Dienstag, 12. November 2019

Sparkassen-Chef und Volksbank-Chefin legen Filialen zusammen "Das ist intelligentes Kostensparen"

Heute blau, morgen rot: So sollen die gemeinsamen Filialen aussehen
Katrin Denkewitz/Frankfurter Volksbank

Eva Wunsch-Weber, Chefin der Frankfurter Volksbank, und Oliver Klink, Chef der Taunus Sparkasse, über ihren Plan, erstmals insgesamt 26 Filialen im Raum Frankfurt gemeinsam zu nutzen. Was sind die Gründe - und wie soll das praktisch funktionieren?

manager-magazin.de: Frau Wunsch-Weber, Herr Klink, vielerorts werden Bank- oder Sparkassenfilialen geschlossen. Sie gehen einen anderen Weg: Als erste Sparkasse und als erste Volksbank haben ihre beiden Häuser beschlossen, in größerem Stil Filialen gemeinsam, also abwechselnd, zu nutzen. Was steckt dahinter?

Oliver Klink: Ausgangspunkt war unsere Überzeugung, dass Filialen ein integraler Bestandteil eines Multi-Channel-Ansatzes in unserem Kontakt zum Kunden sind. Statt Geschäftsstellen zu schließen, wollen wir daher gemeinsam investieren, die Standorte sichern - und am Ende auch noch Geld sparen. Aber auch genau in dieser Reihenfolge. Dazu müssen Sie wissen, dass die Frankfurter Volksbank und die Taunus Sparkasse schon lange vertrauensvoll zusammenarbeiten. Die ersten gemeinsamen SB-Stellen sind bereits 2001 ans Netz gegangen.

Eva Wunsch-Weber: Wichtig ist, dass wir beide, also ein Institut aus dem Sparkassenlager und eines aus dem Genossenschaftssektor, weiterhin Wettbewerber bleiben. Indem wir gemeinsame Räumlichkeiten nutzen, rücken wir zwar buchstäblich zusammen, treten aber in den Märkten Hochtaunus und Main-Taunus auch künftig als Konkurrenten auf.

Welche Rolle hat bei ihrem Entschluss das Thema Kostendruck und EZB-Niedrigzinspolitik gespielt, die ihnen das Leben auch nicht gerade leichter macht?

Klink: Es ist faszinierend, dass wir von Außenstehenden in diesem Zusammenhang immer auf diese Themen angesprochen werden. Unsere beiden Häuser sind außerordentlich ergebnisstark. Wir sind eine der am schnellsten wachsenden Sparkassen in Deutschland. Die Frankfurter Volksbank ist die zweitgrößte Volksbank, ebenfalls mit einem Wachstumsmodell dahinter. Wir haben also eine ganz andere Grundposition, zudem in einer tollen Region. Außerdem sind wir überzeugt davon, dass Filialen unverändert einen Sinn haben. Deshalb verteidigen wir dieses Thema. Wir wollen die Standorte sichern und sogar dort investieren.

Wunsch-Weber: Kunden möchten sich nicht zwischen online oder konventionellen Wegen entscheiden müssen, sondern jederzeit frei wählen können, wie sie mit uns in Kontakt treten. Sie suchen sich beispielsweise im Internet erste Informationen zu einer Fragestellung, die sie dann in der Filiale im persönlichen Gespräch mit ihrem Kundenberater individuell vertiefen. Das bedeutet: Die meisten Kunden bewegen sich hin und her zwischen den Welten. Das führt einerseits zu einer niedrigeren Frequenz in den Zweigstellen, heißt andererseits aber keinesfalls, dass die Kunden auf die kompetente Beratung in unseren Filialen verzichten möchten.

Kosten senken war gar kein Thema?

Klink: Wer kosten sparen will, der schließt Filialen ganz. Wir haben ein Modell, in das man investieren kann. Wir glauben, wenn wir die Stellen behalten, dann müssen sie auch attraktiv sein. Und wenn man dies dann zu zweit macht, dann hat man eben die halben Investitionen mit dem gleichen Nutzen.

Das ist allerdings auch eine Form von Kostenersparnis, nur etwas anders formuliert.

Wunsch-Weber: Richtig, es ist aber intelligentes und vor allem kundenorientiertes Kostensparen. Wenn noch ein drittes Institut hinzukäme, dann teilt es sich sogar durch drei….

Klink: Wenn man sich die Filialen teilt, braucht man auch weniger Leute. Damit werden ebenfalls Kosten gesenkt. Unterm Strich spart man also etwa 40 Prozent von dem, was man sparen würde, wenn man eine solche Filiale schließt.

Heißt das, die Filialen, von denen wir sprechen, waren von der Schließung bedroht?

Klink: Nein, derzeit nicht.. Wir haben gesagt: Es gibt eine Menge Standorte, die sind nur wenige hundert Meter voneinander entfernt. Das heißt, ist der Kunde nicht zufrieden, geht er ohnehin 300 Meter weiter zur Konkurrenz. Jetzt muss der Kunde nicht mehr laufen und findet uns an einem Finanztreffpunkt.

Kommen wir zum praktischen Teil: Was genau muss konkret passieren, damit eine Sparkasse und eine Volksbank gemeinsam in den gleichen Räumlichkeiten arbeiten können?

Wunsch-Weber: Zu Beginn unserer viermonatigen Projektphase haben wir die Standorte hinsichtlich Raumgröße, Erreichbarkeit und Barrierefreiheit bewertet.

Klink: Als wir die Bewertung fertig hatten und die Filialen identifiziert waren, die wir nehmen wollen, haben wir mit einem Frankfurter Architekten ein sehr offenes, zugängliches Konzept für die Gestaltung entwickelt. Das ist ganz transparent und modern.

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