat." Sie habe dann immer schnell wegsehen müssen.

"Ganz zum Schluss, als er gedroht hatte, dass er seinen Anteil an unserem Unternehmen an einen Sohn von Gaddafi verkaufen würde, habe ich unseren Anwalt Gerold Bezzenberger am Arm genommen und gesagt: ,So, jetzt wird's kritisch, jetzt müssen wir nach München.' Und dann haben wir den verrücktesten Tag meines Lebens in Leo Kirchs Büro verbracht", erzählt Friede Springer.

"Kirch war groß in Form, Sie glauben es nicht! ,Was möchten Sie?' und ,Nachher gehen wir essen!' und ,Sie müssen unseren Anteil kaufen, Frau Springer! Ich will ihn doch gar nicht an Gaddafis Sohn verkaufen. Das wäre ja gemein von mir!' Wirklich, so war das. Ich sagte ihm: ,Herr Kirch, ich habe das Geld nicht, ich kann nicht mit meinem kleinen Vermögen Ihre 40 Prozent am Verlag zurückkaufen!' ,Doch', sagte er da. ,Sie bekommen bestimmt einen Kredit bei der HypoVereinsbank! Ich lasse den Wagen vorfahren, Sie fahren da jetzt hin.' Wirklich, er hat beim Vorstand Dieter Rampl angerufen und gesagt, dass Frau Springer gleich mit Herrn Dr. Bezzenberger vorbeikomme. Und wir sind wirklich dorthin gefahren - aber sie haben uns natürlich abgebürstet. Das war das einzige Mal, dass ich bei Kirch in München war."

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