Dienstag, 25. Februar 2020

Frauen in Führungspositionen In der Finanzbranche fehlt weiblicher Nachwuchs - was tun?

Gängiges Vorurteil: Finanzen sind immer noch Männersache.
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Gängiges Vorurteil: Finanzen sind immer noch Männersache.

Erst kürzlich überraschte Ursula von der Leyen mit einer EU-Kommission, die zu fast 50 Prozent weiblich ist. Und hielt somit ihr Versprechen, auf Geschlechterparität zu setzen. Was in der Brüsseler Politik mittlerweile angekommen zu sein scheint, lässt sich aber nicht von allen Branchen gleichermaßen sagen. Ob Technik, Handwerk oder Pflege - in vielen Bereichen ist die Geschlechterausgewogenheit zwar im Laufe der Jahre in den Fokus gerückt, aber noch lange keine Normalität.

So auch im Finanz-, speziell im Fondssektor, wo weibliche Führungskräfte kaum zu finden sind. Der aktuelle Alpha Female Report von Citywire bestätigt: Nur rund 11 Prozent der Fondsmanager in Citywires globaler Datenbank sind Frauen. Und seit Jahren ist keine Veränderung erkennbar.

Doch woran liegt das? Anne Connelly, Mitgründerin des Netzwerks "Fondsfrauen", hat mehr als 30 Jahre Erfahrung in der Branche und sagt: "Frauen denken oft, die Branche habe sehr viel mit Mathe zu tun und die Börse interessiert sie nicht. Sie haben meist noch große Vorbehalte und fühlen sich abgeschreckt von der männlichen Dominanz."

Das sei auch nicht komplett unbegründet, so Connelly. Zwar gebe es viel 'good will' bei Unternehmensleitungen und Personalern. Das Problem sei jedoch die große Mittelschicht, die um ihre Privilegien fürchte, Angst vor dem Wandel habe und die Notwendigkeit von mehr Frauen in der Branche nicht sehe.

Viele Vorurteile sind nicht ganz falsch

Gemeinsam mit Alexandra Niessen-Ruenzi, Professorin an der Uni Mannheim, hat sie in der Studierendenbefragung "Fearless Girls" herausgefunden, dass Studentinnen die Branche oftmals als zu unmoralisch, zu männerlastig, zu kompetitiv und kaum familienfreundlich empfinden. Niessen-Ruenzi dazu: "Die Branche wirkt nach außen hin hauptsächlich auf Renditemaximierung und Konkurrenzkampf fokussiert - das schreckt Frauen häufig ab."

Die Professorin sieht ein Problem auch auf Seiten der Investoren: In einer anderen repräsentativen Studie hat sie herausgefunden, dass von Frauen gemangte Fonds rund ein Drittel weniger Zuflüsse erhalten als die von Männern geführten Pendants. Ihrer Beobachtung nach haben männliche Investoren eine Scheu, bei Frauen anzulegen. Diesen Umstand bringt sie mithilfe des renommierten implizierten Assoziations-Tests auch in Verbindung mit gängigen Vorurteilen, etwa dass Männer häufig noch für die Finanzen zuständig seien.

Das birgt eine weitere Gefahr auf der Unternehmerseite: Wenn weibliche Portfoliomanager weniger Geld bringen, gibt es auch weniger Anreize, diese vermehrt einzustellen. "Auch wenn man fünf Jahre später nicht mehr weiß, wer den Fonds damals geleitet hat, bei der Entscheidung, wo man sein Geld anlegt, vor allem, wenn man von vielen Fachbegriffen nicht so viel versteht, fokussiert man sich eher auf Dinge, die man einordnen kann, zum Beispiel Namen, und wählt manchmal auch nach Gefühl."

In London ist es leichter

Vor allem in Deutschland sehen die Experten großen Nachholbedarf. Im Gegensatz dazu werden immer wieder die angelsächsischen Länder als positives Beispiel herangezogen. Eine, die es genau weiß, ist Karoline Rosenberg. Sie ist Fondsmanagerin bei Fidelity in London und verwaltet 463 Millionen Euro für ihre Anleger. Sie findet, dass Investieren sehr wohl ein geeigneter Beruf für Frauen sei, weil es "egal ist, ob du ein Mann oder eine Frau, schwarz oder weiß oder was auch immer bist - am Ende zählen nur die Zahlen, dein Erfolg ist messbar", ist sich Rosenberg sicher. "Ich muss nicht besser sein als die Kollegen, sondern als der Markt." Die gebürtige Bayerin motiviert umso mehr, dass der Markt ihr immer wieder direktes Feedback gebe.

Ihr Job sei zudem auch gut mit ihrer Mutterrolle zu vereinen: "Hier sind Männer und Frauen im Job viel gleichberechtigter, man ist keine Rabenmutter, nur weil man wieder arbeiten gehen möchte", so Rosenberg. "In Deutschland ist die Erwartungshaltung an Mütter häufig viel größer, es baut Druck auf, dass man in eine gewisse Rolle passen muss, in Großbritannien ist das Ganze dagegen viel freier."

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