Sonntag, 31. Mai 2020

Mehrere Wechsel Firmenjet-Skandal schüttelt schwedische Chefetagen durch

Firmenjet (Symbolbild): Vergessene Geldbörse abgeholt

Skandal um die private Nutzung von Firmenjets in Schweden: In den Chefetagen mächtiger Beteiligungsgesellschaften und Industrieunternehmen rollen Köpfe. Ein besonders einflussreicher Manager verliert gleich alle Posten.

London - Ein Skandal um die private Nutzung von Firmenjets erschüttert die schwedische Geschäftswelt. Laut "Financial Times" ("FT") dreht sich deshalb das Personalkarussell bei mehreren Unternehmen und Beteiligungsgesellschaften. Die Personalien im Überblick:

  • Sverker Martin-Löf, Vorstandschef von Industrivärden, SCA, SSAB und Vize-Vorstandschef von Ericsson Börsen-Chart zeigen, Handelsbanken sowie Direktor von Skanska Börsen-Chart zeigen, legt laut "FT" alle Posten nieder;
  • Industrivärden-Geschäftsführer Anders Nyrén ersetzt Martin-Löf demnach als Vorstandschef der Beteiligungsgesellschaft. Seinen Posten als Vorstandschef von Handelsbanken gibt Nyrén dafür ab. Zusätzlich wird er Direktor von Ericsson;
  • der Handelsbanken-Geschäftsführer Pär Boman wird Handelsbanken-Vorstandschef, außerdem Vorstandschef von SCA sowie Direktor von Skanska;
  • der frühere Industrivärden-Manager Bengt Kjell wird Vorstandschef von SSAB.

Der Skandal entzündete sich laut "FT" an einem Bericht der Tageszeitung "Svenska Dagbladet", wonach mehrere Vorstandschefs bei Geschäftsreisen ihre Frauen und Kinder in Firmenjets mitgenommen hatten, darunter auch zu einer Jagdhütte von SCA. Der schwedische Hersteller von Zellulose- und Papierprodukten wird zum Teil von der Beteiligungsgesellschaft Industrivärden kontrolliert. Wie hoch der entstandene Schaden ist, war vorerst unklar.

Industrivärden hält auch Anteile an dem Lkw-Bauer Volvo Börsen-Chart zeigen, am Telekom-Konzern Ericsson, am Industrieunternehmen Sandvik Börsen-Chart zeigen sowie an Handelsbanken, Schwedens größtem Geldhaus. Zusammen mit der Familie Wallenberg kontrolliert Industrivärden mehr als die Hälfte des Börsenwerts der Stockholmer Börse.

Schwedische Investoren beklagten laut "FT", dass die Macht bei Industrivärden zu stark konzentriert gewesen sei bei dem geschassten Vorstandschef Martin-Löf und seinem designierten Nachfolger Nyrén, die sich gegenseitig Ausgaben abgezeichnet hätten.

Insider: Industrivärden hat Bezug zur Wirklichkeit verloren

Nyrén sagte laut Bericht: "Wenn sich erst einmal der Staub gelegt hat, können wir sagen, dass Schweden ein sehr kleines Land ist, ein eng verbundenes Gebiet mit viel Einfluss". Der Schritt, den Industrivärden schon bald verkünden werde, bringe "frisches Blut" in die Führungsriegen. Die Ablösung Martin-Löfs war laut Nyrén ohnehin für kommendes Jahr geplant.

Insider indes nennen Industrivärden ein Unternehmen, das den Bezug zur Wirklichkeit verloren habe. So habe im Firmenjet-Skandal eine Person ein Flugzeug von Nordschweden nach Stockholm geschickt mit dem Auftrag, eine vergessene Geldbörse einzusammeln.

Immerhin: Die Insider erwarten, dass Pär Boman, der Handelsbanken erfolgreich durch die Finanzkrise steuerte, nun bei SCA als neuer Vorstandschef aufräumen werde. Das scheint auch dringend geboten. Der geschasste Martin-Löf war laut Bericht ein Vierteljahrhundert als Geschäftsführer oder Vorstandschef bei dem Papier- und Zellulosehersteller tätig. Die private Nutzung von Firmenjets soll SCA bereits eingedämmt haben.

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