Sonntag, 16. Juni 2019

Gewinnwarnung Fresenius schockt Aktionäre

Ein Fall für die Intensivstation? Fresenius hat seinen Ruf als Renditemaschine vorerst verloren

Der Gesundheitskonzern Fresenius gibt seine mittelfristigen Ziele für Umsatz und Gewinn auf. Das Ergebnis im kommenden Jahr werde stagnieren. Nach den Warnungen vom Oktober überrascht der schwache Ausblick nicht wirklich, zugleich kündigt der Vorstand eine höhere Dividende an: All das aber verfängt bei den Anlegern nicht. Die Aktie bricht zweistellig ein, auch die von Fresenius Medical Care geben kräftig nach.

Der Gesundheitskonzern Fresenius muss sich von seinen Zielen für 2020 verabschieden. Auf Basis der derzeitigen Erwartungen für die Geschäftsjahre 2018 und 2019 werde nicht mehr damit gerechnet, "die anspruchsvollen Mittelfristziele für 2020 zu erreichen", teilte das Unternehmen am Donnerstagabend mit. Für das kommende Jahr rechnet Fresenius mit einem organischen Umsatzwachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich. Das Konzernergebnis wird voraussichtlich stagnieren.

Bislang hatte der Vorstand von 2018 bis 2020 eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate von 7,1 bis 10,3 Prozent angestrebt. Das Konzernergebnis sollte in dem Zeitraum um durchschnittlich 8,3 bis 12,6 Prozent zulegen.

Anleger zeigen sich zunächst geschockt

Die Aktien von Fresenius Börsen-Chart zeigen brachen zu Handelsbeginn zunächst um 12,6 Prozent auf ein Vier-Jahres-Tief von 41,40 Euro ein. Der Dialyse-Spezialist Fresenius Medical Care Börsen-Chart zeigen , der wie die Mutter Fresenius im Dax notiert ist, stellt sich für das kommende Jahr nur auf ein Konzernergebnis etwa auf dem Niveau von 2018 ein. Hier gaben die 5,4 Prozent nach.

Mehr Dividende trotz Gewinnstagnation geplant

Vorstandschef Stephan Sturm will nun mit Maßnahmen zur Umsatzsteigerung und Kostensenkungen gegensteuern. Die Aktionäre will er mit steigenden Dividenden bei der Stange halten. Sie sollen 2019 trotz der erwarteten Gewinnstagnation eine höhere Ausschüttung erhalten.

"Wir bleiben sehr zuversichtlich für den mittel- und langfristigen Wachstumskurs von Fresenius", sagte Sturm. Im Gegensatz zu den vorherigen Mittelfristzielen sind in seiner Rechnung nun keine Effekte durch kleine und mittelgroße Zukäufe mehr enthalten.

Übernahmen "bleiben indes auch in Zukunft ein wesentlicher Treiber unseres Wachstums", betonte er. Fresenius stehe vor wichtigen Investitionen. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung sowie die Weiterentwicklung des Geschäfts sollen 2019 noch einmal erhöht werden.

"Nachhaltiges" Wachstum ab 2020

Ab 2020 erwartet Fresenius ein "nachhaltiges" organisches Umsatzwachstum im mittleren einstelligen Bereich. Das Konzernergebnis soll etwas stärker zulegen. Zu einer Beschleunigung des Ergebniswachstums soll das Erreichen der Gewinnzone im Geschäft mit Biosimilars - Nachahmer von biotechnologisch hergestellter Arzneimittel - bei der auf Nachahmermedikamenten spezialisierten Sparte Kabi beitragen.

Für Kabi zeigte sich Fresenius im kommenden Jahr noch am zuversichtlichsten: Das operative Ergebnis (Ebit) der Sparte soll 2019 währungsbereinigt im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich zulegen. Bei der Klinikkette Helios erwartet der Vorstand dagegen einen Rückgang im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich.


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Der Dialyse-Spezialist Fresenius Medical Care (FMC), der wie die Mutter Fresenius im Dax notiert ist, stellt sich für das kommende Jahr nur auf ein Konzernergebnis etwa auf dem Niveau von 2018 ein. Das Unternehmen hatte im Oktober seine Ziele für dieses Jahr gesenkt und rechnet für 2018 noch mit einem Ergebnisanstieg von 11 bis 12 Prozent. Auch Fresenius hatte deshalb und weil sich das Geschäft bei Helios schwächer als erwartet entwickelt hatte, seine Prognose gekappt. Die Aktionäre zeigten sich ob der Gewinnwarnungen schwer enttäuscht.

rei/Reuters

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